Serie: Was ist deutsch? Folge 8…Kultur und Nationwerdung…Das seelische Bindemittel


.

7 deutsch dresdenDamen des Tanzensembles der TU Dresden in historischen Kostümen bei einer Vorstellung 2007: Dynamischer Charakter und integrative Funktion moderner Nationalkultur – sie transzendiert das Volkstümliche und erneuert sich ständig durch regulierte Offenheit für das Andere

.

medien, audio

.

Fußballfreunde erinnern sich: Warschau, 28. Juni 2012, Halbfinalspiel der Europameisterschaft. Italien schlug Deutschland 2:1. Vor dem Spiel die Nationalhymnen: Die Italiener sangen mit Begeisterung „Fratelli d’Italia“, manche geradezu mit Inbrunst. Dann war die DFB-Auswahl an der Reihe, und was sah man: zugenähte Münder. Wer wollte da nicht Italiener sein?

Deutschland kann in diesen Tagen viel von Italien lernen. Aber Italiens Wirtschaft! Seine Bürokratie! Und seine Politiker! Nicht nur angesichts der gegenwärtigen Probleme des Landes ist es für staatsgläubige Deutsche ein Rätsel, wie eine moderne Nation überleben kann, in der Staat und Gesellschaft den Eindruck erzeugen, zwei separat operierende Systeme zu sein. Die Wirtschaft ist jedoch nicht alles. Ist es nicht denkbar, daß Italien auch dann noch bestehen wird, wenn es Deutschland, trotz seines wirtschaftlichen Erfolgs, nicht mehr gibt, da die Deutschen danach streben, durch Eu­ropa von sich selbst erlöst zu werden, wie ihnen Zbigniew Brzeziński bescheinigt, die graue Eminenz der amerikanischen Außenpolitik („Die einzige Weltmacht“, 1997)?

Die modernen Nationen
verdanken ihre
Entstehung keinem
quasi-mystischen und
die Zeiten überdauernden
„Volkstum“, das erst
während der Romantik
in die Vergangenheit
zurückimaginiert
wurde, sondern der
Herstellung homogener
Lebensverhältnisse.

Italien lehrt uns die Wertschätzung der eigenen Kultur und die Bedeutung der Kultur für die Selbstbehauptung einer Nation. Symbol für Italiens Überlebenswille als Nation ist der Gefangenenchor aus Verdis Oper „Nabucco“. Dieser Chor („Va pensiero“ – „Zieh, Gedanke, auf goldenen Flügeln“) war zwar nicht von Anfang an die Hymne der italienischen Unabhängigkeitsbewegung, im Laufe der Zeit wuchs ihm jedoch der Status einer inoffiziellen „zweiten Nationalhymne“ zu. „Oh mia patria si bella e perduta“ – Ach mein schönes und verlorenes Vaterland – diese Worte gaben immer wieder Anlaß zum Ausdruck patriotischer Gefühle.

Ist die Kultur bedroht, dann ist auch die Nation in Gefahr: Die Sorge um Italien und seine Kultur kam auf bewegende Weise vor dem 150. Jahrestag der Staatsgründung zum Ausdruck. Am 12. März 2011 dirigierte der große italienische Dirigent Riccardo Muti in der Römischen Oper eine Festaufführung von „Nabucco“. Seit Jahren litten die Kulturpflege und das Kulturschaffen Italiens unter den gravierenden Kürzungen durch die Berlusconi-Regierung. Nach dem Gefangenenchor kam auch diesmal der Ruf „Viva l’Italia“ aus dem Publikum, woraufhin sich Maestro Muti spontan zu einer ungewöhnlichen Geste entschloß. Mit den Worten: „Auch ich bin für ‘Viva l’Italia’“ wandte er sich in einer kurzen, von Bravorufen unterbrochenen, anrührenden Ansprache an das Publikum und prangerte die Kürzungen an. Er fühle sehr als Italiener und „wenn man die Kultur tötet, auf der die italienische Geschichte gründet, dann ist unser Vaterland wirklich verloren“. Dann lud Muti das Publikum dazu ein, zusammen mit dem Chor noch einmal gemeinsam „Va pensiero“ zu singen. Das geschah, und die Fernsehaufzeichnung übermittelt zu Tränen gerührte Chormitglieder und die Jubelrufe des Publikums.

In einem Interview mit dem Corriere della Sera (14. März 2011) legte Muti nach: Das gemeinsame Singen des Gefangenenchores sei ein Moment gewesen, in dem italienische Eigenart auf großartige Weise zum Ausdruck kam („Un momento di grande italianità“). „Die Kultur in einem Land wie Italien umzubringen, ist ein Verbrechen gegen die Gesellschaft. Die Kultur ist das seelische Bindemittel, das ein Volk zusammenhält.“ Die Kürzungen im gesamten Kulturbereich seien ein feiger und absurder Mordanschlag auf die nationale Identität Italiens.

Die fundamentale Bedeutung der Kultur für die Integration und den Fortbestand moderner Nationen ist ein Ausdruck der Sonderentwicklung Europas. Das Abendland scherte seit frühmittelalterlichen Zeiten aus der Hauptströmung der Weltgeschichte aus, unter anderem weil die Bedeutung der verwandtschaftlichen Beziehungen immer mehr in den Hintergrund trat. Die Kirche wurde zum Wegbereiter des modernen „vereinzelten Einzelnen“, der im Gefolge von Aufklärung, Säkularisierung und Industrialisierung die Bühne der Geschichte betrat, als sich das bis dato noch durch feudale Bedingungen dominierte Beziehungs- und Kommunikationsgeflecht der Menschen signifikant veränderte. Der einzelne trat, als Teil der Bürgerschaft, ohne die Vermittlung durch ein göttlich legitimiertes Untertanenverhältnis, dem Staat nunmehr selber als Souverän gegenüber. Religion wurde zur Privatsache. Ideell zusammengehalten wurde die – nunmehr – Nation souveräner Bürger durch eine neue nationale Kultur als identitätsstiftender sozialer Kitt.

