Wo beginnt die deutsche Geschichte?


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Die Grenze zwischen Deutschen und Germanen

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 Die Himmelsscheibe von Nebra, ausgestellt im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, gilt als weltweit älteste konkrete Himmelsdarstellung und ist der Beweis, dass die Urgermanen Astronomie betrieben.
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Seit Ende September gilt für die weltberühmte Himmelsscheibe von Nebra die Unesco-Urkunde, die sie offiziell als Weltdokumentenerbe auszeichnet. Damit gehört sie als einer von 17 deutschen Gegenständen zum „Gedächtnis der Menschheit“. Aber ist ihr Platz neben der Gutenbergbibel und Beethovens Neunter Grund genug, das einzigartige Fundstück als deutschen Beitrag auf dieser Liste zu begreifen? Denn wie viel deutsche Geschichte steckt in der Bronzezeit? Oder anders gefragt Wie viel (ur)germanische Geschichte steckt in der deutschen?

Anlässlich der Schau „Zwischen Walhall und Paradies. Eine Ausstellung zur Archäologie und Geschichte des frühen Mittelalters“ im Deutschen Historischen Museum 1991 argumentierte der 1998 verstorbene Historiker Hartmut Boockmann (Spezialgebiet: deutsches Mittelalter), man dürfe die Zeit der Germanen nicht „einfach als ein erstes Kapitel der Geschichte der Deutschen“ sehen. Er führt aber weiter aus: „Geschichte meint nicht nur rekonstruierte Vergangenheiten, sondern auch spätere Rezeption von Vergangenheit, Verständnishorizonte und Sinnschichten, die zwischen der Gegenwart und jener Vergangenheit liegen, die uns interessiert.

Aus diesem Grunde darf die deutsche Geschichte nicht erst im 10. Jahrhundert – oder noch später – einsetzen. Seit Humanisten am Ende des Mittelalters in Abwehr dessen, was sie als italienischen Hochmut erlebten, die Größe ihrer Vorfahren in dem entdeckten, was Tacitus und andere römische Autoren von den Germanen berichten, ist die Geschichte der germanischen Völker in Mitteleuropa durch Rezeption und Erinnerung zu einem oder jedenfalls zu einer Vorstufe der deutschen Geschichte geworden/‘ Darum müsse „ein angemessenes Verständnis dessen, was als deutsche Geschichte zu gelten hat“, die Geschichte der frühen Völker in Mitteleuropa ein beziehen. Und das waren die alten Germanen.

Kurze Geschichte der Germanen

Sie waren in Nord- und Mitteleuropa zu finden und unterschieden sich von den anderen indogermanischen Völkergruppen wie zum Beispiel den Kelten durch ihre Sprache. Auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands lebten wohl Nicht-Indogermanen, die sich um 2.000 vor Christus mit den ersten eindringenden indogermanischen Stämmen vermischten. Deren Urheimat wird in Skandinavien vermutet. Die aus dieser Begegnung hervorgegangenen Germanen waren damit Träger auch der Bronzezeit, in die die Entstehung der Himmelsscheibe von Nebra fällt. Für sich selbst hatten die Germanen keine Sammelbezeichnung, wenn sie sich audi einer ethnischen Zusammengehörigkeit wahrscheinlich bewusst waren. Als die ersten Wanderungen begannen, traten größere politische Einheiten hervor.Die Kimbern und Teutonen sind im 2. Jahrhundert vor Christus die ersten Germanen, die weltgeschichtlich in Erscheinung treten, indem sie den Römern schlaflose Nächte bereiten. 113 überschreiten sie die Grenze zum römischen Siedlungsgebiet. Die Reaktion der Römer reicht von Feldzügen bis zur Befestigung der Grenzen durch den Limes und der raschen Errichtung der Provinzen Germania superior und Germania inferior mit den Hauptorten Mainz und Köln.Mit der Völkerwanderung geriet die Welt der Germanen nachhaltig in Bewegung. Der Vorstoß der Hunnen nach Westen, wohl einer der Auslöser für die sogenannte zweite

Völkerwanderung, führte zur Entstehung selbständiger germanischer Reiche auf römischem Territorium. Germanen übernahmen viel von der Lebensweise der römischen Spätantike und auch das Christentum. „Dadurch wurden die Voraussetzungen geschaffen für eine dauerhafte Kultur und Staatenwelt des Mittelalters prägende Synthese von Germanentum, Antike und Christentum“, hält Dr. Joachim Fischer für Kröners Lexikon der deutschen Geschichte fest.

So weit, so gut. Aber: Ist das alles schon deutsche Geschichte? Johannes Haller in seinem Buch „Die Epochen der Deutschen Geschichte“ – ein Standardwerk in der Weimarer Republik, das 1954 in einer Sonderausgabe neu erschien – verneint. „Man setzt nämlich Deutsche und Germanen einander gleich. Mit welchem Recht? Zu den Germanen gehörten unstreitig auch die skandinavischen Völker; und doch ist es noch niemand eingefallen, ihre Geschichte in die deutsche einzubeziehen. Zu den Germanen gehören aber auch die Engländer. …

Noch ist aber niemand auf den Gedanken geraten, die englische Geschichte oder auch nur die der Angelsachsen als einen Teil der deutschen Geschichte darzustellen. Das ist eine offenbare Inkonsequenz: wenn die Goten und Langobarden hineingehören, warum nicht auch Dänen und Angelsachsen?“

Die Germania des Tacitus

Die Archäologie ist die für das Verständnis der germanischen Geschichte wichtige Disziplin, weil es in ihren Anfängen keine schriftlichen Zeugnisse gibt und die ersten Nachrichten von griechischen Geschichtsschreibern stammen, die noch kaum zwischen Germanen und Kelten unterschieden haben. Erst mit den Römern werden die Germanen literarisch greifbar. Tacitus‘ „Germania“ spielt die entscheidende Rolle.Tacitus hat wohl das wilde Germanien nie zu Gesicht bekommen, und daher ward oft diskutiert, wie viel Glauben man seinem Bericht überhaupt schenken darf.
Wollte er seinen dekadenten Landsleuten nur einen Spiegel Vorhalten, in dem sie ihre Sittenlosigkeit beim Anblick der ehrlich anständigen „Wilden“ erkennen?

Wollte er die Gefahr, die jenseits der Grenze lauerte, apostrophieren? Auf der anderen Seite: Es gab genug Römer, die ihre eigenen Erfahrungen mit den „Barbaren“ gemacht hatten und Tacitus eventuell schnell entlarvt hätten. Die schlechten Seiten der Germanen lässt er ferner nicht unter den Tisch fallen. So erscheinen sie keinesfalls als naives Idealvolk eines goldenen Zeitalters. Außerdem decken sich manche seiner Beschreibungen mit den Beobachtungen, die Cäsar 150 Jahre vorher in seinem Germanenexkurs in „De Bello Gallico“ niedergelegt hat.

