Wochenrückblick…..paz19-14


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Im totalen Krieg / Wie der Kampf um die Ukraine Deutschland erfasst, wie man Wehrkraftzersetzern beikommt, und wer bei uns das Sagen hat

 

Der Kampf um die Ukraine hat Deutschland voll erfasst. Der totale Krieg der Worte tobte durch alle Kanäle und Gazetten. Der zarte Erhard Eppler, einst Galionsfigur jener etwas undurchsichtigen Friedenbewegung der frühen 80er Jahre, muss­te sich beim Jauch von einem giftspeienden „Taz“-Redakteur vorhalten lassen, er plane so etwas wie einen zweiten Hitler-Stalin-Pakt samt „Geheimem Zusatzprotokoll“, nur dass er im Unterschied zu „Führer“ und Stalin nicht Polen, sondern die Ukraine zerreißen wolle.

Ja, wir sind im Krieg. Woran wir das merken? Ganz einfach: Solange Frieden herrscht, sind die, die den Frieden erhalten wollen, die Guten. Im Krieg sind die Friedensschwafler dagegen nichts als wehrkraftzersetzender Dreck, den man mit aller Wortgewalt aus der Debatte fegen muss. Und gewalttätiger als „irgendwas mit Hitler“ geht nicht. Der NS-Führer ist die Wunderwaffe im Debatten-Endkampf.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns den Hitler warmhalten. Wer es über sich bringt, mal ein paar Tage intensiv fernzusehen, traut seinen Augen nicht: Der „Führer“ und seine Partei sind nahezu allgegenwärtig, 69 Jahre nach beiderlei Hinscheiden. Ein paar Leute haben das jetzt mal genauer untersucht und herausgefunden, dass der Mann durchschnittlich zweimal am Tag mit einem TV-Beitrag gewürdigt wird.

Und dabei geht es nicht um die mickrigen Anderthalb-Minuten-Einspieler, mit denen Angela Merkel von den „Tagesthemen“ abgespeist wird. Nein, der Hitler bekommt jedes Mal eine richtige „Homestory“, wo man auch erfährt, wie er so lebte und mit wem, was er gegessen hat und wann er aufstand (spät) – der „ganze Mensch“ eben. Bei dieser Allgegenwart ist es kein Wunder, dass er sofort zur Stelle ist, wenn es gilt, den Meinungsstreit zum verbalen Vernichtungskrieg hochzuhetzen.

Im Krieg zählen Informationen zu den wichtigsten Waffen. Deshalb muss man sehr gewissenhaft mit ihnen umgehen. Unsere Staatsmedien leisten hier Vorbildliches. In Odessa, so berichteten sie, seien mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen, weil das Gebäude, in das sie sich geflüchtet hatten, von ihren Gegnern in Brand gesetzt worden sei.

Nur einmal habe ich einen Berichterstatter dabei ertappt, wie er petzte, wer da wen auf dem Gewissen hat: Freunde der Kiewer Regierung hatten prorussische Ukrainer auf diese grausige Weise in den Tod geschickt. Eine ganz unglückliche Nachricht, schließlich sind die „Majdan-Ukrainer“ doch die Guten und die Russen die Bösen.

Also kamen die Senderchefs überein, Täter und Opfer des Massakers besser wegzulassen bei allen weiteren Berichten. Tagelang hörten wir jetzt nur noch von dem Vorfall, aber nichts mehr von der Zugehörigkeit der Urheber. Bravo! So gewinnt man Kriege an der Heimatfront.

Bei den Berichten
über das Odessa-
Massaker war echte
demagogische
Finesse am Werk

 

Stellen wir uns nur vor, die Sache wäre umgekehrt gewesen: Pro-Russen hätten Majdan-Anhänger verbrannt. Das wäre ein Fressen geworden: „Putins Mordgesellen zeigen in Odessa ihr wahres Gesicht!“, „Die blutigen Früchte der Kreml-Propaganda!“ und ähnlich markerschütternde Schlagzeilen wären uns rund um die Uhr um die Ohren geflogen. Die Zahl der Sondersendungen hätte am Ende noch die Hitler-Storys in die zweite Reihe verwiesen. Und „Putin-Versteher“ wie den Eppler hätten wir an den Pranger der „geistigen Mitschuld“ genagelt, wo die nie wieder runtergekommen wären: „Haben Sie etwa Odessa vergessen?“ Ja, „Odessa“ hätten wir zum Allzweck-Kampfbegriff aufgepumpt, mit dem man jede Debatte sekundenschnell auf Linie biegen kann, fast wie mit „Hitler“.

