Fukushima – verharmlost… Krebs und Hirntumor: US-Soldaten verklagen Tepco


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Von Lynn Scheurer. 

Für über 70 Marinesoldaten wurde ihr humanitärer Einsatz nach dem Erdbeben von Fukushima zum Albtraum. 

 

«Die Leute von Tepco wussten, was dort los war», sagt ein Anwalt der Soldaten.

 

Im März 2011 stand die 24-jährige Marinesoldatin Lindsay Cooper auf dem Deck des Flugzeugträgers USS Ronald Reagan und half, die Helikopter mit Hilfsgütern zu beladen. «Auf einmal spürten wir einen warmen Windstoss», erzählt sie später amerikanischen Medien, «dann fing es plötzlich an zu schneien.» Cooper und ihre Kameraden bemerkten einen metallischen Geschmack im Mund «wie Alufolie». «Hey, radioaktiver Schnee!», hätten sie noch gescherzt und Fotos und Videos gemacht.

 

Die USS Ronald ReaganFlugzeugträgers USS Ronald Reagan war von einem Manöver in Korea abkommandiert worden, um nach dem Erdbeben in Fukushima erste Hilfe zu leisten. Beladen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten hatte sich das Schiff der japanischen Küste auf 1,5 Kilometer genähert. Von dort begann die Besatzung damit, die Nahrungsmittel und Medikamente mit mehreren Helikoptern auf die Insel zu fliegen.

 

Der aussergewöhnliche Schnee, den Cooper und ihre Kameraden beobachteten, entstand durch die Vermischung der kalten Luft über dem Pazifik mit einer Wolke aus radioaktivem Dampf, die aus dem kaputten Reaktor in Fukushima ausgetreten war. Mitarbeiter von Tokyo Electric Power (Tepco) liessen den Dampf austreten, um den Druck im zerstörten Kraftwerk zu verringern. Gleichzeitig flossen 400 Tonnen radioaktives Wasser pro Tag in den Pazifik.

 

Soldaten sprangen ins Meer

 

«Vor dem Schneefall waren wir wahrscheinlich schon seit eineinhalb Tagen in radioaktivem Wasser unterwegs, ohne dass wir es wussten», sagt Cooper. Das Wasser wurde in die Aufbereitungsanlage des Schiffes gesogen, entsalzt und danach als Dusch- und Trinkwasser benutzt. Auch Cooper trank während der körperlich strengen Arbeit immer wieder von diesem Wasser. Andere Soldaten sprangen offenbar ins Meer, um Menschen vor der Küste zu retten, wie Charles Bonner, einer der Anwälte der Marinesoldaten, berichtet.

 

Michael Sebourn war der zuständige Offizier für Strahlung und Dekontaminierung an Bord. Er wurde mit der Messung der Strahlung in der Luft beauftragt und kam zu einem erschreckenden Ergebnis. Die radioaktive Strahlung war zeitweise 300-mal höher als der Richtwert, sagte Sebourn der «New York Post». Als die Führung der Reagan bemerkte, wie ernst die Lage war, versuchten sie, das Schiff aus der Gefahrenzone zu manövrieren. Doch die radioaktive Wolke hatte sich bereits weit ausgebreitet.

 

Leukämie und Hodenkrebs

 

Zusammen mit 70 Kameraden hat Lindsay Cooper den Kraftwerkbetreiber Tepcoa1 verklagt. Der Vorwurf: Tepco habe gewusst, wie kontaminiert das Gebiet gewesen sei, die Reagan aber nicht vor der hohen Strahlung gewarnt. «Die Leute von Tepco wussten, was dort los war», sagt Anwalt Garner gegenüber der «Navy Times», «der Tsunami wusch alles ins Meer hinaus, und die Reagan war mittendrin.»

 

Garner hatte Tepco bereits vor einem Jahr verklagt doch ein kalifornischer Bundesrichter hatte die Klage abgewiesen. Das US-Verteidigungsministerium oder die USA selbst können die Soldaten aufgrund der sogenannten Feres-Doktrin nicht verklagen. Laut Lindsay Cooper wollen sie dies auch gar nicht: «Unsere Vorgesetzten wussten selbst nicht, in was wir da hineingeraten waren.» Falls die Anklage ein zweites Mal abgewiesen wird, werde man eine Stiftung für die Opfer einrichten, sagte Garner. 

Er glaube aber an den Erfolg der Klage. «Diese Leute waren alle 20 bis 30 Jahre alt und bei bester Gesundheit.»