Es gibt keine andere antike Schrift über ein fremdes Volk, das der „Germania“ des Tacitus vergleichbar wäre. Die deutschen Humanisten fanden hier einen Fixpunkt für ein neu aufkeimendes Nationalgefühl. Damals wurde auch Arminius, den Tadtus „Germaniens Befreier“ nennt, zur Nationalfigur Hermann. Luther selbst schreibt, er habe ihn „von Herzen lieb“ und wollte ihn besingen, wäre er ein Dichter. Das haben mit Klopstock, Kleist und Grabbe spätere Dichter in monumentaler Form besorgt.

Arminius‘ Versuch, die germanischen Stämme zu einen, scheiterte wie auch ähnliche Unternehmungen später. Vielleicht hätte man sonst den konkreten Beginn einer deutschen Geschichte deutlich früher festmachen können. Schließlich bedurfte es Impulsen von außen, dass die Deutschen die Deutschen wurden. Johannes Haller: „Die deutschen Stämme sind nicht dämm zum deutschen Volke zusammengewachsen, weil sie von Natur zusammengehörten, sondern weil sie durch ihr Schicksal, das heißt, durch die Geschichte, zusammengeführt wurden.“

911: Geburt einer Nation?

Voraus gingen mehrere Stufen, eine der letzten und wichtigsten war das fränkische Reich. Bis 804 hatten die Franken die anderen Stämme unterworfen. Haller schreibt über diese Zeit: „Die deutschen Stämme sind zwar vereinigt im gleichen Staats- und Reichsverband und haben daher gemeinsame Geschicke, aber sie bilden noch keine gemeinsame Besonderheit, sie sind nur Teile des fränkischen Weltreichs, das außer ihnen auch Burgunder, Goten, Langobarden und namentlich sehr viele Römer umfasst. Eine deutsche Geschichte kann es erst geben, wenn die unter sich verbundenen deutschen Stämme sich vom Gesamtverband des fränkischen Reichs lösen und eine Einheit für sich bilden.“Wenn Haller eine Jahreszahl nennen müsste, würde er 911 angeben. Damals huldigten die deutschen Stämme nach dem Tode Ludwigs des Kindes nicht dem westfränkischen Nachfolger, sondern erhoben Herzog Konrad zum eigenen König. Feste Zahlen halten zwar immer nur etwas Äußeres fest, dienen dennoch hier dazu, die erste Periode in der Entstehung eines deutschen Staates zu bezeichnen.Auch die Sprachwissenschaft kann helfen, die Grenze zwischen germanischer und deutscher Geschichte zu ziehen, indem sie fragt, wann und warum das Wort „deutsch“ sich bemerkbar macht. Als mittel lateinische Vokabel kommt „theodiscus“ zur Zeit Karls des Großen auf. In der Bedeutung „zum (eigenen) Volk gehörig“ bezieht es sich seit 786 auf sprachliche Verhältnisse (germanische Volkssprache im Gegensatz zu Latein und romanischen Sprachen), dann auf politische Gegebenheiten. Dem Althochdeutschen thiutisk (um 1000) folgen mittelhochdeutsch diutsch und neuhochdeutsch dann deudsch (bei Luther), teutsch und deutsch. Das im Indogermanischen wurzelnde althochdeutsche „diot“, auf das sich das Adjektiv bezieht, bedeutet Volk und ist heute noch in Namen wie Dietrich oder Dietmar lebendig. Es hat übrigens denselben Ursprung wie „Tausend“. Der Zusammenhang: Eine große Menge an Leuten ist das Volk.Das Wort „Germane“ verschwandet in den antiken Quellen im 4. Jahrhundert. Schon sprachwissenschaftlich dehnt sich der Übergang von der germanischen zur deutschen Geschichte also über mehrere Jahrhunderte.Germanisch und deutsch wurden im folgenden Jahrtausend als weitgreifende Synonyme verwendet. Man denke an das Germanische Nationalmuseum (das größte zur Kulturgeschichte des deutschsprachigen Raums), an die Monumenta Germaniae Histórica (ab 1819 auf Initiative des Freiherm von Stein aufgearbeitete historische Dokumente)

 oder an Germanistik (zunächst war ein Germanist ein Kenner des „germanischen Rechts“, dann Erforscher des germanischen Altertums und zuletzt Sprach- und Litera- turwissenschaftler).

Noch bevor Romane wie Gustav Freytags „Die Ahnen“ oder Felix Dahns „Ein Kampf um Rom“ die Germanen als Gegenstand der Belletristik mit großem Identifikationspotenzial ausstatteten, begriffen kluge Köpfe wie Fichte (die Deutschen als „nächste Erben ihres Bodens“) oder Herder (die Germanen als „deutsche Völker“) sie als Teil der deutschen Geschichte. Auch Kla-bund schrieb 1920: „Jener germanische Jüngling, der einsam im Eichenwald am Altare Wotans niedersinkend, von ihm, der jeglichen Wunsch zu erfüllen vermag, in halbartikuliertem Gebetruf, singend, schreiend, die Geliebte sich erflehte, dessen Worte, ihm selbst erstaunlich, zu sonderbaren Rhythmen sich banden, die seiner Seele ein Echo riefen, war der erste deutsche Dichter.“ Selbst Heinrich Böll meinte 1979 über Tacitus‘ Germania: „Diese knappen Studien, fast aphoristisch, erweisen sich nach 1.800 Jahren nicht nur als lesbar, sondern auch als lesenswert: immerhin eine der ältesten, wenn nicht die älteste Auskunft über unsere,Vorfahren‘.“ Und das obwohl nach 1945 „fast alles, was man zu wissen glaubte, zerfasert und in Frage gestellt“ worden ist (Althistoriker Mischa Meier).

Wir sehen: Es gibt unterschiedliche Faktoren, die bestimmen, was zur deutschen Geschichte gehört und was nicht. Das sind zum einen gesicherte historische Fakten, aber genauso ihre aktuelle Interpretation und nicht selten ideologische Einordnung. So erinnerte Boockmann an die enthusiastische und (für ihn) irrende Epoche des deutschen Nationalbewusstseins, „während der zur kollektiven Selbstvergewisserung gehörte, dass Hermann der Cherusker ein großer Deutscher war“. Er gibt aber zu bedenken: „Wer skeptisch ist, wird für das Interesse an früheren Irrtümern auch deshalb plädieren, weil nicht sicher sein kann, dass für alle Zeiten Irrtum bleibt, was zur eigenen Zeit gerade als Irrtum erscheint.“

Der Begriff Germania: Römischer Name für den Siedlungsraum der Germanen in Mitteleuropa, Abkürzung fürTacitus’Traktat,/De origine et situ Germanorum“, Titel der nationalen Bekenntnisschrift des Humanisten Wimpfeling und Personifikation Deutschlands. Friedrich Overbeck, Maler aus der Schule der Nazarener, setzte 1828 neben seine Germania (rechts) die Italia.