Die modernen Nationen, die sich zuerst in Westeuropa als Kommunikationsräume herausbildeten, verdanken ihre Entstehung also keinem quasi-mystischen und die Zeiten überdauernden „Volkstum“, das zudem erst während der Romantik in die Vergangenheit zurück­imaginiert wurde, sondern der Herstellung einer grundständigen Homogenität der Lebensverhältnisse. Dies geschah durch Bauernbefreiung und Abschaffung der Leibeigenschaft, Gewerbefreiheit, Industrialisierung und Urbanisierung, die Ausweitung des Binnenhandels durch Niederreißen der Zollschranken sowie die Erleichterung des Reisens durch Eisenbahn und bessere Straßen, den Telegraphen, Alphabetisierung, Schul- und Wehrpflicht und die Schaffung einer durch Symbole, Kunstwerke, Literatur und Musik vermittelten neuen nationalen Leitkultur. Dabei spielten die allgemeine Schulpflicht, das Gymnasium und das Vereinswesen herausragende Rollen. Es war zu Beginn des Entstehungsprozesses der Nationen vor allem dem Interesse kleiner Zirkel Gebildeter an Sprache, Geschichte, Musik und Folklore der diversen ethnischen Gruppen zu danken, daß die Elemente für die Schaffung der neuen gleichsam synthetischen kulturellen Identität der neuen Nationen zur Verfügung standen.

Der moderne Gedanke der politischen Nation wurde aus der Kultur geboren. „Es war die Kultur, die die Einheit des Vaterlandes schuf, und es ist die Kultur, die es nach mehreren Jahrhunderten des Niedergangs wieder erlösen und ihm neues Leben verleihen muß“, schrieb im Jahre 1879 Francesco De Sanctis, der Literaturwissenschaftler, Politiker und Theoretiker des „Risorgimento“. Antonio Gramsci, der marxistische Theoretiker und nachmalige Mitbegründer der KP Italiens, schloß sich De Sanctis an und sprach sogar von der Kultur als einer „laizistischen Religion“. Diese Einstellung, so Gramsci, verlangte insbesondere auch einen neuen Begriff davon, was „national“ sei, eine neue Einstellung gegenüber den Volksklassen: „umfassender, weniger exklusiv“ und weniger „polizeimäßig“.

Wenn wir uns die historischen Hintergründe und den Prozeß der Nationenwerdung im Europa des 19. Jahrhunderts vergegenwärtigen, dann ergeben sich signifikante Unterschiede im Vergleich mit der Lage Deutschlands, die bis in die Gegenwart wirken. William Pfaff, der seit vielen Jahren in Paris lebende amerikanische Autor und scharfsinnige Kolumnist, hat sie auf den Punkt gebracht: „Das Nationalgefühl der Engländer, Franzosen und Italiener hing schon immer sehr viel enger mit der Kultur als solcher – mit der Nationalkultur – zusammen als mit staatlichen oder politischen Programmen“ („Die Gefühle der Barbaren“, 1989, S. 100 f.). Deutschland brauche dagegen eine Mission, am deutschen Wesen solle immer die Welt genesen: „Nachdem die Deutschen der Welt in der Vergangenheit ein Modell des Bösen geliefert hatten, träumen sie heute davon, ein unumgängliches Modell des Guten zu liefern, wiederum im millenarischen Sinn.“ Es ist beunruhigend, meint Pfaff, „wenn man heute sieht, daß liberale Deutsche eine deutsche nationale Identität, die in Sprache, Literatur, Musik, Philosophie und in den technischen und wirtschaftlichen Errungenschaften des Landes zum Ausdruck kommt, immer noch nicht ganz akzeptieren können“.

Die Kultur ist in Deutschland nicht das „seelische Bindemittel, das ein Volk zusammenhält“ (Muti). Sie wird einerseits ahistorisch im Sinne eines ausgrenzenden Volkstumsbegriffs von Leuten reklamiert, die teilweise immer noch der Meinung anhängen, Kultur werde durch Gene weitergegeben und nicht durch Bildung und Erziehung. Man hat den dynamischen Charakter und die integrative Funktion moderner Nationalkultur nicht verstanden, die das „Volkstümliche“ transzendiert und durch regulierte Offenheit für das Andere sich selbst ständig erneuert. Auf der anderen Seite stehen die neoliberalen Kräfte der „Kulturproduktion“ und des medial-politischen Kartells, die die kostbaren Erbstücke unserer Kultur mit Verachtung behandeln – Stichwort „Regietheater“ – und so dem breiten Publikum die Chance nehmen, sich mit den Werken des Sprechtheaters und der Opernbühne zu identifizieren.

Warum aber ruht Deutschland nicht selbstgewiß in seiner Kultur, warum ist seine Nationwerdung so sehr verschieden? Nationen sind letztlich sich selbst genug, schreibt Pfaff („The Wrath of Nations“, 1994), sie streben nach einer nationalkulturellen Identität innerhalb fester Grenzen. Das moderne Deutschland ist dagegen der Abkömmling eines Reichs, des Heiligen Römischen. Seine Ursprünge sind imperial, nicht national. Ein Reich ist multinational und mehrsprachig, es strebt danach, seine Grenzen zu erweitern, es hat eine „Mission“. Als das alte Reich 1806 aufgelöst wurde, fanden sich die vielen deutschen Staaten ohne das einigende Band einer gemeinsamen Mission einer Umwelt ausgesetzt, in der sich Nationalstaaten als Reaktion auf die allgegenwärtige Modernisierung herausbildeten. Daher sei Deutschland sich bis heute seiner selbst ungewiß, es leide unter dem beständigen Zweifel an der Berechtigung einer nationalen Existenz ohne eine das Nationale transzendierende Mission.

