Stromausfall an Weihnachten? Vorbereitungen für den Ernstfall


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Der Verband der europäischen Stromnetzbetreiber Entso-E warnt in einem neuen veröffentlichten Bericht vor einem Stromausfall.

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In diesem Report spielt der Verband in Form von Szenarien mögliche Engpässe in der Elektrizitätsversorgung durch. Ein Szenario bezieht sich auf die Situation, die vor einem Jahr um Weihnachten herrschte. Der Einbruch verhältnismäßig warmer Luftmassen mit starkem Wind führte damals zu einer Überproduktion von Windstrom und zu frühlingshaften Temperaturen mit einem entsprechend niedrigen Energiebedarf zu einer Zeit, als die Wirtschaft wegen der Feiertage ohnehin weitgehend Stillstand. stromausfall

Die Netzbetreiber hatten deshalb alle Mühe, eine Überlastung der Hochspannungsleitungen zu vermeiden, indem sie den überschüssigen Strom an die Nachbarländer verschenkten und zum Teil sogar noch zuzahlten. Denn auch dort war der Strombedarf um diese Zeit gering. Entso-E schließt nicht aus, dass sich ein ähnliches Szenario in diesem Jahr wiederholen wird.

Bei Frost droht Stromausfall

Angekurbelt durch hohe staatlich garantierte Einspeisetarife auf Kosten der privaten Stromkunden und der mittelständischen Wirtschaft, ist in Deutschland die Kapazität der Wind- und Sonnenstromerzeugung in den letzten Jahren so stark gewachsen, dass beide zusammen theoretisch bereits den normalen Strombedarf abdecken könnten. Die Photovoltaikanlage übersteigt inzwischen 36 Gigawatt, die Windkraftkapazität liegt theoretisch bei etwa 34 Gigawatt. Das würde rechnerisch zwar nicht ausreichen, um den Spitzenbedarf zu decken, der im Winter 80 Gigawatt übersteigt, wäre aber ausreichend für den Durchschnittsbedarf.

Allerdings kann man mit der Photovoltaikkapazität im Winterhalbjahr nicht rechnen und nachts ohnehin nicht.

Im Sommer können aber bei Sonnenschein um die Mittagszeit, zumal wenn gleichzeitig auch noch der Wind weht, Produktionsspitzen auftreten, die zur Überlastung des Netzes führen. Im Winter kann es bei strengem Frost, Nebel und Windstille aber auch umgekehrt zu einem Netzzusammenbruch infolge von Strommangel kommen. Ende Juni 2013 kam es in der Kurstadt Bad Nauheim in Mittelhessen zu einem Stromausfall von beinahe 24 Stunden.

Supermärkte mussten danach den Inhalt ihrer Kühltheken entsorgen, private Haushalte ihre Gefrierschränke leeren, Verwaltungen, Restaurants und Geschäfte mussten schließen. Infolge des Ausfalls der Ampelanlagen kam es in der Kleinstadt zu einem Verkehrschaos. In den zahlreichen Kliniken der Kurstadt sorgten Dieselaggregate für die Aufrechterhaltung einer Notversorgung. Stromausfall 2

Die Ursache dieses Blackouts wurde nicht gefunden – zumindest nicht offiziell. Jedenfalls sah der Landrat des Wetterau-Kreises im benachbarten Friedberg allen Grund, einmal in Form einer Notfallübung unter Realbedingungen durchzuspielen,
was passiert, wenn der Strom plötzlich in der Kreisverwaltung ausfällt. Vor allen Dingen wollte man sehen, ob die vorhandenen Notstromaggregate rechtzeitig anspringen. Diese Übung wurde am Samstag, dem 16. November 2013, von einer Elektrofirma durchgeführt.

Als der Strom weg war, sprangen die Notstromaggregate zwar wie vorgesehen an, erzeugten aber eine erhebliche Überspannung, sodass die Netzteile von Computern, Druckern, Kopierern, Faxgeräten usw. durchbrannten. Auch die Heizungsanlage und das Lüftungssystem wurden in Mitleidenschaft gezogen. Das Kreishaus musste am folgenden Montag geschlossen bleiben. Die Öffentlichkeit erfuhr erst Ende November 2013, dass der Stromausfall Teil einer Notfallübung war. Offenbar war diese Übung noch realitätsnäher als geplant. Nach Angabe des Kreissprechers Michael Elsaß entstand dabei ein Sachschaden »im hohen fünfstelligen Bereich«.

Der Katastrophenschutz ist ratlosWeihnachtsbaum x

Nun möchte der Kreis den Notfallplaner und die Elektrofirma für die Schäden haftbar machen: »Erst muss geklärt werden, wer Schuld daran hat, dass bei der Übung alles danebengegangen ist«, erklärte Elsaß dem Lokalblatt Wetterauer Zeitung. Der Ausgang der Übung stimmt deren Organisatoren umso nachdenklicher, als im Kreishaus auch der Katastrophenschutz angesiedelt ist. Was wäre, wenn der im Ernstfall lahmgelegt würde? Deshalb will der Wetteraukreis die Notfallübung unter anderen Bedingungen noch einmal wiederholen. Im Ernstfall würde derzeit jedenfalls das völlige Chaos ausbrechen.

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