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Amelie Winther

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Bericht aus Berlin…Kann denn Muttersprache Sünde sein?


Von Klaus Fischer

Das Berliner Original Eckensteher Nante, diese legendäre, aufmerksame Person, die die Öffentlichkeit der deutschen Hauptstadt scharf beobachtet und gelegentlich kommentiert, hatte ja letztens in der DSW den Regierenden Bürgermeister Michael Müller auf dem Kieker, weil jener die Wissenschaftsstadt Berlin als „Brain City“ amtlicherweise benennen wollte. Doch nun kann Nante vom „Obermüllermeester“ Gutes berichten. Als derzeitiger Bundesratspräsident wurde der Berliner Regierungschef in Jordanien wie ein Staatsgast empfangen.

„Obermüllermeester“ trotz Deutsch „einigermaßen gewandt“

Eine große Berliner Lokalzeitung äußerte überheblich:

„Müller selbst bewegt sich nach fast vier Jahren im Roten Rathaus auch in der großen Politik inzwischen einigermaßen gewandt – obwohl er es immer noch bevorzugt, offiziell nicht Englisch zu sprechen“.

Nicht zu fassen, meint Nante, gehört der deutsche Bundesratspräsident nach Meinung des Morgenpost-Reporters nun in die Sprachsünderecke, weil er sich im Ausland seiner Muttersprache bedient und nicht mit den Jordaniern englisch radebrecht?

Nante lobt Müller darob! Und grübelt weil in Berliner Schulen jeder zweite Drittklässer nicht richtig deutsch
schreiben und nur schlecht lesen kann, wie der jüngste Vergleichstest der Länder zeigt.

Es handelt sich dabei übrigens um Schüler deutscher Herkunft. Bei den fremdsprachigen Mädchen und Jungen fielen sogar über 60 Prozent im Schreibtest durch.

Der Berliner Schauspieler Jürgen Vogel, der fünf Kinder großgezogen hat, meint, man müsse

„vor allen Dingen mehr Lehrer einstellen. Leider wird das Geld an falschen Stellen ausgegeben. Die Rechtschreibreform war zum Beispiel eine totale Geldverschwendung!“

Und dann doch wieder nur Englisch

Vom ABC-Schützen bis zur Abiturientin – den Nachwuchs umschwirren die Fremdsprachen. Nantes Enkelin, eine Achtkläßlerin, lernt heutzutage Englisch, Latein und Spanisch. Sie erzählt, Mitschüler, die die spanische Sprache erlernen, sind nach Mexiko gereist, um dort mit Gleichaltrigen, die wiederum Deutsch lernen, gemeinsam zu üben und sich gegenseitig zu helfen. Im April nun waren im Austausch mexikanische Mädchen und Jungen in Berlin zu Gast, wohnten bei ihren deutschen Freunden und nahmen in der Schule am Deutsch- wie am Spanischunterricht teil.
Jedoch, sowohl hier wie vorher drüben in Mexiko, verständigten sich die Jugendlichen hauptsächlich auf englisch …

Wiederum erlernen viele Schüler mit ausländischen Wurzeln, die hier leben, ihre Muttersprachen nicht ordentlich. Das haben wohl auch Politiker in Berlin wie im Land Brandenburg erkannt. Aus Potsdam wird gemeldet, immer mehr Schüler mit „Migrationshintergrund“ besuchten freiwillig zusätzliche Unterrichtsangebote in ihrer Muttersprache:

rund 380 Kinder lernen Arabisch, 240 Russisch, 190 Polnisch, 55 Persisch, 40 Vietnamesisch, zwölf Türkisch. Diese Herkunftssprache steht in Berlin sogar an erster Stelle. Hier werden in 20 Schulen zwei Stunden pro Woche extra türkische Sprach- und Landeskunde vermittelt.

Lehrer des Landes Berlin unterrichten, denn Eltern und der Türken Bund Berlin hatten schlechte Erfahrungen mit den vom Generalkonsulat bisher eingesetzten konservativen Erdogan-treuen Lehrkräften gemacht, die die Kinder politisch nationalistisch und religiös beeinflußt haben sollen.

Deutschkurs für den Knast-Gast

„Und unbedingt auf den Knast“, ergänzt Nante. In fast allen Gefängnissen der Bundesrepublik Deutschland wird nämlich Deutsch zur Fremdsprache!

Die Zahl der Ausländer in den Haftanstalten steigt. In Berlin beträgt der Anteil 47 Prozent. Oftmals verstehen die ausländischen Gefangenen Anweisungen nicht. Es kommt zu Konflikten, weil ihnen Regeln nicht in ihrer Muttersprache erklärt werden können. Der Bedarf an Sprachkursen, auch für das ohnehin schon überforderte Aufsichtspersonal und für Dolmetscher, steigt.

„Auch die Kompetenz im Umgang mit anderen Kulturen ist gefordert“,

weiß der Vorsitzende der Justizministerkonferenz Dieter Lauinger aus Thüringen. In Bayern leisten Aufseher wertvolle Hilfe, die selbst aus anderen Ländern und Kulturkreisen stammen.

„Der fremdländische Knast-Gast soll sich offenbar hierzulande wie zu Hause fühlen“,

vermutet Nante.

„Wie auch unsere Staatsgäste, wenn ick det mal bemerkein darf, raunt Nante geheimnisvoll. Der Eckensteher
hat nämlich einen aufschlußreichen Ausflug zur ältesten Berliner Waldgaststätte unternommen. „Hanff’s Ruh“ liegt im Grünauer Forst und bewirtet seit rund 130 Jahren Durstige und Hungrige.

Nante entdeckte in dem historischen Häuschen, daß der Wirt neuerdings für seine Gäste die Speisekarte dreisprachig drucken ließ: in Deutsch, Russisch und Englisch!

„Det hat Jröße“, freut sich Nante und flüstert dem Schreiberling dieses Berichtes zu: „Janz im Vertrauen, da findet wohl bald ein weltpolitisches Jeheimtreffen statt, in der versteckten Jrünauer Walddestille, wo jeder Staatsgast ala carte in seiner Muttersprache bestellen kann.

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Deutsche Sprachwelt_Ausgabe 72_Sommer 2018

Rassismus! Sexismus! Populismus!…Vom richtigen und falschen Umgang mit gefährlichen Begriffen


Von Hartmut Heuermann

Sie sind weit verbreitet, und ihre Verbreitung nimmt ständig zu. Allerdings steht der Grad ihrer Verbreitung in umgekehrt proportionalem Verhältnis zu ihrer semantischen Leistungsfähigkeit. Denn je häufiger sie von Politikern, Kritikern und Kommentatoren in Umlauf gesetzt werden, desto unschärfer wird ihr Erklärungsvermögen. Sie werden schließlich zu dem, was man als „Worthülsen“ bezeichnet: Begriffe ohne Inhalt, Sprache ohne brauchbare Denotate.*

Rassismus!