Die deutsche Kultur
wird häufig ahistorisch
im Sinne eines
ausgrenzenden Volkstumsbegriff
s von
Leuten reklamiert, die
teilweise immer noch
der Meinung anhängen,
Kultur werde durch
Gene weitergegeben
und nicht durch Bildung
und Erziehung.

Deutschlands Eliten wandten sich daher schon früh vom Projekt der Nationwerdung ab und, wie sie glaubten, Größerem zu: „Das Vaterland existiert nicht mehr! Nationalgefühl? Wie borniert! Patriotismus? Welch ein zurückgebliebener Standpunkt! Es gibt kein anderes Vaterland als die Freiheit, kein anderes Nationalgefühl als das Bewußtsein der Bildung und der Humanität.“ Diese Zeilen des liberalen Schriftstellers Arnold Ruge stehen in einem Brief aus dem Jahre 1847. Wenn wir die Beschwörung von Bildung und Humanität durch die Berufung auf „mehr Europa“ oder die „westliche Wertegemeinschaft“ ersetzen, dann haben wir einen Appell, der von einem zeitgenössischen Vertreter der medial-politischen Eliten stammen könnte.

Die Mission dieser Eliten ist die Überwindung von Charles de Gaulles Vision eines Zusammenschlusses souveräner Nationen. Ihr Ziel ist dagegen die Schaffung eines in jeder Hinsicht einheitlichen Raumes, in dem zentral von Brüssel aus nach unten durchregiert wird. Nationale Besonderheiten, die ja die Vielfalt Europas ausmachen, stören und sollen geschliffen werden, deswegen reagieren deutsche Politiker und Mainstream-Journalisten ja auch so gereizt auf politische Bewegungen außerhalb Deutschlands, die diesem Trend entgegenwirken.

Der Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“ taugt dazu, die Hymne dieses Europas der Eliten zu werden: „si bella e perduta“ – so schön und verloren.

Viele gesellschaftliche Kräfte suchen nach einer aktuellen Antwort auf die Fragen, was Deutschland und wer Deutscher sei und was das Deutsche ausmache. JF-Chefredakteur Dieter Stein wandte sich unlängst (JF 41/13) gegen einen „engherzigen volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“, der „integrationswillige Einwanderer“ und deren Kinder von der Nation ausschließe. Es gelte, rechte Lebenslügen abzulegen und die Theorie den Realitäten anzupassen. Der Ethnologe Thomas Bargatzky (Bayreuth) hebt in dem vorliegenden Debattenbeitrag die nicht zu unterschätzende Bedeutung der Kultur für die Gemeinschaftsbildung hervor.

 

Prof. Dr. Thomas Bargatzky, Jahrgang 1946, lehrte von 1990 bis 2011 Ethnologie an der Universität Bayreuth. Auf dem Forum schrieb er zuletzt über ein Europa in der Falle der Aufklärung („Im Abendlicht“, JF 15/12).


nachzulesen bei Junge Freiheit 48-2013

//

Sarrazin in Hambach: Afrika ist selbst schuld an der Armut….Einwanderung schadet uns und hilft niemandem


 

Am 5. Mai 2018 fand das seit 1832 etablierte „Hambacher Fest“ im deutschen Hambach statt. Kritische Denker analysierten dort die Lage Deutschlands und Europas. Neben Imad Karim und Daniele Ganser war auch Thilo Sarrazin als Redner geladen.

Wer patriotische Medien will, muss diese auch unterstützen.
Abonniere jetzt das Magazin Info-DIREKT!

In gewohnter analytischer Schärfe nahm er zentrale Paradigmen des politischen und medialen Mainstreams auseinander. Aufzeichnungen aller Vorträge sind auf Youtube nachsehbar.

Zentrale Märchen widerlegt

Der Schwerpunkt seiner Ansprache lag auf dem Thema Einwanderung. Diese werde oft auch unter falschen Vorwänden geduldet. Etwa dass man Fachkräfte benötige oder mit Migration das Pensionssystem sichern könne. Dies ist unrichtig, weil Einwanderung aus Afrika und dem Nahen Osten die Sozialkassen nur zusätzlich belastet. Das gilt nach Sarrazins Berechnungen übrigens schon für die Gastarbeiter der Sechzigerjahre. Unterm Strich übersteigen die Transferleistungen für diese Gruppe bei Weitem, was sie erwirtschaftet hat.

Massiv verschärft wurde die Lage durch die Grenzöffnung Merkels. 80% der überwiegend muslimischen Migranten haben auch nach einem Jahr keine bezahlte Arbeit. Gemäß Sarrazins Prognose wird sich daran auch nichts ändern, da schlicht nicht ausreichend Qualifikation vorhanden ist.

Einwanderung schadet uns und hilft niemandem

Diese Zumutungen nehmen wir nicht nur ohne moralische Verpflichtung, sondern auch ohne jeden logischen Grund in Kauf. Ob wir jährlich 50.000 oder 500.000 Muslime aufnehmen, ist für uns  eine Existenzfrage. Der Zustrom ist kulturell, ethnisch und religiös, aber auch ökonomisch nicht verkraftbar.

