Ferdos Forudastan…. Die Sarrazin- Kritikerin wird neue Sprecherin Joachim Gaucks



Die
Falsche

STEFAN HUG

Menschenverachtende Ergüsse“
in einem „krausen
Buch mit falschen Zahlen und
biologistischen Thesen“, das ein
„feindseliges und verrohtes Bürgertum“
in Deutschland gerne
annehme, da der Autor „gegen
Türken und Araber hetzt“. So
verriß Ferdos Forudastan in der
Frankfurter Rundschau Thilo Sarrazins
Bestseller „Deutschland
schafft sich ab“.
Die wütende Reaktion kam
nicht von ungefähr – gehört die
Journalistin, die Jura und Politik
studiert hat, doch seit vielen
Jahren zu jener Multikulti- und
Integrationslobby, für die ungeregelte
Massenzuwanderung und
die Neudefinition Deutschlands
als Vielvölkerstaat zum unantastbaren
Credo gehören. Sarrazins
nüchterne Befunde und empiriegesättigte
Analysen über die
Fehlentwicklungen der jüngeren
Einwanderungsgeschichte,
sein unaufgeregtes Bekenntnis
zur deutschen Kultur, mußten da
wie ein rotes Tuch wirken.
Forudastan, 1960 in Freiburg
im Breisgau als Tochter eines Iraners
und einer Deutschen geboren,
arbeitet unermüdlich daran,
die Identität der Deutschen
in Frage zu stellen beziehungsweise
als hybrid zu definieren.
Auch für die hierzulande angeblich
diskriminierten Muslime
wirft sie sich in die Bresche.
Ein Grundtenor ihrer Publikationen
und Aussagen: Ethnische
und religiöse Konfliktlinien sind
allein auf soziale Benachteiligung
zurückzuführen, der natürlich
nur mit gezielter Förderung des
ausländischen Nachwuchses beizukommen.
Ihre Arbeit betreibt
sie von einer etablierten Position
aus; sie ist ein rühriger Medienprofi.
Forudastan moderiert im
Deutschlandfunk und im WDR,
schreibt für die Badische Zeitung,
taz, Frankfurter Rundschau und
andere Zeitungen. Bereits 1989
erhielt sie den renommierten
Theodor-Wolff-Preis, sechs Jahre
später den Pressepreis des Deutschen
Anwaltvereins. An Hochschulen
in Hamburg und Dortmund
lehrt sie Journalismus.
Für eine gute Vernetzung
bürgt auch ihr Ehemann Michael
Vesper, mit dem sie drei
Kinder hat und in Köln lebt. Der
Diplom-Soziologe, Gründungsmitglied
der Grünen, ehemalige
Minister in NRW und heutige
Sportfunktionär fiel zur Olympiade
2008 übrigens dadurch
auf, daß er die Zensur in China
damit rechfertigte, daß ja auch
in Deutschland rechtsradikale
Internetseiten gesperrt würden.
Am 1. September wird Forudastan
nun neue Sprecherin
von Bundespräsident Joachim
Gauck. Das konservative Lager
in Deutschland hatte gehofft,
daß der Nachfolger Wulffs für
Überraschungen gut sei. Eine
Überraschung ist die Ernennung
Forudastans durchaus.
Eine Frau mit dieser Haltung
zur Sprecherin zu küren, hätte
man eher einem Präsidenten
mit sozialdemokratischem oder
grünem Hintergrund zugetraut.
Die Zukunft wird zeigen, ob diese
quotengerechte Personalentscheidung
eine einmalige Volte
Gaucks bleibt oder ob sie Indiz
wird für seine Anpassung an den
politischen Zeitgeist.

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aus Junge Freiheit online Nr. 29-2012