GRÜNE POLITIK: Schein-Asylbewerber: Trotz Widerstand von Anwohnern und Politikern ist ein Berliner Altersheim geräumt worden


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Asyl Altersheim.

siehe Vorbericht

https://deutschelobby.com/2013/02/21/die-zweite-vertreibung-in-berlin-wird-ein-altersheim-heimlich-in-ein-asylantenheim-umgewandelt-die-insassen-werden-umgesiedelt-anwohner-emport/

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Am Mittwoch wurden die Ziegen abgeholt. Die Tiere haben bis vor einer Woche auf dem Rasen vor dem Marie-Schlei-Haus gegrast. Sie dienten den Senioren in dem Alten- und Pflegeheim im Berliner Bezirk Reinickendorf als Zeitvertreib. Die alten Leute haben sie gefüttert, gestreichelt oder ihnen einfach nur zugeschaut.

Inzwischen sind die meisten Heimbewohner nicht mehr da. Sie wurden verlegt, weil die von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) betriebene Einrichtung in ein Asylbewerberheim umgewandelt werden soll. Vor einer Woche lebten nach Informationen nur noch sechs Bewohner in dem Heim. Allerdings ist nicht ganz klar, was jetzt aus dem 2009 aufwendig sanierten Siebenstöcker wird. Denn Anwohnerproteste haben dazu geführt, daß die zuständigen Lokalpolitiker der CDU-geführten Bezirksregierung den Plan auf Eis gelegt haben, das Marie-Schlei-Haus sofort in ein Asylbewerberheim umzuwandeln: Der zuständige Baustadtrat Martin Lambert (CDU) hat den Antrag der Awo auf Einrichtung eines Asylbewerberheims zurückgewiesen.

Ende gut, alles gut? Offenbar nicht. In der Nachbarschaft grummelt es. Die Bewohner der Einfamilienhaussiedlung fühlen sich von der Politik hintergangen und fürchten, daß aufgeschoben nicht aufgehoben bedeutet. Die Lokalpolitiker spielten auf Zeit und versuchten ihr Gesicht zu wahren, heißt es. Symptomatisch sei der Kleinlaster des Gartenbauamts, der vor einigen Tagen durch die Siedlung gefahren sei, um kritische Flugblätter, die an vielen Zäunen steckten, zu entfernen. Sollen die Kritiker an der Umwidmung mundtot gemacht werden? Andererseits ist dieses Vorhaben der Awo damit noch längst nicht vom Tisch. Zunächst reagierten die Anwohner und die interessierte Öffentlichkeit mit Erleichterung, als der Beschluß bekannt wurde. Das hat die Organisation trotzdem nicht daran gehindert, auch die wenigen noch verbliebenen Bewohner der vorbildlichen Pflegeeinrichtung umzuquartieren. Auch Manfred Kiwitt, über den diese Zeitung kürzlich berichtet hatte (JF 9/13), mußte das Haus vor einer Woche verlassen. Neben den Bewohnern des Hauses und der Umgebung sind auch die Beschäftigten von der Umwidmung betroffen. Etwa 50 Mitarbeiter haben bereits ihre Kündigung erhalten, vor allem Krankenschwestern, Altenpflegerinnen und Krankenpflegehelferinnen.

Anja Z. ist eine von ihnen. Die resolute Frau ärgert sich maßlos über ihren Arbeitgeber und die Umstände ihres Rauswurfs. Sie hat jahrelang im Marie-Schlei-Haus gearbeitet und zuletzt den Mindestlohn von 8,75 Euro verdient. „Dit steht mir bis zum Hals“, schimpft sie auf berlinerisch. Unmenschlich sei es, daß „alles so zacki“ passieren mußte. „Einen alten Baum verpflanzt man doch nicht. Das würde ich meiner Oma nicht wünschen.“ Der bisherige Arbeitgeber, der Landesverband der Awo, will die Angestellten dazu bewegen, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben und warnt vor einer Sperre durch das Arbeitsamt, falls jemand eine Abfindung erhielte.

Dem insolventen Awo-Landesverband scheint jedes Mittel recht zu sein, um das Objekt so schnell und kostengünstig wie möglich loszuwerden. Auf der anderen Seite ist der Awo-Bezirksverband Berlin-Mitte. Dem geht es wirtschaftlich besser, und er möchte einspringen. Allerdings nicht mit der personalintensiven Betreuung von Senioren, sondern durch die Errichtung eines Heims für 220 Asylbewerber. Reinickendorf gehört zu den wenigen Berliner Bezirken, die noch kein solches Heim haben. Ein Awo-Verantwortlicher bekräftigte, nachdem der Bescheid ergangen war, daß sein Verband an dem Nutzungsplan festhalte. „Wir gehen nach wie vor davon aus, daß wir das Objekt nutzen können. Dies könnte ohne größeren Aufwand sofort geschehen“, sagte der Awo-Chef von Mitte, Manfred Nowack, der JUNGEN FREIHEIT.

