Villingen-Schwenningen – Der Familienvater wollte lediglich seine Tochter beschützen – dann wurde er selbst zum Opfer. Die Geschichte des Übergriffs am vorigen Wochenende und die Brutalität, mit der die Täter vorgegangen sind, lassen einen erschaudern.Es war ein geselliger und fröhlicher Abend, den Familie Schmidt (alle Namen von der Redaktion geändert) in der Nacht auf Sonntag hinter sich hatte, als das geschah, was die Familie wohl ihr ganzes Leben nicht vergessen wird. Gegen 2.40 Uhr verließen Vater Thomas (38), Mutter Claudia (44) und Tochter Louisa (16) ein Lokal in der Oberen Straße in Villingen. Knapp sieben Stunden hatten die drei dort zusammen verbracht, als sie in die kalte Nacht schreiten, um den Heimweg anzutreten.

Während Mutter und Tochter bereits vorausgehen, sucht der 38-Jährige noch seine Jacke. In der Hafnergasse wird die Tochter von einem jungen Mann angesprochen. „Er hat sie gefragt, wie viel sie für eine Stunde verlangen würde“, lässt Claudia Schmidt den Beginn des Alptraums Revue passieren. „Ich habe ihm gesagt, er soll uns in Ruhe lassen und weiter laufen. Das tat er dann auch“, berichtet sie.

Wenig später stößt der Vater zu den beiden dazu – und will den Mann aufgrund der vorausgegangenen Situation zur Rede stellen. Er geht zu ihm zurück. „Doch kaum hatte ich ihn angesprochen, schlug er mir ins Gesicht. Ich ging zu Boden und war erst wieder im Krankenhaus bei vollem Bewusstsein“, kann sich Thomas Schmidt nur noch an Bruchteile des brutalen Übergriffs erinnern.

Umso genauer brannten sich die anschließenden Geschehnisse in den Kopf seiner Frau, auch wenn alles rasend schnell ging: „Als wir Schreie hörten, rannten wir zu Thomas zurück, da traten bereits drei weitere Männer auf ihn ein. Diese waren aus einer nahegelegenen Eckbar herausgestürmt.“ Tritte ins Gesicht und in die Bauchhöhle musste der sich vor Schmerzen krümmende Familienvater über sich ergehen lassen, während Mutter und Tochter mit vereinten Kräften auf die Täter losgingen. Dabei bekamen sie selbst Schläge ab, wurden aber glücklicherweise nicht verletzt.

Anders der Vater: Nachdem die vier jungen Männer, die zwischen 20 und 25 Jahre alt waren und türkisch sprachen, von ihrem Opfer abließen, lag dieser in der Josefsgasse bewusstlos auf den kalten Pflastersteinen. Während die Tochter Hilfe holte, rief die Mutter Polizei und Rettungsdienst, die in Rekordzeit vor Ort waren. Dennoch: Die Täter waren zu diesem Zeitpunkt bereits in einem weißen Opel Corsa geflüchtet, in dem sie rückwärts durch das Obere Tor fuhren. Auch die sofortige Fahndung brachte keinen Erfolg.

Unterdessen hatte der Rettungsdienst Thomas Schmidt in die Notaufnahme gebracht. Dort bescheinigte man ihm Prellungen am Bauch und im Gesicht sowie ein Schädelhirntrauma. Im Krankenhaus möchte Thomas aber nicht bleiben, er will wie seine Familie nach Hause, um Ruhe vor den schrecklichen Taten zu suchen, die die drei schwer belasten. „Meine Tochter traut sich abends nicht mehr auf die Straße, sie kann zurzeit auch nicht zur Schule gehen“, erklärt Claudia Schmidt, während ihre Tochter apathisch daneben sitzt. Alpträume und Angstzustände verfolgen die 16-jährige Louisa. „Wir wissen nicht, ob wir hier weiter leben möchten, auch wenn das nicht so einfach ist“, lässt die 44-jährige gebürtige Villingerin ihre Zukunft in der Zähringerstadt offen.

Dennoch: Einen Hoffnungsschimmer gibt es. „Wir konnten den Polizisten gute Hinweise geben und über Facebook womöglich hilfreiche Informationen sammeln“, so die Mutter. Diese Hinweise könnten dafür sorgen, dass der Familie, die in dieser schweren Zeit viel Unterstützung von Freunden erhält, ihr momentan sehnlichster Wunsch erfüllt wird: die brutalen Täter zu fassen und ihnen die gerechte Strafe zu erteilen.

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