Russlanddeutsche entdecken sich als politische Macht…eine keimende Hoffnung für unsere Existenz?


 Der Auslöser entpuppte sich als Falschmeldung: Die Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen durch Asylbewerber. Auf den empörten Demonstrationen, die der vermeintlichen Untat folgten, machten zahllose Russlanddeutsche jedoch eine Erfahrung, die ihnen bislang fremd war. Sie nahmen sich erstmals als politische Kraft wahr.

Russlanddeutsche

Viele Medien registrieren das politische Erwachen der Gruppe, die rund 2,5 Millionen Bundesbürger umfasst, mit Unbehagen. Linke Kreise begegneten den Deutschen aus der ehemaligen UdSSR seit jeher mit Miss­trauen.

Es waren die „falschen“ Zuwanderer, weil das Deutschsein ihr gemeinschaftsstiftendes Kennzeichen darstellt. Viele hatten daran festgehalten, auch als dies Vertreibung nach Sibirien, massenhaften Tod und für die Überlebenden jahrzehntelange Diskriminierung bedeutete.

Neues, altes Feindbild der Linken…

Vor einem Vierteljahrhundert titelte das (längst untergegangene) linke Trendmagazin „Tempo“ mit der Parole „Aussiedler raus!“ und fasste damit die Stimmung unter deutschen Linken gegenüber den Landsleuten aus dem Osten polemisch zusammen.

Später wurde es still um die Volksgruppe. Die Russlanddeutschen integrierten sich still und unauffällig, bevorzugte Partei war die CDU, weil sie Kanzler Kohl dankbar waren dafür, dass er ihnen einst die Tür geöffnet habe.

Verglichen mit manchen nichtdeutschen Zuwanderergruppen etwa waren sie nahezu unsichtbar, wiesen ein geringes „Störpotenzial“ auf, wie es der grüne Publizist Sergey Lagodinsky gegen­über „Focus online“ ausdrückt.

Die Asylflut aber hat der Stille und Angepasstheit bei vielen Deutschen aus Russland ein jähes Ende gesetzt.

„Wir Russlanddeutsche haben unser Recht entdeckt, uns zu Wort zu melden. Wir sind jetzt aufgewacht, und die Regierung soll uns hören. Wir werden uns weiter einmischen“, so eine Rednerin in Berlin laut RBB.

Viele Mitglieder der Volksgruppe fürchten, dass ihre neue, alte Heimat Deutschland vom Asylzustrom überrollt wird und sich daher in ernster Gefahr befindet.

Das treibt sie auf die Straße und in Opposition zu etablierten Parteien, auch zur bislang bevorzugten CDU. Stattdessen sehen Kenner der Szene bei vielen Russlanddeutschen eine Annäherung an die AfD.

Jene Annäherung wird dadurch beflügelt, dass führende AfD-Politiker wie vor allem Alexander Gauland für eine Verständigung mit Russland eintreten und die Sanktionspolitik kritisieren.

Russland fühlen sich viele Russlanddeutsche nach wie vor verbunden. Da sie sich ebenso als deutsche Patrioten sehen, leiden sie unter dem politischen Zerwürfnis zwischen Berlin und Moskau besonders.

Der Zwist geht ihnen wie ein Schnitt durchs eigene Herz.

Diese Kombination – deutscher Patriotismus, Verbundenheit mit Russland, Kritik an der Asylpolitik und nun auch noch eine gewisse Affinität zur AfD – lässt Russlanddeutsche (erneut) zum idealen Feindbild weiter Kreise von Politik und veröffentlichter Meinung avancieren.

Gleichwohl lässt die aufkeimende Lust vieler Russlanddeutscher, sich politisch einzumischen, erwarten, dass man künftig mit ihnen wird rechnen müssen bei den anstehenden Diskussionen um die Zukunft Deutschlands.

paz2016-06

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