Deswegen ist Ulrich Brinsa sicher, daß am Ende doch Asylbewerber im Marie-Schlei-Haus einziehen werden. Der frühere CDU-Abgeordnete führt den Widerstand der Anwohner an. „Dieser Bescheid wird keinen Bestand haben“, sagt er der JF. Zum einen, weil er anfechtbar sei. Zum anderen, weil die Sachzwänge am Ende doch erforderten, daß die Asylbewerber dort untergebracht werden. Die selbstgeschaffenen Sachzwänge wohlgemerkt. Wenn der Bezirk wollte, dann hätte er längst jemanden gefunden, glaubt Brinsa. Ob Caritas oder Johanniter – irgendjemand wäre schon bereit, dort ein Seniorenheim einzurichten. „Schließlich haben wir einen Pflegebettennotstand in Berlin“, so Brinsa.

——————nachzulesen bei JF 11-2013————–

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Die zweite Vertreibung: In Berlin wird ein Altersheim heimlich in ein Asylantenheim umgewandelt, die Insassen werden umgesiedelt / Anwohner empört


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Berlin Räumung Altersheim2

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Die Leidtragenden. Das Kriegsende hat Manfred Kiwitt als Siebenjähriger in Berlin erlebt. Ihn und seine Familie hatte es aus Rarfin, einem Flecken in Pommern mit 376 Einwohnern, in die „Reichshauptstadt“ verschlagen. „Es war eine schwere Zeit“, erinnert sich der 74jährige. Er hat das Heimatdorf südlich von Kolberg nie wiedergesehen.

Am Ende seines Lebens steht Kiwitt nun erneut vor einer Vertreibung aus seinem heimatlichen Umfeld, seinem Zuhause. Der Rentner lebt in einem Berliner Altersheim, das von den Betreibern nun ratzekahl geräumt wird: dem Marie-Schlei-Haus im Bezirk Reinickendorf.

Das von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) betriebene Alters- und Pflegeheim beherbergte bis vor kurzem eine Zahl von etwa 70 Bewohnern. Jetzt sind nur noch wenige übrig. „Viele sind schon raus“, sagt Kiwitt mit einem Seufzen.

An diesem Tag feiern die verbliebenen Senioren eine Faschingsparty. Ein Musiker spielt auf einem Keyboard Tanzmusik längst vergangener Zeiten. Udo Jürgens, Peter Alexander und so.

Berlin Räumung Altersheim

Manfred Kiwitt hat einen Faschingshut auf. Der ehemalige Angestellte des Berliner Stromversorgers Bewag (jetzt: Vattenfall) ist schon seit den Nullerjahren im Marie-Schlei-Haus untergebracht. Er hat zwei Jungs, die in Berlin leben und ihn manchmal besuchen kommen. Alleine könnte er nicht mehr sein, aber in diesem Heim ist er gut aufgehoben. Das Marie-Schlei-Haus wurde 2009 für 2,5 Millionen Euro saniert und ist eine vorbildliche Einrichtung. Die Heimleitung verspricht eine „Atmosphäre der Gemütlichkeit und der Geborgenheit“. Die Bewohner sind sehr zufrieden mit dem Essen. Am Sonntag gab es Kaßler mit Grünkohl und Salzkartoffeln oder Wildgulasch mit Preiselbeeren und Klößen. Dazu Karamelpudding und eine Waldbeer-Cremeschnitte. Wer kann da nein sagen?

Das Pflegepersonal ist immer präsent. Der Laminatboden sieht aus wie geleckt. Es gibt helle Zimmer und mehrere Gemeinschaftsräume pro Stockwerk. Der zentrale Punkt in einem Stockwerk ist eine große Gemeinschaftsküche, in der vor allem freitags gemeinsam gekocht und ein bißchen gefeiert wird. Der erste Eindruck: Hier kann die Oma guten Gewissens untergebracht werden.

Aber damit ist jetzt Schluß. Die Geschichte des Marie-Schlei-Hauses ist mehr als eine Berliner Lokalposse. Hier verdichten sich die Fakten, die sich hinter so großspurigen Formeln wie demographischer Wandel verbergen. Es geht um alte Deutsche, junge Zuwanderer und um handfeste ökonomische Interessen, die auch immer mitspielen, wenn von Weltoffenheit, bunter Republik oder kultureller Bereicherung die Rede ist.