 

«Wir konnten nirgendwo hin»

 

Die Reagan war nach Fukushima nicht das einzige amerikanische Schiff vor der japanischen Küste. Insgesamt waren gut 5000 Soldaten im Einsatz. Doch die Reagan traf es besonders schwer. «Wir konnten nirgendwo hin», sagt Lindsay Cooper. Japan wollte das kontaminierte Schiff nicht in den Hafen lassen, ebenso Korea und Guam.

 

Während zweieinhalb Monaten trieb die Reagan auf dem Wasser. In dieser Zeit zeigten sich bei den Soldaten erste Auswirkungen der Strahlung – sie litten laut Cooper an starkem Durchfall. Endlich erteilte Thailand der Reagan eine Anlegeerlaubnis und die Besatzung konnte in die USA zurückkehren.

 

Doch viele von ihnen leiden heute noch unter den Folgen der Strahlung: Leukämie, gynäkologische Blutungen, Probleme mit der Schilddrüse, Polypen, Hodenkrebs, Hirntumor und Blindheit traten bei den Soldaten auf. «Die Liste geht leider noch weiter und weiter», sagt Anwalt Paul C. Garner.

 

Auch Lindsay Cooper ist unter den Betroffenen. Zwei Wochen nach ihrer Rückkehr in die USA schwollen die Lymphknoten an ihrem Hals an. Im Juli versagte ihre Schilddrüse. In der Folge nahm sie innerhalb kurzer Zeit bis zu 30 Kilogramm zu und wieder ab. Zudem hat Cooper, die Mutter einer 4-jährigen Tochter ist, erfahren, dass sie nicht mehr schwanger werden kann.

(Quelle: BAZ)

 
 

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Fukushima: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rettung gelingt, geht gegen Null“


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Der deutsche Physiker Sebastian Pfugbeil ist äußerst pessimistisch, dass eine elementare Katastrophe in Fukushima abgewendet werden kann. Die Folgen würden die gesamte Nordhalbkugel der Erde zu spüren bekommen. Pflugbeil: „Die Menschheit könnte bei Scheitern der Versuche, die gebrauchten Brennelemente des KKW Fukushima zu bergen, in einer bisher nicht gekannten Weise durch Strahlen geschädigt werden.“

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Das Kernkraftwerk von Fukushima: Viele Lügen, und wenig Aussicht auf Erfolg bei der Verhinderung einer Katastrophe. (Foto: TBS News)

Der deutsche Physiker Sebastian Pflugbeil hält die Situation in Fukushima für äußerst kritisch. Pflugbeil sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Die Menschheit könnte bei Scheitern der Versuche, die gebrauchten Brennelemente des KKW Fukushima zu bergen, in einer bisher nicht gekannten Weise durch Strahlen geschädigt werden.“ Pflugbeil glaubt zwar nicht, dass die Menschheit durch eine weitere Katastrophe in Fukushima ausgelöscht wird: „Die Menschheit ist sehr robust!“ Doch er ist sehr pessimistisch über die Möglichkeiten, dass die Lage noch unter Kontrolle gebracht werden kann.

Pflugbeil zur Lage in Fukushima:
„Die Lage ist zunehmend kritisch durch den Verfall der Ruinen. Die Brennstäbe sich nicht geborgen. Die Reaktorblöcke sacken ab. Tausende Tonnen verseuchtes Wasser werden in das Meer abgelassen. Der Untergrund, auf dem der Reaktor ruht, ist nicht mehr belastbar – er schwimmt. Es hat sich alles bereits so verschoben, dass über ein Meter Höhenunterschied von einer Ecke zur anderen besteht. Die dadurch hervorgerufenen Spannungen haben bereits zu beängstigenden Rissen in der Gebäudekonstruktion geführt.“

Pflugbeil zu den Gefahren:
„Wenn die Brennstäbe nicht mehr gekühlt werden, dann kommt es zu einer Katastrophe. Dann werden gigantische Mengen an Radioaktivität freigesetzt. Da reicht ein Riss in dem Becken und das Kühlwasser läuft aus. Die Brennstäbe würden sich entzünden. Die Brennstabhüllen bestehen aus Zirkonium. Wenn das brennt, bekommt man es nicht mehr unter Kontrolle. Die Hüllen brechen dann auf. Dann strömt Radioaktivität in großem Umfang aus – gasförmig, leichtflüchtig, mittelflüchtig. Auch die Brennelemente in den anderen Blöcken des Kernkraftwerkes werden dann in absehbarer Zeit zerstört, weil die Mitarbeiter das Gebiet wegen der extremen Strahlenbelastung sofort verlassen müssen. Es genügt ein kleiner Erdbebenstoß oder ein Sturm oder einfach das Versagen der Gebäudestrukturen, um diese Katastrophe in Gang zu setzen.“