So hat der Rassismus-Begriff inzwischen seine ursprüngliche Bedeutung weitgehend eingebüßt. Er bezeichnet keinen verbreiteten, kulturell oder politisch begründeten Haß auf bestimmte Rassen mehr, sondern dient als Kampfbegriff gegen ungeliebte, unwillkommene Meinungen oder Einstellungen. Eben dies macht ihn gefährlich. Obwohl Biologen und Anthropologen sich vom Rasse-Begriff längst verabschiedet haben, weil er keine wissenschaftliche Substanz besitzt, und der Begriff Ethnie an die Stelle getreten ist, überlebt der Begriff in einer fragwürdigen Übertragung –als verbale Keule, als Waffe gegen Kritik an sozialem oder politischem Fehlverhalten. Die meisten verunglimpften „Rassisten“ in unserer Gesellschaft sind gar keine; es sind eher Menschen, die vom Zeitgeist abweichende Ansichten artikulieren. Doch wer heute berechtige Kritik an ethnisch befremdlichen oder sozial inakzeptablem Verhalten äußert, läuft Gefahr, von eifrigen Gutmenschen als Rassist beschimpft zu werden.

Sexismus!

Der Sexismus-Begriff ist in seiner inflationär wolkigen Verwendung nicht minder problematisch und gefährlich. Daß er grundsätzlich berechtigt sein kann, soll nicht bezweifelt werden. Denn einerseits ist diese „Weltanschauung“ das unglückliche Erbe einer mehrtausendjährigen Geschichte des Patriarchats mit seinen typischen Dominanzansprüchen der Männer; andererseits ist er das unaufhebbare Resultat der natürlichen Spannung zwischen den Geschlechtern und ihren manchmal auch unerfreulichen Aspekten. Von Sexismus als Ideologie kann aber erst dann die Rede sein, wenn eine gesellschaftspolitisch offenkundige Herabwürdigung, Geringschätzung und Unterdrückung damit gemeint ist oder wenn Männer das deutliche „Nein ist Nein!“

mißachten und sie gesellschaftliche Macht oder physische Stärke gegen Frauen ausspielen.
In subtilerer Weise kommt Sexismus in der Berufswelt vor, wenn Frauen schlechter entlohnt werden als Männer oder man ihnen – bei gleicher Qualifikation – berufliche Aufstiegsmöglichkeiten verwehrt. Indes wird der Begriff fragwürdig, wenn er auf bestimmte soziokulturelle Gepflogenheiten angewandt wird, die radikalen Feministinnen gegen den Strich gehen, aber den Frauen nachweislich nicht zum Schaden gereichen:

Lassen sich zum Beispiel attraktive Mädchen als Models barbusig auf den Titelseiten glamouröser Männermagazine ablichten, so läßt sich geschmacklich darüber streiten, aber als sexistisch anzuprangern ist das nicht. Es gibt Tausende von Frauen, die sich glücklich schätzten, könnten sie entsprechend posieren und sich von der Männerwelt bewundern lassen. Solche Fotos

haben viel mit der Vermarktung von Erotik, aber nichts mit Sexismus zu tun, denn hier wird kein politisches Machtspiel gespielt, sondern es wird weibliche Eitelkeit befriedigt und männliches Interesse bedient.

Populismus!

Ein Begriff, der in der jüngsten Zeit geradezu wuchert, ist Populismus, inzwischen ebenfalls zu einem diffusen Kampfbegriff verkommen. Abgeleitet vom lateinischen „populus“ (das Volk) und als Wurzel des Adjektivs „populär“ (beliebt) bezeichnet das Wort zunächst nichts anderes als ein Gesellschaftsbild, das den Vorstellungen bestimmter Gruppen des Volkes entspricht. Populistische Bewegungen erwachsen aus dem, was populär ist, genauer: was von Menschen, die sich gesellschaftspolitisch äußern, gewünscht wird.

Damit sollte der Populismus deutsche Sprache ein durch und durch demokra-
tisches Phänomen sein. Ist er aber nicht. Denn Kritiker argwöhnen darin fragwürdige Ideologien, die an der gesellschaftlichen Realität und ihren politischen Erfordernissen vorbeizielen. Populisten wird vorgeworfen, ihr Denken sei zu einfach gestrickt und sie wollten komplexen Krankheiten simple Therapien verordnen – politische Quacksalberei gewissermaßen. Damit erfährt der Begriff eine Abwertung und wird in seiner wolkigen Bedeutung zweifelhaft. Rhetorisch ist er jedoch bequem, weil man damit Ideen als „populistisch“ abtun kann, ohne zu sorgfältig zu prüfen, welche Gedanken dahinterstecken.

Natürlich können Populisten mit ihren Ansichten schiefliegen, aber die politische Fairneß erfordert, daß man sich redlich damit auseinandersetzt. Oftmals würde sich dabei zeigen, daß Populismus nur eine Variante des Konservatismus, seltener des Rechtsextremismus ist. Über diese Zusammenhänge aufzuklären ist notwendig und legitim, Menschen als „Populisten“ abzukanzeln ist engstirnig und undemokratisch.

*Denotat = die lexikalisch fest gelegte Bedeutung eines Wortes im Unterschied zum Konnotat, der nicht festgelegten, aber „mitschwingenden“ Bedeutung. So bezeichnet das Wort „Neger“ denotativ einfach einen Menschen mit schwarzer (oder dunkler) Hautfarbe, konnotativ schwingt heute in dem Wort jedoch eine Abwertung mit, so daß es allgemein als verpönt gilt.

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Am besten Deutsch sprechen…Fussball und antideutsches Verhalten..Özil und Co….


„Bereit wie nie“:

Mit diesem Wahlspruch stürmte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 2014 zum WM-Titel. Unvergeßlich ist das Spiel gegen Brasilien, das Deutschland 7:1 gewann: sieben Tore ! in einem Spiel!

2018 ist alles anders.

Während der gesamten Weltmeisterschaft schießt der Titelverteidiger nur ein einziges Tor. Nach der Vorrunde ist bereits Schluß. Diesmal lautete der Wahlspruch:

„Best NeVer Rest“.

Mit Deutsch siegen, mit Englisch scheitern? So einfach ist es freilich nicht. Doch die Sprache ist ein Spiegel. In diesem Fall spiegelte der deutsche Spruch von 2014 eine bescheidene Grundhaltung wider.

Dagegen wirkt die englische Aussage von 2018 sehr überheblich, wenn man ihn wörtlich ins Deutsche übersetzt:

„(Die) Besten ruhen sich niemals aus.“

Eigenlob stinkt bekanntlich, vor allem, wenn es mit schlechtem Englisch daherkommt. Englisch-Kennern ist nämlich sogleich aufgefallen, daß vor dem Wort „Best“ ein „The“ fehlt. Fragwürdig ist der Satz bereits auf sachlicher Ebene: Wer die Besten kennt, weiß, daß für sie Pausen notwendig sind, damit sie sich für ihre großen Aufgaben erholen können.