Die Geschäftemacher. Die Arbeiterwohlfahrt ist mit 145.000 Mitarbeitern einer der großen Spieler der deutschen Sozialindustrie. Der dezentral organisierte Verband verdient Geld durch den Betrieb von 14.000 Einrichtungen wie Altenheimen oder Kindergärten. Das Geld kommt so oder so meistens vom Steuerzahler. Aufgrund von Mißwirtschaft stecken immer mal wieder Awo-Verbände in finanziellen Schwierigkeiten, so auch die Berliner Awo, die auf jeden Cent angewiesen ist.

Für einen Rentner, der in einem Altersheim wohnt, bekommt der Betreiber etwa 1.500 bis 3.000 Euro, je nach Pflegebedürftigkeit. Die 70 Insassen des Marie-Schlei-Hauses dürften somit einen Umsatz von mindestens 100.000 Euro pro Monat garantiert haben.

Der neue Plan der Awo sieht so aus: Statt der pflegebedürftigen 70 Senioren sollen 200 bis 220 Asylbewerber, für deren Verbleib in Deutschland sich der Verband selbstredend einsetzt, untergebracht werden. Für ihre Unterbringung wird auf den ersten Blick in kleinerer Münze gezahlt. 2012 bekam ein Betreiber eines Asylbewerberheims in Berlin im Schnitt 14,06 Euro pro Tag. Macht bei 30 Tagen und 220 Insassen „nur“ 92.796 Euro.

Trotzdem versprechen die Asylbewerber mehr Profit. Sie werden nämlich nicht betreut. Die Awo spart fast sämtliche Personalkosten für Dutzende Angestellte, denen bereits gekündigt wurde. Sie stehen in Kürze auf der Straße. Und für die Awo rollt der Rubel. Zehntausendfach.

Die Anwohner. Das Marie-Schlei-Haus liegt am Eichborndamm in Berlin-Reinickendorf. Die West-Berliner Mittelschicht ist dort zu Hause. Kleine Ein- und Mehrfamilienhäuser, fast immer Wohneigentum. Die Angst vor drastisch sinkenden Immobilienpreisen macht die Runde. Und vor Kriminalität.

Manfred Kretschmer, fast direkter Nachbar des Grundstücks, geht mit seinem Sohn die Straße entlang. „Das finden wir nicht so gut“, sagt er vorsichtig und meint damit den möglichen Wertverlust seines Einfamilienhauses – und daß das Asylbewerberheim eine Dauereinrichtung werden könnte. Eine Dame mittleren Alters sagt, es sei unfair, „die mitten in einem solchen Wohngebiet abzuladen“.

Alle Anwohner denken so. Und sie melden sich lautstark zu Wort. Der frühere CDU-Abgeordnete Ulrich Brinsa, der in der Nähe wohnt, hat eine Demo angemeldet und die Anwohner eingeladen. Rund 100 sind gekommen. Sie stehen vor dem graubraunen Siebenstöcker und machen ihrem Unmut Luft.

Roth Grüne

„Wir erwarten vom Bürgermeister, daß er uns bestätigt, daß das Altenheim bleibt“, fordert Brinsa mit Blick auf seinen Parteifreund Frank Balzer. Brinsa hat gleich eine zweite Demo für die folgende Woche angemeldet und ruft die Anwohner zur Teilnahme auf, „also die, die nicht arbeiten gehen müssen“, schiebt er hinterher. „Die werden aber die meisten sein“, ruft einer dazwischen.

Danach stehen die Anwohner zusammen und diskutieren. Elke Hirling (72) zum Beispiel. Sie lebt seit den siebziger Jahren in der Siedlung und erinnert sich noch an die Zeit, als das Marie-Schlei-Haus schon einmal Asylantenheim war: „Das war schlimm damals.“ Tamilen lebten dort, oder besser gesagt: hausten. „Da flogen Sachen wie Teller aus den Fenstern, und selbst der Hausmeister, ein Jugo, hatte bald Angst und traute sich nicht mehr hinein.“ In der Gegend stieg die Zahl der Diebstähle rasant. Die ganze Situation sei schließlich eskaliert, die Bewohner hätten aus den Fenstern uriniert, weil die Toiletten unbenutzbar gewesen seien. Am Ende mußte das Haus wegen handfester Seuchengefahr geschlossen werden. Betreiber sei damals auch schon die Awo gewesen, berichten die Anwohner.

Kein Wunder, daß gerade ältere Anwohner ihre neuen Nachbarn eher mit Skepsis erwarten. „Es ist egal, ob da jetzt Zigeuner oder Araber reinkommen, das Wohnviertel wird auf jeden Fall nicht verbessert dadurch“, schimpft ein älterer Herr. Ein anderer meint, die alten Franzosenkasernen würden sich viel besser als Asylantenunterkunft eignen.