Zum Rettungsplan der Japaner:
„Die Japaner wollen zunächst die 1.300 Brennstäbe im Block 4 einzeln herausholen. Wenn auch nur ein einziger zerbricht, müssen die Arbeiter weg. Das ist ein extrem komplizierter und langwieriger Prozess. Wie schwierig das ist, hat man bei einem Test gesehen, den die Japaner mit einem noch unbenutzten Brennstab gemacht haben. Dens haben die mit der Hand beim Herausziehen gelenkt. Mit der Hand! Die aktiven Brennstäbe kann man nicht mit der Hand anfassen, das wäre tödlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rettung gelingt, geht gegen Null.“

Sebastian Pflugbeil: „Das wird den gesamten Pazifik und die von ihm lebende Bevölkerung treffen.“ (Foto: Flickr/ippnw Deutschland)

Pflugbeil zu den Folgen:
„Die Gefahr, die von den alten Brennelementen ausgeht, ist gigantisch. Darüber sind sich alle Experten einig. Wenn es zu diesem schlimmsten Fall kommt, müssen riesige Gebiete evakuiert werden. Wenn der Wind in die Richtung von Tokio zieht, müsste Tokio vollständig evakuiert werden. Aber das geht nicht. Die Folgen würden nicht nur Japan, sondern die ganze Nordhalbkugel der Erde betreffen. Denn die Luftströmungen verlaufen auf der Nordhalbkugel und der Südhalbkugel einigermaßen getrennt voneinander. Tschernobyl war immerhin mehr als 1.000 km weg. Die zuständigen Fachleute und Politiker haben damals versichert, dass wir in Deutschland keine Gesundheitsschäden zu befürchten hätten. Es kam anders: Mehr behinderte Kinder wurden geboren, die Säuglingssterblichkeit stieg, Downsyndrom und Leukämie bei Kindern nahmen zu. Andere Folgen waren noch dramatischer: In Westeuropa, der Tschernobyl-Region und den südlichen Staaten der Sowjetunion wurden etwa eine Million Mädchen wegen der Katastrophe von Tschernobyl nicht geboren. Die Zahl der Opfer allein in Westeuropa geht nachweislich in die Hunderttausenden. Es spricht viel dafür, dass wir das alles nach der Katastrophe in Fukushima noch einmal erleben. Hinzu kommt die Kontamination des Pazifiks, in dem komplizierte und langdauerne Nahrungsmittelketten ablaufen, die eine wichtig Rolle für die menschliche Ernährung spielen. Das wird den gesamten Pazifik und die von ihm lebende Bevölkerung treffen.“

Pflugbeil zur Lethargie vieler Japaner:
„Die Japaner sind jahrhundertelang zu einem extrem angepassten Verhalten erzogen worden. Sie sind immer wieder darauf gedrillt worden, dass sie sich so wie die anderen zu verhalten haben, dass Kritik an Vorgesetzten, an der Politik unanständig ist. Der soziale Druck auf die einzelnen ist enorm. Sie dürfen nicht zugeben, dass sie Angst haben. Unter der Bettdecke haben sie natürlich panische Angst. Aber sie dürfen das nicht zeigen. Mir ist mehrfach berichtet worden, dass jemand, der wegen irgendeiner Erkrankung zum Arzt gehen muss, in seiner Umgebung davon nichts erzählt. Er fürchtete, dass man denken könnte, er ginge wegen Fukushima zum Arzt. Das ist aber nicht erwünscht.“

Zur Realitätsverweigerung:
„In Fukushima bekommen die Kinder in den Kantinen der Schulen immer noch die Lebensmittel aus der Region. Wenn jetzt ein Kind sein Lunchpaket von zu Hause mitnimmt, weil sich seine Eltern Sorgen machen, dann wird das Kind nach vorn zitiert. Es wird gerügt, weil es sich nicht patriotisch verhält. Das erinnert mich sehr an die Zeit in der DDR nach Tschernobyl: Die Kinder, deren Eltern Bescheid wussten, haben in der Schule ihre Milch nicht getrunken. Darauf bekamen diese Eltern Ärger an ihren Arbeitsstellen. Die Eltern wurden gefragt, welchen Unsinn sie denn ihren Kindern erzählen.“