Hochmut kommt vor dem Fall, das erkannten auch die Gegner der Deutschen. Vor dem letzten Vorrundenspiel, das Deutschland mit 0:2 verlor, stimmte der südkoreanische Trainer seine Spieler darauf ein. Ein Spieler berichtete später:

„Er hat uns in der Besprechung vor dem Spiel gesagt, daß die deutschen Spieler die Nase weit oben haben, sie arrogant sind, schon alles gewonnen haben und nichts mehr erreichen wollen.“

All dies konnte man bereits aus „Best NeVer Rest“ lesen. Besonders hochmütig ist darin das großgeschriebene „V“ in „NeVer“. Es soll eine römische Fünf darstellen, symbolisch für den 5. Weltmeistertitel, der 2018 geholt werden sollte. Doch „Die Mannschaft“ — 2015 ist man von der Bezeichnung „Nationalmannschaft“ abgerückt – scheiterte kläglich. „Wir sind die Besten, wir brauchen keine Pausen, wir stehen schon von Anfang an als Weltmeister fest!“ Wäre der Spruch auf diese Weise ins Deutsche übersetzt worden, hätte schnell festgestanden, daß eine wichtige Tugend fehlt: Demut.

„Best NeVer Rest“ ist kein einmaliger Ausrutscher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

In seiner Vermarktung setzt er ganz gezielt auf Denglisch:

Der „Fan Club National-mannschaft powered by Coca-Cola“ wirbt mit „Fan-tastic Moments“. Der DFB-„Fanshop“ verkauft „Tanktops“ und „Jumpsuits“ im „Urban Style“.

„Der DFB war wohl noch nie so weit weg von den Fans, wie er es heute ist“,

erklärt Jochen Grotepaß von der Sympathisanten-Organisation „Unsere Kurve“. Unterstützung und Begeisterung der Anhänger haben allenthalben spürbar nachgelassen.

Im Gegenzug distanzieren sich gewisse Spieler vom deutschen Fußballvolk. Der wegen seiner Nähe zum türkischen Machthaber Erdogan und seiner schwachen Leistungen kritisierte Nationalspieler Mesut Özil brach nach dem Turnier kurz sein Schweigen, allerdings auf englisch:

„Having to leave the World Cup already after the group stage hurts so much. We just weren’t good enough. ITl need some time to get over it.“

Özil sprach in englisch…deutsch war ihm nicht gut genug und türkisch wäre wohl Benzin in’s Feuer gießen …

Auch vor den Spielen verweigerte Özil bei der Hymne durch demonstratives Schweigen das Bekenntnis zu Deutschland. Weniger Identifikation mit deutscher Sprache und Nation geht nicht mehr.

„Best NeVer Rest“: Verbrochen hat den Spruch die Daimler AG. Dort spricht man gern Kauderwelsch. Schon 2007 machte bei Daimler eine scherzhafte „Verfahrensanweisung an alle Werke“ die Runde, die vorgab, der Betrieb müsse nun auf schwäbisch umstellen. Aus „feed- back“ wurde da „saga, was bassiert isch“, aus dem „Controlling“ wurde „noch am Geld gugga“. Daraus ist nichts geworden.

Kürzlich nahm in einem Artikel Holger Mohn, Chefredakteur von Daimler.com, den sprachlichen Alltag in seinem Unternehmen aufs Korn:

„Ab ins Jour-fix. … Ich vergesse natürlich nicht zu betonen, dass ich da am Wochenende mit voller Attention noch mal inhaltlich scharf drüber gegangen bin. Ja, ich deliver eben. Das matcht – die Chefin geht steil vor Freude, will das asap auf allen Kanälen spielen.“

2011 warb die Drogeriekette „Schlek ker“ mit „For you. Vor Ort“. Das Unternehmen rechtfertigte den Spruch mit dem „niedrigen Bildungsniveau“ seiner Kunden.

Als die DEUTSCHE SPRACHWELT dies bekanntmachte, brach ein Sturm der Entrüstung los.

„Schlecker hält eigene Kunden für blöd“, schrieb die „Financial Times Deutschland“.

Wenig später war „Schlecker“ pleite. Das sollte anderen zur Mahnung reichen….

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aus http://www.Deutsche-Sprachwelt.de

DEUTSCHE SPRACHWELT: Feministinnen fordern Umbenennung von Mannheim in Menschheim…Wird „Der Postillon“ „Sprachwahrer des Jahres“?


  Thomas Paulwitz (Chefredakteur)Telefon 0 91 31 / 48 06 61
schriftleitung@deutsche-sprachwelt.de
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Erlangen, 22. Dezember 2017

 

Kein Witz: Das Satiremagazin „Der Postillon“ könnte

„Sprachwahrer des Jahres 2017“ werden. Das teilte heute die DEUTSCHE SPRACHWELT

mit. Die Sprachzeitung ruft wieder mit einer Liste von Vorschlägen zur Wahl der „Sprachwahrer

des Jahres“ auf. Die Abstimmung endet am 31. Januar 2018. „Neun von zehn Schülern

schreiben ‚Rentner‘ verkehrt herum“; „Feministinnen fordern Umbenennung von Mannheim

in Menschheim“ – Mit solchen Schlagzeilen hat „Der Postillon“ über eine Million Leser gewonnen.

Das Satiremagazin verstehe meisterhaft sein Sprachhandwerk, erklärte die Sprachzeitung.

Es veröffentliche sprachkritische Meldungen, die so verrückt seien, daß sie schon

wieder wahr sein könnten. Somit mache „Der Postillon“ auf sprachpolitische Fehlentwicklungen

aufmerksam und rege zum Nachdenken über den Sprachgebrauch an. Auf die Meldung

„Aus ‚seid‘ und ‚seit‘ wird einheitlich ‚seidt‘“ fiel sogar der MDR herein. Auch die Anregung,

es werde eine männliche „Endung „-er“ („Bäckerer“, „Polizister“) eingeführt, hielten

viele für wahr.

Ebenfalls zur Wahl steht die Académie française: Die Sprachakademie leitete eine Abkehr der

französischen Politik von unverständlichen Gender-Schreibweisen ein. Damit gebe sie

Deutschland ein Vorbild. Auf der Liste stehen außerdem der englische Schriftsteller John le

Carré und der Schweizer Altphilologe Kurt Steinmann. Le Carré ermuntert seine Landsleute

zum Deutschlernen, während Steinmann mit viel Sprachgefühl Homers Ilias ins Deutsche

übersetzte. Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann ist wegen ihres

Einsatzes für die Schreibschrift vorgeschlagen. Schließlich ist ein Unbekannter nominiert:

„Stellvertretend für all die Männer und Frauen, die mit Herzblut Tag für Tag ihre Schüler für

die deutsche Sprache zu begeistern versuchen, schlagen wir den unbekannten Deutschlehrer

vor.“ Seit dem Jahr 2000 bestimmen die Leser der DEUTSCHEN SPRACHWELT die

„Sprachwahrer des Jahres“. Die Auszeichnung erhielten bisher etwa Miroslav Klose (2016),

Loriot (2011), Benedikt XVI. (2005) und Reiner Kunze (2002).