Da erscheint ein großgewachsener Mann mit grauen Haaren. Er wird sofort umringt von den Anwohnern und muß deren Fragen und Vorwürfe über sich ergehen lassen.

Manfred Nowack ist Chef der Awo Berlin-Mitte. Sein Verband wird das Marie-Schlei-Haus betreiben, wenn die Asylanten da sind. Er verspricht, daß er den Kontakt zu den betroffenen Nachbarn suche und behauptet, bislang sei eine Informationsveranstaltung daran gescheitert, daß es keinen passenden Raum gegeben habe.

Berlin Räumung Altersheim2

In Berlin, der Dreieinhalb-Millionen-Metropole, will er kein geeignetes Lokal gefunden haben. Kein Wunder, daß die Anwohner aufgebracht sind und ihren Zorn nur schwer herunterschlucken können.

Nowack beschwichtigt weiter: „Das sind nicht die Sinti und Roma, die herkommen, sondern behinderte und traumatisierte Menschen.“ „Jeder Mörder gilt doch heute als traumatisiert“, faucht eine empörte Frau. Eine andere ruft: „Was ist denn mit den alten Leuten? Die sind auch traumatisiert, weil sie aus Schlesien vertrieben oder als junge Mädchen von den Russen vergewaltigt worden sind. Und trotzdem haben sie danach Berlin wieder aufgebaut.“

Die Emotionen kochen hoch. Es geht nicht immer sachlich zu. Aber ehrlich auch nicht. Das Bezirksamt und die Awo haben das Thema so lange gedeckelt, wie es ging, sagen die Anwohner. Durch Zufall sei die Umwidmung bekanntgeworden, weil jemand sich auf einer Eigentümerversammlung verplappert hat.

Der zuständige Bezirksstadtrat Martin Lambert (CDU) hat der Awo nach eigener Aussage bereits im November den Hinweis gegeben, Asylbewerber könnten grundsätzlich dort aufgenommen werden. Von der Räumung des Hauses habe er dann aus den Medien erfahren. Jetzt rudert er zurück: „Aus unserer Sicht ist das Marie-Schlei-Haus nicht die richtige Position“, teilte er den empörten Anwohnern bei ihrer zweiten Demo vor dem Reinickendorfer Rathaus am Dienstag vormittag mit.

Berlin Räumung Altersheim

Aber kann der Politiker das überhaupt noch verhindern? Die Umsiedlung der Einwohner ist bald abgeschlossen. Schon sind nur noch etwa 20 Senioren übrig. Einer von ihnen ist jener Manfred Kiwitt, der von den Protesten unten nicht viel mitbekommen hat. Die Senioren leben in einem abgeschotteten Mikrokosmos. Und doch sind sie ebenso unzufrieden wie die Anwohner. „Der Zusammenhalt ist da“, sagt er. Aber gegen die Awo können sie nichts unternehmen. „Viele sind traurig“, seufzt er und wischt sich eine Träne aus dem Auge.

Auch Kiwitt hat schon eine neue Bleibe: ein Seniorenzentrum ganz in der Nähe. Langsam zückt er sein Portemonnaie und holt eine Karte mit der Adresse heraus. Seiner neuen Wohnadresse, seiner wohl letzten – am Ende eines erfüllten Lebens. Er wartet nur noch auf den Umzugstermin. Das nächste Fest wird dort begangen. Im Marie-Schlei-Haus wird es wohl keine Faschingsfeier für Senioren mehr geben.

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nachzulesen bei JF 09-2013

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Marie-Schlei-Haus

Eichborndamm 124, 13403 Berlin-Reinickendorf

Die Wiedereröffnung des Marie-Schlei-Hauses am 15. Oktober 2009.

Durch Anklicken der Fotos werden diese vergrößert dargestellt. 

Feierliche Schlüsselübergabe durch Dr. Douglas Fernando, AVILA/Petruswerk, an den Heimbeirat und die Einrichtungsleitung im Festzelt. v.l.n.r.: Jürgen Brockmeyer, Geschäftsführer der AWO Ida-Wolff-Geriatriezentrum Neukölln gGmbH, Gisela Preuss, Heimfürsprecherin, Esther Han, Einrichtungsleitung Marie-Schlei-Haus, Dr. Douglas Fernando, Geschäftsführer AVILA/petruswerk

Es gratulieren zum gelungenen Umbau:

Hans Nisblé, Vorsitzender AWO-LV Berlin
Marlies Wanjura, Bezirksbürgermeisterin Reinickendorf a.D.

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