In den Herkunftsländern hingegen fällt das gar nicht auf: Alleine das Land Nigeria wird zum Ende des Jahrhunderts mehr Einwohner zählen als der ganze europäische Kontinent. Ein paar zehn- oder hunderttausend Menschen mehr oder weniger ändern dort gar nichts.

Afrika ist selbst schuld an der Armut

Auch die weit verbreitete Annahme, Afrika sei nur arm, weil die reichen Länder es ausbeuten, ist für Sarrazin nicht stichhaltig. Jedes afrikanische Land könne innerhalb von drei Generationen den Wohlstand Schwedens erreichen, wenn es nur die entsprechende Arbeitsmoral entwickeln, Bildung und Wissen erwerben und die Korruption eindämmen würde.

Wenn Europa scheitert, dann an der Masseneinwanderung

Angela Merkel meinte dereinst, „scheitert der Euro, dann scheitert auch Europa“. Angelehnt an diese Phrase beendete Sarrazin seinen Vortrag mit einer realistischen Einschätzung:

Wenn Europa scheitert, dann wird es nicht an der Währung scheitern, auch nicht am Klimawandel. Es wird an der Einwanderung scheitern. 

.

https://www.info-direkt.eu/2018/05/11/sarrazin-in-hambach-europa-scheitert-an-der-massenmigration/

Serie: Was ist deutsch? Folge 8…Kultur und Nationwerdung…Das seelische Bindemittel


.

7 deutsch dresdenDamen des Tanzensembles der TU Dresden in historischen Kostümen bei einer Vorstellung 2007: Dynamischer Charakter und integrative Funktion moderner Nationalkultur – sie transzendiert das Volkstümliche und erneuert sich ständig durch regulierte Offenheit für das Andere

.

medien, audio

.

Fußballfreunde erinnern sich: Warschau, 28. Juni 2012, Halbfinalspiel der Europameisterschaft. Italien schlug Deutschland 2:1. Vor dem Spiel die Nationalhymnen: Die Italiener sangen mit Begeisterung „Fratelli d’Italia“, manche geradezu mit Inbrunst. Dann war die DFB-Auswahl an der Reihe, und was sah man: zugenähte Münder. Wer wollte da nicht Italiener sein?

Deutschland kann in diesen Tagen viel von Italien lernen. Aber Italiens Wirtschaft! Seine Bürokratie! Und seine Politiker! Nicht nur angesichts der gegenwärtigen Probleme des Landes ist es für staatsgläubige Deutsche ein Rätsel, wie eine moderne Nation überleben kann, in der Staat und Gesellschaft den Eindruck erzeugen, zwei separat operierende Systeme zu sein. Die Wirtschaft ist jedoch nicht alles. Ist es nicht denkbar, daß Italien auch dann noch bestehen wird, wenn es Deutschland, trotz seines wirtschaftlichen Erfolgs, nicht mehr gibt, da die Deutschen danach streben, durch Eu­ropa von sich selbst erlöst zu werden, wie ihnen Zbigniew Brzeziński bescheinigt, die graue Eminenz der amerikanischen Außenpolitik („Die einzige Weltmacht“, 1997)?

Die modernen Nationen
verdanken ihre
Entstehung keinem
quasi-mystischen und
die Zeiten überdauernden
„Volkstum“, das erst
während der Romantik
in die Vergangenheit
zurückimaginiert
wurde, sondern der
Herstellung homogener
Lebensverhältnisse.

Italien lehrt uns die Wertschätzung der eigenen Kultur und die Bedeutung der Kultur für die Selbstbehauptung einer Nation. Symbol für Italiens Überlebenswille als Nation ist der Gefangenenchor aus Verdis Oper „Nabucco“. Dieser Chor („Va pensiero“ – „Zieh, Gedanke, auf goldenen Flügeln“) war zwar nicht von Anfang an die Hymne der italienischen Unabhängigkeitsbewegung, im Laufe der Zeit wuchs ihm jedoch der Status einer inoffiziellen „zweiten Nationalhymne“ zu. „Oh mia patria si bella e perduta“ – Ach mein schönes und verlorenes Vaterland – diese Worte gaben immer wieder Anlaß zum Ausdruck patriotischer Gefühle.

Ist die Kultur bedroht, dann ist auch die Nation in Gefahr: Die Sorge um Italien und seine Kultur kam auf bewegende Weise vor dem 150. Jahrestag der Staatsgründung zum Ausdruck. Am 12. März 2011 dirigierte der große italienische Dirigent Riccardo Muti in der Römischen Oper eine Festaufführung von „Nabucco“. Seit Jahren litten die Kulturpflege und das Kulturschaffen Italiens unter den gravierenden Kürzungen durch die Berlusconi-Regierung. Nach dem Gefangenenchor kam auch diesmal der Ruf „Viva l’Italia“ aus dem Publikum, woraufhin sich Maestro Muti spontan zu einer ungewöhnlichen Geste entschloß. Mit den Worten: „Auch ich bin für ‘Viva l’Italia’“ wandte er sich in einer kurzen, von Bravorufen unterbrochenen, anrührenden Ansprache an das Publikum und prangerte die Kürzungen an. Er fühle sehr als Italiener und „wenn man die Kultur tötet, auf der die italienische Geschichte gründet, dann ist unser Vaterland wirklich verloren“. Dann lud Muti das Publikum dazu ein, zusammen mit dem Chor noch einmal gemeinsam „Va pensiero“ zu singen. Das geschah, und die Fernsehaufzeichnung übermittelt zu Tränen gerührte Chormitglieder und die Jubelrufe des Publikums.

