Und ginge morgen die Welt unter … von Eva Hermann


Reihe: Frei gedacht Eva Herman

 

Und ginge morgen die Welt unter, so pflanzte ich heute ein Apfelbäumchen.“ So sagte es Martin Luther vor über 600 Jahren, jener Mann, der allen Mut der Welt zusammennahm, um sich gegen eine der größten irdischen Mächte, die Kirche, zu stellen.

Folgender Gedanke: Was wäre, wenn wir heute wissen würden, dass morgen die Welt untergeht? Sagen wir mal, nicht direkt morgen, sondern nehmen wir an, der Weltuntergang wäre exakt für den 30. Mai 2015 geplant. Wir hätten also ein knappes Jahr noch Zeit. Was würden wir tun?

Gewiss gäbe es eine ganze Reihe von Menschen, die in Angst erstarrten. Nur so kurz noch, würden sie sagen, dann ist alles aus! Vielleicht würden etliche dieser Leute ihrem Leben schon vorher ein Ende setzen, aus Furcht vor dem kommenden Geschehen. Die Willkür, die mit dieser Prophezeiung über sie käme, hielten sie einfach nicht aus.

Andere wiederum würden die anfängliche Schocksituation überwinden und sich in die Abenteuer des Lebens stürzen, wie Ertrinkende. Nach dem Motto: Jetzt kommt es auch nicht mehr drauf an, würde man feiern, trinken, tanzen – bis der Arzt kommt!

Dann wäre da wohl auch ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung, der – nach dem Prinzip: Augen zu und durch! – einfach weitermachen würde wie bisher. Er stünde morgens auf und ginge zur Arbeit. Am Abend käme er heim, schaltete den Fernseher ein und würde die Probleme der Welt zwar in flimmernden Bildern erklärt bekommen, doch immer noch wäre er kaum erreichbar für Not und Elend der Menschen und Tiere in anderen Erdteilen, oder auch direkt nebenan.

Und plötzlich wäre das
von Menschen begangene
Unrecht im Blickfeld

Und wahrscheinlich wäre es nur eine ganz verschwindende Minderheit, die etwas völlig anderes täte als all das vorher Genannte. Diese Menschen würden sich zurückziehen, um in Ruhe in ihre Kraft zu kommen. Sie würden sich vermutlich mit höheren Mächten in Verbindung zu setzen suchen, denen sie mehr vertrauen. Schnell könnten sie erkennen, dass die letzten Tage in Wahrheit eine lange Vorgeschichte haben. Und dass es alleine Menschen waren, welche die gefährliche Situation herbeiführten. Zahlreiche Beispiele würden sich vor dem geistigen Auge entrollen: unsägliches Leid seit Jahrtausenden durch Macht-, Glaubens- und Geldkriege. Deutlich träte die Wahrheit hervor: dass es nämlich stets die Herrscher gewesen waren, die Millionen Menschen ins Unglück führten, während diese Handvoll Entscheider meist nicht nur ungeschoren davon kam, sondern auch noch Profit aus dem vielfältigen Leid zog.

Auch die derzeit hoffnungslose Lage auf vielen Kontinenten würde plötzlich deutlicher werden: Millionen Menschen auf der Flucht, ohne Heimat, ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne Verständnis höhergestellter Handelnder – ohne Nächstenliebe! Aller Glaube, alle Hoffnung in ihnen zerstört, die Liebe vernichtet, weil sie alleine gelassen wurden in ihrer Not, während es anderen Bevölkerungsteilen gut ging.

Ebenso deutlich würde in diesen letzten Tagen das Bild jener Menschenmassen auferstehen, die ohne Demut sind. Eigensinnig vertreten sie ihre Ansprüche, in dumpfem Eigenwollen übersehen sie die Naturgesetze, immer nur einem Ziel folgend: noch mehr Geld, noch mehr Macht zu scheffeln, um sich über andere erheben zu können. Doch sind diese Leute eigentlich als schlechter zu bezeichnen als alle die Verzagten, die jetzt aus lauter Angst vor Diffamierung und Diskriminierung ihre eigene Meinung sich nicht mehr auszusprechen trauen? Die lieber schweigen, und eine Kröte nach der anderen schlucken, um nur keinen Ärger zu bekommen?

Doch das wären noch längst nicht alle Probleme, die dieser geringste Teil der Menschheit in den Gefahren der letzten Tage erkennen könnte. Plötzlich wäre ihnen klar, wie viel Leid und Elend über jedes einzelne Tier auf dieser Erde gebracht worden war in all den zurückliegenden Jahrhunderten, welches, von berechnender Menschenhand gefüttert und gemästet, stets nur einem einzigen Zwecke zugeführt worden war: dem unersättlichen Fleischkonsum der Masse, die schon längst nicht mehr in Andacht für das tägliche Mahl zu danken wusste, sondern nur noch blindlings in sich hineinstopfte, was sie kriegen konnte, für möglichst billig Geld. Das Leid dieser geschundenen Tierseelen würde sich erheben und als einziger riesiger Vorwurf die Welt verdunkeln wie eine gewaltige Kraftzentrale der Mahnung.