Zur bisherigen „Rettung“:
„Es ist unglaublich, dass die japanische Regierung mehr als zwei Jahre ins Land hat streichen lassen, ohne die internationale Gemeinschaft um Hilfe zu bitten. Es ist ja nicht der Fall, dass man systematisch Schritt für Schritt die defekte Anlage in Ordnung bringt.. Es sind viele Firmen vor Ort, jeder will irgendetwas machen – aber es gibt keinen Generalplan, wie das Problem gelöst werden soll. Bis vor kurzem haben die Japaner nicht einmal Messgeräte gehabt, mit denen sie die Strahlung der hochbelasteten Flüssigkeiten messen konnten, die in den großen Tanks auf dem Gelände des Kernkraftwerks notdürftig aufbewahrt werden. Dadurch wurden alle Arbeiter, die damit zu tun hatten, einer viel zu hohen Strahlenbelastung ausgesetzt.“

Über die internationalen Atom-Behörden:
„Die Gremien von UN, IAEA und WHO, die eigentlich dafür da sein sollten, die Menschen zu schützen, stehen nahezu ausschließlich im Dienst der Atom-Industrie. Die Leute in den Behörden kommen aus dem Uran-Bergbau, von Kernenergie-Betreibern, aus der Atomwaffenindustrie oder der Nuklearmedizin. Es gibt nur ganz wenige unabhängige Leute in diesen Gremien. Die UN wird demnächst einen Bericht herausbringen, verantwortlich ist das Wissenschaftliche Komitee der Vereinten Nationen für die Wirkung Atomarer Strahlen UNSCEAR: Der Bericht ist ein glattes Lügengebäude. Er wird die Lage in Fukushima total verharmlosen. Er wird so tun, als sei alles unter Kontrolle und es würde keinerlei Strahlenschäden in der Bevölkerung geben. Wir kennen die entsprechenden Einschätzungen zu den Folgen von Tschernobyl. In Japan ist es leider auch Brauch, dass Politiker, wenn sie aus dem Amt scheiden, einen gut dotierten Posten in der Atom-Industrie bekommen, bei dem sie nicht zu arbeiten brauchen. Diese Posten wollen sie nicht gefährden. Daher wagen sie es nicht, die Wahrheit zu sagen.

Über die Angst der internationalen Experten, in Fukushima zu helfen:
„Es gibt nur eine Handvoll Experten, die bei diesem Problem wirklich Expertise haben. Diese Leute verhalten sich jetzt ganz ruhig und ducken sich weg. Sie beten, dass die Welt mit einem blauen Auge davon kommt. Keiner reißt sich darum, nach Fukushima zu fahren und zu helfen. Denn alle wissen: Diese Arbeit ist lebensgefährlich und der Erfolg ist mehr als fraglich.

Sebastian Pflugbeil wird am Donnerstag nach Japan reisen. Nach einem Kongress wird er auch in die Präfektur Fukushima fahren. Er will sich selbst ein Bild von der Lage machen. Er wird versuchen, trotz der aktiven Behinderung durch die Betreiber und die Regierung an Informationen zu kommen, wie die Lage wirklich ist.

Dr. rer. nat. Sebastian Pflugbeil ist Präsident der deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. Pflugbeil arbeitete bis zur Wende als Medizinphysiker im Zentralinstitut für Herz-Kreislauf-Forschung der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Buch und befasste sich ehrenamtlich mit Problemen der Atomenergieverwertung, insbesondere den Strahlenfolgen in den Uranbergwerken der Wismut. Er war Mitbegründer der DDR-Bürgerbewegung Neues Forum und vertrat dieses als Sprecher am Berliner und am Zentralen Runden Tisch. 1990 wurde er Minister ohne Geschäftsbereich in der Übergangsregierung unter Modrow. In dieser Funktion setzte er sich für die sofortige Stilllegung der Atomreaktoren in der DDR ein. Danach war er bis 1995 Abgeordneter im Berliner Stadtparlament. 2012 erhielt er den Nuclear-Free Future Award für sein Lebenswerk.

Immer wieder treten in den Tanks von Fukushima Lecks auf. Auch diese Woche wurden wieder zwei gefunden. Die Betreiber-Firma Tepco versucht, die Löcher zu stopfen. (Foto: Tepco)

Immer wieder treten in den Tanks von Fukushima Lecks auf. Auch diese Woche wurden wieder zwei gefunden. Die Betreiber-Firma Tepco versucht, die Löcher zu stopfen.

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http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/09/fukushima-die-wahrscheinlichkeit-dass-die-rettung-gelingt-geht-gegen-null/

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