Abstimmungsformular:

http://www.deutsche-sprachwelt.de/sprachwahrer/Formular/form.html

Ausführliche Begründungen zu allen Kandidaten:

http://www.deutsche-sprachwelt.de/sprachwahrer/index.shtml

Pressemitteilung:

http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/pm-2017-12-22.shtml

 

DEUTSCHE SPRACHWELT • http://www.deutsche-sprachwelt.de

DEUTSCHE SPRACHWELT: Reformationsjubiläum: Sieben Thesen gegen Denglisch und Genderei


https://deutschelobby.files.wordpress.com/2017/10/pressemitteilung-gegen-gender-und-denglish.pdf

DEUTSCHE SPRACHWELT

http://www.deutsche-sprachwelt.de

– PRESSEMITTEILUNG –

Reformationsjubiläum:

Sieben Thesen gegen Denglisch und Genderei

Wittenberg, 27. Oktober 2017 – Aktivisten der DEUTSCHEN SPRACHWELT haben heute an der Wittenberger Schloßkirche Thesen zur Kirchensprache veröffentlicht. In einem „Laß-ab-Brief“ stellen sie „Sieben Thesen gegen Denglisch und Genderei in den Kirchen“ auf. Hintergrund ist das bevorstehende 500. Reformationsjubiläum am 31. Oktober. Die Sprachzeitung ruft die Kirchen dazu auf, „ihre Sprache gründlich zu überdenken“.

Die Thesen in voller Länge kann man hier herunterladen:

http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/7_Thesen_Flugblatt.pdf

https://deutschelobby.files.wordpress.com/2017/10/7_thesen_plakat.pdf

Martin Luther habe „mit seiner Bibelübersetzung die Grundlage für eine einheitliche deutsche Schriftsprache“ geschaffen, heißt es in dem Thesenpapier. Diese sei durch Denglisch und Genderei in Gefahr. Statt gegenzusteuern, mischten die Kirchen selbst kräftig mit. Der Zeitgeist habe mit denglischen Bezeichnungen wie „After-Work-Gottesdiensten“ den Heiligen Geist vertrieben. Die „Zeitgeistlichen“ machten mit Ausdrücken wie „Pfarrer*innen“ und „Kinderinnen“ die Kirche lächerlich. Jede der sieben Thesen endet mit einem zusammenfassenden Reim, zum Beispiel: „‚Lasset Kids und Kinderinnen zu mir kommen?‘ So hätte Jesus nicht gesponnen!“

Politische Korrektheit nähmen die „Zeitgeistlichen“ wichtiger als sprachliche und biblische, wenn etwa das 6. Gebot zu „Verletze keine Lebenspartnerschaft!“ verändert werde. Besonders den Jugendlichen biederten sie sich mit Denglisch an, das reiche von den „Lutherkids“ bis zur „Praystation“. Zudem würde mit gegenderten Kirchenliedern die gewachsene Sprachtradition zerstört, wenn es beispielsweise „Lobet die Ew’ge“ statt „Lobet den Herren“ heiße. Die Kirche müsse statt dessen die Poesie überlieferter Worte erhalten.

Letztlich bauten die „Zeitgeistlichen“ der Einheitssprache „einen babylonischen Turm“. Dagegen sei der richtige Weg nicht Einsprachigkeit, sondern Mehrsprachigkeit, wie es das Pfingstereignis symbolisiere: „Als zu Pfingsten der Heilige Geist auf die Jünger Jesu herabkam, konnten sie in allen Sprachen sprechen.“ Im Gegensatz zu Luther („Feuereifer“, „Lästermaul“, „Sündenbock“) hätten die „Zeitgeistlichen“ keine wertvollen Wortschöpfungen hervorgebracht („Godspots“, „Ansprechpersonen“, „der/die Unterzeichner_in“).

Martin Luther habe dafür gekämpft, Gottesdienste und Predigten in einer deutschen und deutlichen Sprache zu halten. Das Thesenpapier schließt daher mit dem Aufruf: „Die deutsche Sprache sei uns Mutter, das lehrt uns Doktor Martin Luther!“

Pressemitteilung:

http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/pm-2017-10-27.shtml

Flugblatt:

http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/7_Thesen_Flugblatt.pdf

Plakat:

http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/7_Thesen_Plakat.pdf

Bild (das Bild ist für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Sieben Thesen honorarfrei):

http://www.deutsche-sprachwelt.de/berichte/7_Thesen_Wittenberg.jpg

BU: Sprachwelt-Aktivist Wolfgang Hildebrandt mit den „Sieben Thesen gegen Denglisch und Genderei in den Kirchen“ an der Wittenberger Schloßkirche

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Eine neue Serie: Was ist deutsch? Folge 1


Das Ureigene

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Ein Satz aus Hans-Dietrich
Sanders „Der Nationale
Imperativ“, den
man nicht oft genug wiederholen
kann, lautet:
„Identität ist eine Frage
auf Leben und Tod.“

Das ist ebenso lapidar
wie die Feststellung der US-amerikanischen
Kulturkritikerin Camille
Paglia: „Identität ist Macht.“ Machtlosigkeit
bedeutet aber den Tod.

Wie
konnte man dies vergessen?
Man kann die ganze Frage auch aus
der entgegengesetzten Richtung aufrollen.
Was bezwecken eigentlich jene, die
der deutschen Identität und Existenz
ihre Selbstverständlichkeit absprechen
wollen? „Wo es um politische Machtfragen
geht, stößt der bundesdeutsch
konditionierte Geist an seine Grenze“,
schrieb der Berliner Autor Thorsten
Hinz in der jungen freiheit.

Daß die
„Formulierung eines deutschen Eigeninteresses“
heute „im Namen einer universalistischen
Anmaßung“ zur verschwefelten
Undenkbarkeit erklärt wurde,
ist auch der Grund für die notorische
Unfähigkeit der Auguren des deutschen
Mainstreams, eine politische Lage deutlich
zu erkennen und zu beschreiben.

Nur die Deutschen
stellen sich die nach
Nietzsche ewige Frage
„Was ist deutsch?“, als
würden sie über sich
selbst zu Gericht sitzen.
Nur die Deutschen
kann man mit ihr aus
der Fassung bringen,
weil sie an dieser Stelle
weniger fest im Sattel
sitzen als andere Völker.