Qualen der
Tiere und Kinder werden
ignoriert

Doch nicht genug damit, denn nun erstünden all die Qualen der kleinen Kinder, die seit Jahrzehnten aus der Wärme der Familie gerissen und in fremde Hände gegeben wurden. Ihr Schreien und Wehklagen war nie beachtet worden, es war verklungen im lauten Einheitsgeschrei des Fortschritts, wo es fast nur moderne Frauen gab, die ihre hohe Würde und Aufgabe eingetauscht hatten gegen ein anstrengendes Geschäft: den Feminismus. Plötzlich fiele es den letzten Erkennenden wie Schuppen von den Augen, entsetzt müssten sie erkennen, dass dieser Plan ein Irrtum auf der ganzen Linie war, der nur Verlierer kannte: die aufgeriebenen Frauen, die niemals mehr zur Ruhe kamen, weder im Job noch zu Hause bei den Kindern, noch als Partnerin eines Mannes.

Und auch die Männer, so wäre auf einmal klar, hatten ja nur gelitten: Zwar wussten diese selbst, dass es zwischen dem Weichei und dem gewaltbereiten Macho – beides hatten die sogenannten Emanzipierten erkoren zum Todfeind der Frau – noch eine Menge von Nuancen und Farbabstufungen, dass es da sogar etwas wie die große Liebe gegeben hatte. Doch längst hatten alle dies vergessen, im großen Kampf um die angebliche Unabhängigkeit.

Die Reise der Erkenntnis wäre immer noch nicht zu Ende für jene kleine Menschenschar, die der Wahrheit den Vorzug zu geben bereit war. Wie eine riesige Nebelwolke stünde plötzlich ein gewaltiger Vorwurf am Himmel, welcher durch keine Macht der Welt mehr vertrieben werden könnte: Ihr habt das Entscheidende vergessen! Ihr glaubtet, alles alleine entscheiden zu können, zu nehmen, zu genießen, zu konsumieren. Doch fragtet Ihr nur ein einziges Mal, woher alles gekommen war? Welcher hohen Quelle war es entsprungen? Das Essen – längst vergiftet, die Rohstoffe – ausgebeutet, die Felder voller Ähren – inzwischen durch Pestizide verseucht, die Winde und der Sauerstoff – durch unsachgemäße Behandlung stark verunreinigt, das Wasser – durch globale Profitgier sanktioniert und verpestet, stellenweise einer braunen, giftigen Kloake nur noch gleichend … Die Welt: ein Trümmerfeld. War es so wirklich vorgesehen?

Die wenigen Menschen, deren Binde Stück für Stück von den Augen fiele, erhielten in den letzten Tagen auch noch Besuch: Zahlreiche Vertreter aller Untugenden kämen vorbei, die diese Erde zu unbewohnbarem Gebiet gemacht hatten, als da wären: die Gier, Eitelkeit, Machtlust, Unterdrückung, Größenwahn, Unwahrheit, Vertuschung, Tarnung, Lüge – die Lieblosigkeit!

Zum Glück handelt es sich bei dieser Geschichte um ein reines Gedankenspiel. Ich kenne niemanden, der behauptet, im nächsten Jahr gehe die Welt unter. Doch in manchen Momenten frage ich mich, was ich in einem solchen Fall wohl tun würde?

Und ginge morgen die Welt unter, so pflanzte ich heute ein Apfelbäumchen. Wie es diesem Apfelbäumchen wohl morgen ginge?

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paz 24-14

6 Kommentare

  1. Wir sollten uns wieder auf unseren Ursprung besinnen und dazu fand ich das hier
    http://www.wurzelwerk.at/thema/landgodhtru07.php
    Zitate
    „Betrachtet man die Neuheidenszene und blickt auf diverse wissenschaftliche Überlieferungen, so fällt einem oft etwas sehr Paradoxes ins Auge. Oft werden die Kelten als matriarchal dargestellt und nicht selten finden sich unter den Keltenbegeisterten Frauen, die bei der großen Göttin beschwören, dass bei den Kelten die Frauen wichtiger als die Männer waren. Bei den Neugermanen hingegen scheint nicht allzu selten ein eher patriarchalischer Kurs vorzulegen.[1]
    Paradox ist es deshalb, weil es wohl eher umgekehrt war, gehen wir von der Korrektheit der schriftlichen Überlieferung aus. Während die Frau bei den Kelten (und auch bei den Römern) relativ wenig zählte[2], berichten die römischen Autoren über anderes.“ und
    „Gleichwohl halten die Germanen auf strenge Ehezucht, und in keinem Punkte verdienen ihre Sitten größeres Lob. Denn sie sind fast die einzigen unter den Barbaren, die sich mit einer Gattin begnügen; sehr wenige machen hiervon eine Ausnahme, nicht aus Sinnlichkeit, sondern weil sie wegen ihres Adels mehrfach um Eheverbindungen angegangen werden. Die Mitgift bringt nicht die Gattin dem Manne, sondern der Mann der Gattin.“

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