In einem Interview mit dem Corriere della Sera (14. März 2011) legte Muti nach: Das gemeinsame Singen des Gefangenenchores sei ein Moment gewesen, in dem italienische Eigenart auf großartige Weise zum Ausdruck kam („Un momento di grande italianità“). „Die Kultur in einem Land wie Italien umzubringen, ist ein Verbrechen gegen die Gesellschaft. Die Kultur ist das seelische Bindemittel, das ein Volk zusammenhält.“ Die Kürzungen im gesamten Kulturbereich seien ein feiger und absurder Mordanschlag auf die nationale Identität Italiens.

Die fundamentale Bedeutung der Kultur für die Integration und den Fortbestand moderner Nationen ist ein Ausdruck der Sonderentwicklung Europas. Das Abendland scherte seit frühmittelalterlichen Zeiten aus der Hauptströmung der Weltgeschichte aus, unter anderem weil die Bedeutung der verwandtschaftlichen Beziehungen immer mehr in den Hintergrund trat. Die Kirche wurde zum Wegbereiter des modernen „vereinzelten Einzelnen“, der im Gefolge von Aufklärung, Säkularisierung und Industrialisierung die Bühne der Geschichte betrat, als sich das bis dato noch durch feudale Bedingungen dominierte Beziehungs- und Kommunikationsgeflecht der Menschen signifikant veränderte. Der einzelne trat, als Teil der Bürgerschaft, ohne die Vermittlung durch ein göttlich legitimiertes Untertanenverhältnis, dem Staat nunmehr selber als Souverän gegenüber. Religion wurde zur Privatsache. Ideell zusammengehalten wurde die – nunmehr – Nation souveräner Bürger durch eine neue nationale Kultur als identitätsstiftender sozialer Kitt.

Die modernen Nationen, die sich zuerst in Westeuropa als Kommunikationsräume herausbildeten, verdanken ihre Entstehung also keinem quasi-mystischen und die Zeiten überdauernden „Volkstum“, das zudem erst während der Romantik in die Vergangenheit zurück­imaginiert wurde, sondern der Herstellung einer grundständigen Homogenität der Lebensverhältnisse. Dies geschah durch Bauernbefreiung und Abschaffung der Leibeigenschaft, Gewerbefreiheit, Industrialisierung und Urbanisierung, die Ausweitung des Binnenhandels durch Niederreißen der Zollschranken sowie die Erleichterung des Reisens durch Eisenbahn und bessere Straßen, den Telegraphen, Alphabetisierung, Schul- und Wehrpflicht und die Schaffung einer durch Symbole, Kunstwerke, Literatur und Musik vermittelten neuen nationalen Leitkultur. Dabei spielten die allgemeine Schulpflicht, das Gymnasium und das Vereinswesen herausragende Rollen. Es war zu Beginn des Entstehungsprozesses der Nationen vor allem dem Interesse kleiner Zirkel Gebildeter an Sprache, Geschichte, Musik und Folklore der diversen ethnischen Gruppen zu danken, daß die Elemente für die Schaffung der neuen gleichsam synthetischen kulturellen Identität der neuen Nationen zur Verfügung standen.

Der moderne Gedanke der politischen Nation wurde aus der Kultur geboren. „Es war die Kultur, die die Einheit des Vaterlandes schuf, und es ist die Kultur, die es nach mehreren Jahrhunderten des Niedergangs wieder erlösen und ihm neues Leben verleihen muß“, schrieb im Jahre 1879 Francesco De Sanctis, der Literaturwissenschaftler, Politiker und Theoretiker des „Risorgimento“. Antonio Gramsci, der marxistische Theoretiker und nachmalige Mitbegründer der KP Italiens, schloß sich De Sanctis an und sprach sogar von der Kultur als einer „laizistischen Religion“. Diese Einstellung, so Gramsci, verlangte insbesondere auch einen neuen Begriff davon, was „national“ sei, eine neue Einstellung gegenüber den Volksklassen: „umfassender, weniger exklusiv“ und weniger „polizeimäßig“.

Wenn wir uns die historischen Hintergründe und den Prozeß der Nationenwerdung im Europa des 19. Jahrhunderts vergegenwärtigen, dann ergeben sich signifikante Unterschiede im Vergleich mit der Lage Deutschlands, die bis in die Gegenwart wirken. William Pfaff, der seit vielen Jahren in Paris lebende amerikanische Autor und scharfsinnige Kolumnist, hat sie auf den Punkt gebracht: „Das Nationalgefühl der Engländer, Franzosen und Italiener hing schon immer sehr viel enger mit der Kultur als solcher – mit der Nationalkultur – zusammen als mit staatlichen oder politischen Programmen“ („Die Gefühle der Barbaren“, 1989, S. 100 f.). Deutschland brauche dagegen eine Mission, am deutschen Wesen solle immer die Welt genesen: „Nachdem die Deutschen der Welt in der Vergangenheit ein Modell des Bösen geliefert hatten, träumen sie heute davon, ein unumgängliches Modell des Guten zu liefern, wiederum im millenarischen Sinn.“ Es ist beunruhigend, meint Pfaff, „wenn man heute sieht, daß liberale Deutsche eine deutsche nationale Identität, die in Sprache, Literatur, Musik, Philosophie und in den technischen und wirtschaftlichen Errungenschaften des Landes zum Ausdruck kommt, immer noch nicht ganz akzeptieren können“.