Sie rudern im Ortlosen und Prinzipiellen
herum, unfähig, eine konkrete Perspektive
einzunehmen. Das ist auch kein
Wunder, war doch die Politische Wissenschaft
in Deutschland „ein Nachkriegsimport
aus Übersee“, und damit auch
stets ein Stück kolonialer Herrschaftsideologie,
von Anfang an eine „politisierte
Wissenschaft, weil sie eine Analyse der
internationalen Machtverhältnisse und
der eigenen Machtgrundlage nicht bloß
unterließ, sondern sie unter Hinweis auf
die ‘westliche Werteordnung’ blockierte
und tabuisierte“ (Hinz).

Dazu kommt, daß die Entortung
des Eigenen einen
verdummenden Effekt hat.
Der ungeerdete, unverortete
Geist verliert sich im Abstrakten,
Unsinnigen und Spekulativen.

Wo sich das Bewußtsein
trübt, trüben sich auch
die Sinne, und von schwachen
Sinnen zum Schwachsinn ist
es nur ein kleiner Schritt. Wo
aber der eigene Standort gefunden
ist, schärft sich das Bewußtsein
für Machtverhältnisse,
ordnen sich die Dinge
wie von selbst an ihren Platz
ein.

Frantz Fanons Blick auf
die Pathologie der Kolonisierten
bildete sich durch seine
Tätigkeit als Psychiater in Algerien.
Der Seelenarzt weiß
wie kein anderer, daß Identität
eine Frage auf Leben und
Tod ist. Das Ziel einer psychologischen
und psychiatrischen
Behandlung ist stets die
Wiederherstellung der Person.

Auch Deutschland ist heute ein Irrenhaus
voller depressiver Kolonisierter
und Schlafwandler, die nicht einmal um
ihre eigene Versklavung wissen. Und wie
im Stummfilmklassiker „Das Cabinet
des Dr. Caligari“ haben die Irren seine
Leitung übernommen.

Die geisteswissenschaftlichen
Fakultäten sind heute
über weite Strecken zu Ideologiefabriken
verkommen. Die Methode der Dekonstruktion
kann von jedem Dummkopf
erlernt werden: Man muß lediglich einen
bestimmten Jargon imitieren und
die Gänsefüßchen an der richtigen Stelle
zu setzen wissen.

Als Höhepunkt der Auseinandersetzung
mit der politischen Rechten, sofern
sie denn überhaupt jenseits der Maulkorbmethode
geführt wird, gelten dann
Schlaumeiereien wie jene des SPD-Abgeordneten
Mathias Brodkorb, der sich

einen Ruf als „Neue-Rechte-Versteher“
erworben hat, weil er im Gegensatz zu
den meisten anderen seiner Zunft einen
Text halbwegs korrekt zusammenfassen
kann. In einer Glosse machte sich
Brodkorb etwa über die von „Rechtsextremisten“
vertretene Auffassung lustig,
daß „deutscher Abstammung“ sei, wer
„deutsche Eltern“ hat.

„Philosophiestudenten
des ersten Semesters würden sich
nun vor Kichern auf dem Boden kringeln,
weil diese Erklärung schlicht zirkulär
ist. … Denn wenn ‘deutsch’ ist, wer
‘deutsche’ Eltern hat, muß wiederum
gefragt werden: Wann sind denn die Eltern
eines Menschen ‘deutsch’?

Die einzig
mögliche Antwort: Wenn die Eltern
dieser Eltern wiederum ‘deutsch’ sind.
Und wann sind die Eltern der Eltern
‘deutsch’? Wenn die Eltern der Eltern
der Eltern ‘deutsch’ sind usw. So könnte
man fast bis ins Unendliche fortfahren
und würde irgendwann, die Gültigkeit
der Evolutionstheorie vorausgesetzt, bei
‘deutschen’ affenähnlichen Vorfahren
ankommen und schließlich bei so etwas
wie der ‘deutschen’ Amöbe. Woher die
allerdings wiederum ihr ‘Deutschtum’
hat, bleibt ein Rätsel.“

Sottisen wie diese – vorgetragen von
jemandem, der es mittlerweile bis zum
Kultusminister in Schwerin gebracht
hat – bewegen sich völlig im luftleeren,
ahistorischen Raum. Sie sind rein
deduktiv und haben keinen Bezug zur
Wirklichkeit.

Sie lassen dabei auch
völlig außer acht, daß das angeblich so
lachhafte Abstammungsprinzip bis in
die jüngste Zeit als die wichtigste traditionelle
Basis der Staatsbürgerschaft
galt. Die Stärkung des ius loci gegenüber
dem ius sanguis war paradoxerweise eine
Folge der laufenden Selbstentortung der
westlichen Völker, die sich vor allem
in einer wahnwitzigen Akzeptanz von
raumfremder Masseneinwanderung in
die eigenen Länder ausdrückte.

Daß Legosteindenken
à la Brodkorb mit Aufklärung
und Rationalität verwechselt
wird, muß man wohl unter die Verfallssymptome
rechnen.

Aus dem Munde eines Politikers
mit Ministerposten wäre dergleichen
eigentlich ein Skandal: Jedoch ist diese
gleichgültige Haltung gegenüber dem
Wesen und dem Schicksal des Staatsvolkes

ohnehin längst Standard unter
den herrschenden Eliten, trotz des
Wortlauts des deutschen Amtseides.
Bisher haben nur wenige Deutsche begriffen,
daß der demokratische Nationalstaat,
in dem sie heute leben, inzwischen
derart umgekrempelt wurde, daß
er für das Gegenteil dessen steht, was
er einst bedeutete.

Der norwegische Blogger Fjordman
schrieb: „Verrat in einem Nationalstaat
bedeutete vormals Disloyalität gegenüber
dem Erbe, der Freiheit und dem
Weiterbestehen der besonderen Nation
oder Ethnie, die traditionellerweise das
Territorium des Landes bewohnt hat.
Verrat in einem Ideologiestaat oder einer

Willensnation bedeutet Disloyalität
gegenüber den vom Staat behaupteten
Idealen.“ Das heißt: Geächtet (etwa als
„Extremist“ oder „Antidemokrat“) wird
heute absurderweise, wer für das eintritt,
was die traditionelle Aufgabe von
Regierungen war: die Durchsetzung des
nationalen Eigeninteresses.

Diese pseudoaufklärerische Denkungsart
ist indessen nicht bloß eine
Beschränkung des Geistes. Sie ist auch
eine ideologische Waffe, ein „korruptiver
Gedankengang“ (Hans Blüher). Es hat
keinen Sinn, sich unter Androhung des
„Rassismus“-Vorwurfs und ähnlichem
auf ein Schlachtfeld zerren zu lassen, auf
dem man nur seine Energie verzetteln
wird. Die Frage etwa, ob nun die Kultur
oder die „Rasse“ beziehungsweise die
ethnische Abstammung ein Volk ausmachen

legt in dieser kategorischen Form
eine falsche Fährte. Denn diese Dinge
sind nun einmal keine beliebig montierbaren
Legosteine und keine Oblatentorten
mit sauber trennbaren Schichten.
Empirische Individuen sind ebenso
wie die Völker, denen sie entstammen,
immer ein dynamisches „Cluster“ aus
mehreren Anteilen: Abstammung, Religion,
Sprache, Kultur, Geographie und
ein gemeinsames Narrativ.