Tja, schade. Da nun alles ganz anders gewesen ist, war demagogische Finesse gefragt. So bastelten die Kollegen die Nachricht in die Odessa-Berichte, dass vor dem Feuer „prorussische Separatisten“ eine Gruppe Ukrainer „angegriffen“ hätten, worauf die Sache dann eskaliert sei. Da ja nicht mehr erwähnt wurde, wer bei der „Eskalation“ auf der Strecke blieb und wer das auf dem Gewissen hat, musste der arglose Zuschauer schließen: Schuld sind dann wohl die „Separatisten“.

Alles Lügner? Na, na: Es geht beim Krieg gegen Putin schließlich um die Verteidigung der westlichen Werte wie beispielsweise der Pressefreiheit. Ja, Zensur wie in Moskau gibt es bei uns nicht. Hier heißt das „redaktionelle Verantwortung“.

Wir sind nämlich ein offenes Land, in dem alle Meinungen frei geäußert werden können, ätsch, ihr blöden Russen. Selbst unbequeme Querdenker und Provokateure kommen bei uns zu Wort. Sogar der „umstrittene“ Bestseller-Autor Akif Pirinçci wurde bereits in drei Talkshows eingeladen: Zu „Günther Jauch“, zu „3nach9“ und in das SWR-„Nachtcafé“. Haben Sie ihn da gesehen? Nein?

Nun ja, ging auch gar nicht: Nach seiner Einladung wurde er von jeder der drei Runden wieder ausgeladen. Wahrscheinlich bekam die Senderleitung von der Einladung Wind und übte danach ihre „redaktionelle Verantwortung“ aus.

Ärgerlicherweise gibt es heute das Internet, das Pirinçci benutzt (oder sollte man sagen: missbraucht?) hat, um die Realsatire mit den Ein- und Ausladungen unters Volk zu streuen. Jetzt ist das ein bisschen peinlich. Da hatte es Goebbels leichter: Mein Radio, meine Zeitungen, meine Wochenschau, Punkt.

Journalisten und andere Pfleger der politischen Kultur bejammern das Internet schon länger und beklagen einen „Verfall der journalistischen Sitten“ durch das Netz, weil dort jeder Heini frei veröffentlichen könne. Was die Meinungswächter meinen: Ohne die Marodeure im Internet hätten wir einen Sarrazin oder einen Pirinçci einfach durch Nichtachtung versenkt, weil wir allein bestimmen könnten, was wovon die Deutschen erfahren. Zur AfD wäre es auch nicht gekommen, die Leute hätten schlicht nichts davon mitbekommen. Und wenn, dann so, wir erinnern uns: Beim ersten AfD-Treffen vor über einem Jahr bei Frankfurt hatten die Kollegen vom Hessischen Rundfunk solange gewartet, bis annähernd alle Teilnehmer gegangen waren. Erst dann schalteten sie die Kamera ein und filmten die Parteigründer vor dem fast leeren Saal, der eben noch von mehr als 1200 Interessenten übergequollen war. Einen Strich durch die Rechnung machte abermals das leidige Internet: Dort kursierten überall Bilder von dem vollen Raum und blamierten die TV-Macher.

Wie soll man der neuen Dreistigkeit des Pöbels bloß begegnen? Mit Festigkeit: In Leipzig hatten unter Führung einer CDU-Stadträtin 10000 Bürger per Unterschrift eine Initiative gegen einen Moschee-Bau unterstützt. Ein Skandal! Bürgermeister Burk­hard Jung (SPD) beschimpfte die Bürger, nachdem sich glücklicherweise die NPD an die Aktion drangehängt hatte, als „Nazis“, von denen er keine Unterschriften entgegenehme. Überhaupt, alarmierten uns örtliche Medien, seien solche Initiativen „rechts­populistisch“. Einer Pro-Moschee-Initiative sagte Jung dagegen „von ganzem Herzen: Danke!“

Das war vor drei Wochen. Wer vor einer Woche noch mal nachschaute, war verblüfft: Das Blatt hatte sich um 180 Grad gewendet. Plötzlich hat auch Herr Jung „Bedenken“. Nanu? Hintergrund: Der Imam einer anderen Moslemgemeinde hat ihn vor den Betreibern der neuen Moschee, der Ahmadiyya-Gemeinde, gewarnt.

Urplötzlich tauchte auch die Sektenbeauftragte der Stadt auf und erzählte, sie habe ja schon seit Monaten „Bedenkliches“ über Ahmadiyya zusammengetragen. Jetzt soll alles nochmal geprüft werden.

Wir fassen zusammen: Wenn 10000 Bürger dieses Landes etwas nicht mögen, ist das im Zweifel rechtspopulistisch und scharf abzulehnen. Wenn ein einzelner islamischer Geistlicher genau das gleiche tut, spuren die Politik und ihre „Experten“ auf Zuruf. So muss es wohl aussehen, das „post-demokratische Zeitalter“.

 

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