Die Kultur ist in Deutschland nicht das „seelische Bindemittel, das ein Volk zusammenhält“ (Muti). Sie wird einerseits ahistorisch im Sinne eines ausgrenzenden Volkstumsbegriffs von Leuten reklamiert, die teilweise immer noch der Meinung anhängen, Kultur werde durch Gene weitergegeben und nicht durch Bildung und Erziehung. Man hat den dynamischen Charakter und die integrative Funktion moderner Nationalkultur nicht verstanden, die das „Volkstümliche“ transzendiert und durch regulierte Offenheit für das Andere sich selbst ständig erneuert. Auf der anderen Seite stehen die neoliberalen Kräfte der „Kulturproduktion“ und des medial-politischen Kartells, die die kostbaren Erbstücke unserer Kultur mit Verachtung behandeln – Stichwort „Regietheater“ – und so dem breiten Publikum die Chance nehmen, sich mit den Werken des Sprechtheaters und der Opernbühne zu identifizieren.

Warum aber ruht Deutschland nicht selbstgewiß in seiner Kultur, warum ist seine Nationwerdung so sehr verschieden? Nationen sind letztlich sich selbst genug, schreibt Pfaff („The Wrath of Nations“, 1994), sie streben nach einer nationalkulturellen Identität innerhalb fester Grenzen. Das moderne Deutschland ist dagegen der Abkömmling eines Reichs, des Heiligen Römischen. Seine Ursprünge sind imperial, nicht national. Ein Reich ist multinational und mehrsprachig, es strebt danach, seine Grenzen zu erweitern, es hat eine „Mission“. Als das alte Reich 1806 aufgelöst wurde, fanden sich die vielen deutschen Staaten ohne das einigende Band einer gemeinsamen Mission einer Umwelt ausgesetzt, in der sich Nationalstaaten als Reaktion auf die allgegenwärtige Modernisierung herausbildeten. Daher sei Deutschland sich bis heute seiner selbst ungewiß, es leide unter dem beständigen Zweifel an der Berechtigung einer nationalen Existenz ohne eine das Nationale transzendierende Mission.

Die deutsche Kultur
wird häufig ahistorisch
im Sinne eines
ausgrenzenden Volkstumsbegriff
s von
Leuten reklamiert, die
teilweise immer noch
der Meinung anhängen,
Kultur werde durch
Gene weitergegeben
und nicht durch Bildung
und Erziehung.

Deutschlands Eliten wandten sich daher schon früh vom Projekt der Nationwerdung ab und, wie sie glaubten, Größerem zu: „Das Vaterland existiert nicht mehr! Nationalgefühl? Wie borniert! Patriotismus? Welch ein zurückgebliebener Standpunkt! Es gibt kein anderes Vaterland als die Freiheit, kein anderes Nationalgefühl als das Bewußtsein der Bildung und der Humanität.“ Diese Zeilen des liberalen Schriftstellers Arnold Ruge stehen in einem Brief aus dem Jahre 1847. Wenn wir die Beschwörung von Bildung und Humanität durch die Berufung auf „mehr Europa“ oder die „westliche Wertegemeinschaft“ ersetzen, dann haben wir einen Appell, der von einem zeitgenössischen Vertreter der medial-politischen Eliten stammen könnte.

Die Mission dieser Eliten ist die Überwindung von Charles de Gaulles Vision eines Zusammenschlusses souveräner Nationen. Ihr Ziel ist dagegen die Schaffung eines in jeder Hinsicht einheitlichen Raumes, in dem zentral von Brüssel aus nach unten durchregiert wird. Nationale Besonderheiten, die ja die Vielfalt Europas ausmachen, stören und sollen geschliffen werden, deswegen reagieren deutsche Politiker und Mainstream-Journalisten ja auch so gereizt auf politische Bewegungen außerhalb Deutschlands, die diesem Trend entgegenwirken.

Der Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“ taugt dazu, die Hymne dieses Europas der Eliten zu werden: „si bella e perduta“ – so schön und verloren.

Viele gesellschaftliche Kräfte suchen nach einer aktuellen Antwort auf die Fragen, was Deutschland und wer Deutscher sei und was das Deutsche ausmache. JF-Chefredakteur Dieter Stein wandte sich unlängst (JF 41/13) gegen einen „engherzigen volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“, der „integrationswillige Einwanderer“ und deren Kinder von der Nation ausschließe. Es gelte, rechte Lebenslügen abzulegen und die Theorie den Realitäten anzupassen. Der Ethnologe Thomas Bargatzky (Bayreuth) hebt in dem vorliegenden Debattenbeitrag die nicht zu unterschätzende Bedeutung der Kultur für die Gemeinschaftsbildung hervor.

 

Prof. Dr. Thomas Bargatzky, Jahrgang 1946, lehrte von 1990 bis 2011 Ethnologie an der Universität Bayreuth. Auf dem Forum schrieb er zuletzt über ein Europa in der Falle der Aufklärung („Im Abendlicht“, JF 15/12).

—————————————————————————-
nachzulesen bei Junge Freiheit 48-2013

//

Gutmenschen“denken“ vernichtet unsere Zukunft…


“Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft”
—– Sobre El Cielo – Aristoteles  
Aristoteles

Gutmenschen“denken“ ist weit verbreitet, ist oft nur moralisierend, kurzsichtig und ist deshalb für die Gesellschaft existenzbedrohend.

Anti-Familie / Anti-Kinder: Demo der „Besorgten Eltern“ in Hamburg gewaltsam attackiert


Über die Auswüchse der Frühsexualisierung in Kindergarten und Grundschule haben wir hier auf Kla-TV schon mehrfach berichtet. Hier ist die heutige Sendung über die neu erarbeiteten Unterrichtsmaterialien in Schleswig- Holstein nur ein kleines aktuelles Beispiel. Europaweit nehmen die Proteste gegen diesen Frontalangriff auf die Stabilität von Familien beständig zu. Denn die meisten Menschen spüren intuitiv, dass nur gesunde Familien auch eine gesunde Gesellschaft bilden. Doch warum ist unsere Regierung nicht an solch einer Gesellschaft interessiert und fördert sogar noch derartige Bildungsprogramme, die letztlich solide Familien zerstören?