Es ist nicht entscheidend, ob wir für
die Frage, was denn nun deutsch sei,
eine komplette Checkliste aufstellen
können, nach welcher dann entschieden
wird, wer dazugehört und wer nicht. Adjektive
sind, wie der Name schon sagt,
nur Anwürfe.

In dem Moment, in dem
man das Ganze als bloße Summe seiner
Teile auffassen will, hat man es aus
den Augen verloren. Die logische Folge
davon ist, – wie heute de facto praktiziert
wird –, den Nationalstaat nur mehr
als „zufälligen Ort auf der Landkarte“
zu verstehen, als „eine leere Schüssel,
die nur dazu da ist, mit Konsum und
Menschenrechten aufgefüllt zu werden“
(Fjordman).

Jeder Deutsche (der nicht nur bloßer
deutscher Staatsbürger ist), weiß im
Grunde, wer oder was ein Deutscher
ist und wer oder was nicht. Und die
Nichtdeutschen wissen es erst recht.
Und wer nur zum Teil Deutscher ist,
ist sich dessen in der Regel auch bewußt,
auch wenn er sich mit vollem Herzen zur
deutschen Nation bekennt.

Ein Deutscher
zu sein, ist kein logisch abgeleitetes
Prinzip, kein Set aus Eigenschaften,
sondern eine lebendige geschichtliche
Erfahrung, wie Vaterland und Muttersprache.
Jedermann hat einen Vater und
eine Mutter, eine Familie und eine Familiengeschichte,
und jede Familiengeschichte
ist Teil einer größeren, kollektiven
Geschichte.

Dies konstituiert
das Narrativ der Nation, ja die Nation
selbst ist das Narrativ, die große Erzählung,
die alles zusammenhält und in der
man selbst eine Rolle spielt.
Klingt das alles immer noch zu tautologisch?
Nun gut: Die Liebe zum Vaterland,
zur eigenen Familie, zur eigenen
Kultur, zum eigenen Volk, zur eigenen
Sprache und so weiter ist letztlich wie
alle Liebe etwas Tautologisches, etwas,

das um seiner selbst willen existiert. Es
geht hier um Bande, die wie die Blutsverwandtschaft
eine schicksalshafte Bedeutung
und eine emotionale Verankerung
haben, die nicht zur Disposition
steht. Was sonst soll die „absolut gesetzte
Eigenart“ des Frantz Fanon sein?

Heinrich von Kleist wies in seinem
„Katechismus der Deutschen“, den er
schrieb, als diesen ein algerisches Schicksal
drohte, empört die Unterstellung zurück,
er liebe sein Vaterland, „weil es
Gott gesegnet hat mit vielen Früchten,
weil schöne Werke der Kunst es schmükken,
weil Helden, Staatsmänner und
Weise, deren Namen anzuführen kein
Ende ist, es verherrlicht haben“.

Da seien
Rom und Ägypten den Deutschen
doch weit überlegen gewesen. Nein, er
liebe sein Vaterland, eben „weil es mein
Vaterland ist“. Wer das nicht begreifen
und nachfühlen kann, dem fehlt eine
entscheidende, auch menschliche, Tiefendimension:
Er wird weder begreifen
können, was Kultur eigentlich ist, noch
was Volk eigentlich ist, noch was Politik
eigentlich ist.

Ein Deutscher zu sein,
ist kein logisch abgeleitetes
Prinzip, kein Set
aus Eigenschaften, sondern
eine lebendige
geschichtliche Erfahrung,
wie Vaterland
und Muttersprache.
Die deutsche Nation ist
ein Narrativ, eine große
Erzählung, die alles
zusammenhält.

Es gibt keine Liebe ohne Ausgrenzung
und Abgrenzung. Auch das ist weniger
paradox, als es zunächst klingen
mag. Wer sich selbst haßt, kann auch
andere nicht lieben, erst recht nicht den
Fremden.

Dieser wird dann nicht mehr
als er selbst an seinem Ort wahrgenommen
und anerkannt und vielleicht sogar
geliebt, er wird zum Stellvertreter
und Abgesandten des „Big Other“, wie
Jean Raspail treffend formulierte, der
zeitgenössischen Variante von Orwells
„Big Brother“, dessen allgegenwärtiges
Götzenauge zum Brennpunkt des nationalen
Masochismus wird.

Man sagte den Deutschen oft nach,
daß sie die Neigung hätten, den Extremen
zu verfallen, daß sie keine
Makel, Doppeldeutigkeit,
keine Zwischentöne neben
Schwarz und Weiß ertragen
könnten, und böse Zungen sahen
in ihnen die ewigen Borderliner
der europäischen Geschichte.

Winston Churchill
meinte einmal verächtlich,
man hätte sie entweder zu
den Füßen oder an der Kehle.
Nur die Deutschen stellen
sich die nach Nietzsche ewige
Frage „Was ist deutsch?“, als
würden sie über sich selbst zu
Gericht sitzen.

Nur die Deutschen
kann man mit ihr aus
der Fassung bringen, weil sie
an dieser Stelle weniger fest im
Sattel sitzen als andere Völker.
Man stelle nun die Frage
„Was ist türkisch?“ einem
Türken, und wage es, ihn triumphierend
für überführt zu
halten, wenn ihm darauf keine
rechte Antwort einfällt.

Er
wird vermutlich um so mehr
darum verlegen sein, je selbstverständlicher
er in seinem „Türkentum“ verwurzelt
ist. Mit einem Schulterzucken wird
die Sache für ihn erledigt sein. Man versuche
auch, einem Kurden zu bedeuten,
daß er doch ein Türke sein müsse, weil
er einen türkischen Paß besitzt, ohne
eine Maulschelle zu riskieren.

Oder man erkläre den drei letzten
deutschen Kindern einer Kreuzberger
Grundschule oder der letzten deutschen
Familie im Weddinger Wohnhaus, daß
ihr Deutschsein doch nur ein Konstrukt
sei, über das die Proseminaristen kichern,
und daß sie darum gar keinen
Grund hätten, sich als Fremde im eigenen
Land zu fühlen.

Letztlich wird der
Deutsche aber nicht ewig vor sich selbst
davonlaufen können, wird sein Deutschtum
ebensowenig verleugnen können
wie ein Frantz Fanon seine Nègrerie.

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nachzulesen in Junge Freiheit Nr. 25-2012