Organentnahme: Hirntote leben noch


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ln den USA ist eine Herzentnahme bei einem Hirntoten für die Transplantation Mord und wird entsprechend bestraft In Europa ist es anders. Man verdrängt hier gern, dass Hirntote noch leben.

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Immer wieder kommt es vor, dass im Koma liegende schwerverletzte Patienten von den Ärzten irgendwann für »hirntot« erklärt werden. Man bereitet sie dann häufig für die Entnahme transplantationsfähiger Organe vor. Und mitunter wachen sie gerade dann plötzlich auf, wenn die Chirurgen sich anschicken, ans Werk zu gehen.

Das Hirntodkriterium

Vor wenigen Wochen berichteten die Medien über eine junge Frau, die wegen einer Überdosis von Rauschgift in ein New Yorker Krankenhaus eingeliefert worden war und plötzlich wieder zu sich kam, als die Chirurgen mit der Vorbereitung der Organentnahme begannen. Solche Vorkommnisse bestärken jene, die das von der Bundesärztekammer definierte Hirntodkriterium und damit die ethische Grundlage der gesamten Transplantationsmedizin infrage stellen.

Das Hirntodkriterium für die ethische Vertretbarkeit der Entnahme noch lebender Organe aus einem Körper beruht auf der Annahme, dass das Zusammenwirken, die Integration der Organe zu einem
funktionsfähigen Organismus, im Wesentlichen vom Hirn gesteuert wird. Doch diese Annahme hat sich als nicht stichhaltig erwiesen. Hirntote reagieren nachweislich auf Schmerzreize mit der Ausschüttung von Stresshormonen.

Sie regulieren weiterhin ihre Körpertemperatur, produzieren Exkremente und wehren Infektionen mithilfe ihres Immunsystems ab. Hirntote Schwangere können bekanntlich gesunde Babys austragen. Das Gedächtnis ist nicht auf das Hirn beschränkt. Es lässt sich experimentell nicht einmal klären, ob das Hirn Bewusstsein und Gedächtnis selbst produziert oder nicht vielmehr empfängt. Auch das Kriterium des aktiven Atmens versagt, weil dann Ungeborene nicht als Lebewesen anerkannt würden.

Und deshalb gelten Hirntote in der amerikanischen Fachdiskussion im Rahmen des President’s Council on Bioethics als »sterbend« und nicht mehr als »tot.« Konsequenz: Die Entnahme nichtpaariger lebender Organe ist ein Tötungsakt. Der Tod tritt ein durch die Entnahme des Herzens oder durch das Ausbluten bei der Entnahme anderer Organe. Auch der für die Fest-

Stellung des Hirntods von der Bundesärztekammer vorgeschriebene Apnoe-Test kann allein schon zur Unterbrechung der Blutzirkulation im Gehirn und zum Herzstillstand führen. Tote Organe können nicht verpflanzt werden, weil der Empfängerorganismus damit vergiftet würde.

Deshalb hat der deutsche Verein »Kritische Aufklärung über Organtransplantation« Anfang 2012 in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin, den Gesundheitsminister und die Justizminis-terin gefordert: »Es muss der Bevölkerung verständlich erklärt werden, dass ein Organspender während der Organentnahme noch lebendig ist, denn die Verpflanzung von Organen, die aus einem toten Körper stammen, wäre für die Empfänger tödlich.«

Damit werden allerdings jene kein Problem haben, die ohnehin der Vernichtung lebensunwerten Lebens (Euthanasie) das Wort reden.

Im Nachbarland Holland ist diese im Prinzip erlaubt, in Deutschland jedoch (noch) verboten.

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nachzulesen bei Kopp-Exklusiv 31-2013