Warum zeigen die Medien dies kaum auf, sondern unterstützen im Gegenzug oft diese fehlgeleitete Politik? So werden bereits im Vorfeld von Demonstrationen und Kundgebungen die Kritiker der Frühsexualisierungskampagnen als homophob, als rechtspopulistisch und fundamentalistisch diffamiert und verunglimpft. Der nachfolgende Film über die Demo der Bürgerbewegung „Besorgte Eltern“ vom 24. Januar in Hamburg dokumentiert, wohin so eine manipulative Hetze führt.

Er zeigt außerdem, welche Parteien diese gesellschaftszerstörenden Bestrebungen unterstützen, die in erster Linie von den Vereinten Nationen, der Europäischen Union und den Medien vorangetrieben werden.

Bleiben Sie mit uns dran, immer klarere Antworten auf die Fragen nach Urheber und wirklichen Ziele der Frühsexualisierung zu finden.

800 Menschen protestierten gegen Überfremdung in Schneeberg…durch „Asylanten“, „Flüchtlinge“, Immigranten


schneeberg gross

in Schneeberg protestierten am Samstag rund 800 Menschen gegen die Überfremdung. Unter dem Motto “Haamitland wach auf!” demonstrierten die Schneeberger für den Erhalt von Heimat und Tradition. Die Merkel-Regierung betreibt eine ungebremste und ungeregelte Massenzuwanderung u. a. auch von Kriminellen über die Hintertür des Asylmissbrauchs, unter Missachtung unserer Asylgesetze, mit katastrophalen Folgen für die innere Sicherheit sowie das soziale und wirtschaftliche Gefüge unseres Landes. Die Menschen werden immer wütender und protestieren, weil deutlich zu erkennen ist, wie die üblen, indoktrinierten, ostzonalen Hoch – und Landesverräter unsere Heimat mit Volldampf und voller Absicht gegen die Wand fahren.

Unter den Demonstranten befanden sich auch angereiste Teilnehmer unter anderem aus Bayern. Den Angaben zufolge verliefen die Kundgebungen an derSeminarstraße nahe dem Penny-Markt und derProtestzug durch die Schneeberger Siedlung weitgehend ruhig. Rund 180 Polizisten waren im Einsatz.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es in Schneeberg immer wieder Protest-Veranstaltungen mit Fackelmärschen gegeben, die sich gegen das Erstaufnahmelager für „Flüchtlinge“ in der ehemaligen Kaserne richteten.

——————————————-

http://www.netzplanet.net/deutsche-immer-wuetender-800-menschen-protestierten-gegen-ueberfremdung-in-schneeberg/17230

Die sexuelle Revolution ist tot…von Eva Herman


Frei gedacht

Eva Herman

von Eva Herman

Endlich. Endlich tut sich etwas. Immer mehr Menschen wachen auf, sie erkennen, dass unsere Kinder aufs Äußerste gefährdet sind. Eine Petition nach der anderen gegen die Frühsexualisierung an Kindergärten und Schulen jagt derzeit durchs Internet, es wird deutlich: Die moderne Zeit tut der Gesellschaft nicht gut, die Umerziehungsmaßnahmen werden nicht mehr geduldet! Hunderttausende Menschen sind es, die sich nun wehren. Die Erkenntnis hat zwar lange, viel zu lange, gedauert, doch es ist hoffentlich noch nicht zu spät. Unsere Kinder geraten zunehmend unter gefährliche Einflüsse. Ebenso, wie es auch uns Eltern schon erging, als wir jung waren. Es war quasi dem Zeitgeist geschuldet, dem wir eine übergeordnete Rolle erlaubten, so, als sei er eine handelnde, eine entscheidende Institution, der wir uns unterwerfen müss­ten. Doch in Wahrheit waren wir es nur selbst, die wir viel zu lau, viel zu träge waren, um diesem unseligen Verfall die Stirn zu bieten. Wir sollten den Zeitpunkt nutzen, um umzukehren, schleunigst, fest entschlossen!

„Modernes Leben“, nennt sich die Sexualaufklärung, in den 60er Jahren angestoßen von gesellschaftlich links stehenden Gutmenschen. Durch politisch verordnete Programme, die wegführten von Moral, Ethik und Werten und uns „befreien“ sollten, wurde unser Denken, unser Fühlen und Empfinden, Stück für Stück verändert, fast unbemerkt zunächst. Man schuf gleichzeitig begleitende, gesellschaftlich verbindende Maßnahmen, ließ zum Beispiel vermeintliche Freidenker wie den „Sexperten“ Oswalt Kolle zu, der den Staub unseres prüden Verhaltens durch sich windende nackte Körper, die sich plötzlich entfesselt vor dem kühlen Kameraauge wanden, lächelnd fortblies, der in erregenden Kinofilmen unser Schamempfinden brandmarkte als altmodische Überbleibsel einer vergangenen Zeit. Ebenso der stets unsichtbar agierende „Bravo“-Mythos „Dr. Sommer“, der damals uns, heute auch unseren Kindern erklärt, wie Sex geht, trug seinen Teil dazu bei, unsere Gesellschaft sexuell weiter zu entgrenzen. Flowerpower, freie „Liebe“, Drogen und Rock ‘n Roll, all das prägte die von zwei Weltkriegen stark gebeutelte Gesellschaft, die sich von Schuld und Altlasten, aber auch von bürgerlichem Spießertum und sexueller Unfreiheit erlösen sollte.

Es folgten zahllose „wissenschaftliche Gutachten“, die uns modern machen sollten. Vor allem die „Lust zwischen Minderjährigen und Erwachsenen“ sollte gesteigert werden, mit diesem Ziel betraten die Grünen die politische Bühne. Sie gingen gleich richtig zur Sache: Seit Mitte der 1980er Jahre setzen sie sich dafür ein, dass die Gesetze zum Schutz Minderjähriger (Paragrafen 175 und 182 Strafgesetzbuch) abgeschafft werden. In einem Gesetzesentwurf behaupteten sie, diese Paragrafen „bedrohen einvernehmliche sexuelle Kontakte mit Strafe und dienen damit nicht dem Schutz der sexuellen Selbstbestimmung. Sie behindern die freie Entfaltung der Persönlichkeit …“.

Auch der vor allem in links-grünen Kreisen glorifizierte deutsche Sozialpädagoge Helmut Kentler, der sein Leben lang an der Sexualisierung von Kindern und Jugendlichen arbeitete, schrieb im Vorwort eines längst verbotenen, als hart pornografisch eingeordneten Buches: „Kinder müssen, soweit das entsprechend ihrem Alter nur immer möglich ist, von den Erwachsenen als gleichberechtigte Partner ernst genommen werden, sie brauchen einen Raum zunehmender Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, in dem sie in gegenseitiger Rücksicht und Achtung ihre sexuellen Bedürfnisse selbst regeln können. (..) Es genügt aber, die Reformen des Sexualstrafrechts bei uns und in anderen europäischen Ländern zu beobachten, und man wird erkennen: Entscheidende Weichenstellungen, die zu einer sexualfreundlichen Kultur und freundlicheren Einstellung gegenüber der ‘Kindersexualität’ führen könnten, sind bereits vollzogen.“

Kentler hatte in seinen „Lehrbüchern“ über die Sexualisierung von Kindern offen ausgesprochen, was Pädophile und deren Unterstützer aus links-grünen Kreisen immer gerne ins Feld führen, was dem natürlichen Empfinden eines einigermaßen normal veranlagten Menschen allerdings schwerste Schmerzen verursacht: Sex mit Kindern sei kein Missbrauch, sondern ein Kinderrecht. Selbstverständlich kennen Kinder dieses „Recht“ auf Sex mit Erwachsenen nicht noch fordern sie es ein. Denn ihre natürliche Entwicklung sieht wahrlich anderes vor.

Die Grünen hatten stets zum Ziel, unsere Gesellschaft umzuerziehen. Unbesorgter, schrankenloser Sex zwischen Erwachsenen und Kindern, so sollte die Zukunft aussehen. Jeder sollte immer alles dürfen, ohne Grenzen, ohne Schamkontrolle. Seit Jahrzehnten wird das Volk von der Politik und auch von den willfährigen Massenmedien mit pädophiler „Aufklärungsliteratur“ zugeschüttet. Schon vor Jahrzehnten wurde deutlich gemacht, dass es keine Privatintimität zu geben habe. Kinder werden seitdem als schamlos, als sexuell interessiert, dargestellt. Es heißt, sie seien es gewesen, die die Erwachsenen verführten.

Verheerendstes Beispiel: Der Grünen-Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit. In seinem in den 70er Jahren erschienenen Buch „Der Basar“ referierte der sexuell Schrankenlose darüber, wie kleine Mädchen ihm die Hose öffnen und ihn streicheln. Auch in TV-Shows gab er darüber lächelnd und sehr bereitwillig Auskunft: „Wenn ein kleines fünf-, fünfeinhalbjähriges Mädchen sie auszuziehen beginnt, ist das fantastisch. Es ist fantastisch, weil es ein Spiel ist, ein wahnsinnig erotisches Spiel.“ Daniel Cohn-Bendit, der die linke Spontiszene in Frankfurt in der 68er-Bewegung mit anführte, gehört vor allem zu jenen Grünen-Politikern, die, wie auch Volker Beck, für jene pädophilen Erwachsenen Straffreiheit forderten, die sexuelle Kontakte mit Minderjährigen haben. Die Pläne sind übrigens nicht etwa vergessen und in der Schublade verschwunden, sondern immer noch warten sie auf ihre finale Umsetzung. Programme wie Gender Mainstreaming dienen als ideale Hintertüren, um endlich ans lange angepeilte Ziel zu gelangen. Wer heute die Grünen aus Umweltschutzgründen wählt, sollte sich vorsichtshalber einmal ihr Gesamtprogramm näher anschauen.

Wir stehen jetzt an der Schwelle, wir könnten endlich umkehren. Warum treten wir nicht gegen die sexuelle Umerziehung an? Warum unterstützen wir nicht die Petitionen, die derzeit dutzendhaft durchs Netz geschickt werden? Wir sollten es tun, jetzt! Und noch mehr! Wir sollten das Ruder herumreißen! Die sexuelle Revolution ist gescheitert! Sie hat einen Trümmerhaufen hinterlassen, den wir nun abtragen müssen. Die Erkenntnis eines Jahrzehnte dauernden falschen Weges mag bitter sein, doch sollten wir die darin liegenden Chancen nutzen. Alles andere muss bekämpft werden. Wir brauchen unsere Scham zurück, die als edelste und wertvollste aller Triebfedern unseren Charakter, unsere Gesellschaft, formt.

Ach, übrigens, die neue rot-rot-grüne thüringische Landesregierung hat sich jetzt auf einen gemeinsamen Koalitionsvertrag geeinigt. Er sieht die stärkere Berücksichtigung „der Gleichstellung von sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität“ im Unterricht vor. Der neue Bildungsplan soll für Kinder von null bis 18 Jahren gelten.

.