Verrat an der eigenen Muttersprache


Autorin macht deutlich, wie sehr die deutsche Sprache inzwischen von englischen Begriffen durchsetzt ist

Ihren Verdruss über die sogenannte „Verdenglischung“, also die Überflutung der deutschen Sprache mit Anglizismen, teilt die 1947 geborene Elisabeth G. Schmidt mit vielen Bürgern unseres Landes. Vielleicht empfindet sogar eine schweigende Mehrheit diese Erscheinung als unschön und irritierend. Eine unbekannte Größe ist die Anzahl derjenigen Mitbürger, welche durch die allgegenwärtige Verwendung englischer Wörter und Sätze ausgrenzt werden, weil sie kein oder nicht genug Englisch verstehen.

Denglisch.

 

Schmidt ist Mitglied im Verein Deutsche Sprache e.V., dessen Vertreter sich in der Vergangenheit immer wieder schriftlich und mündlich gegen die kontinuierlich fortschreitende Anglisierung – so der offizielle Begriff für „Verdenglischung“ – unserer Sprache gewandt haben. Kleine Erfolge konnten immerhin verbucht werden. Die Deutsche Bahn hat inzwischen auf Beschwerden reagiert. In der Korrespondenz der DB wurden englische Begriffe weitgehend durch deutsche ersetzt, und auf großen Bahnhöfen heißt die Auskunftsstelle wieder „DB Information“ statt „Service Center“. Eine Tendenz lässt sich daran aber nicht festmachen.

Elisabeth G. Schmidt hat sich nun mit einem eigenen Buch in die Bresche geworfen, um frischen Wind in die Kampagne für ein möglichst weitgehend von Anglizismen bereinigtes Deutsch zu bringen. „Denglisch. Deutschland schafft seine Sprache ab“ lautet der Titel des schmalen Bandes, mit dem sie jedenfalls ein Ziel erreicht hat, nämlich alle, die es interessiert, über das ganze Ausmaß der modischen Verwendung des Englischen in nahezu allen Bereichen des alltäglichen Lebens aufzuklären.

Mit ihrer eindrucksvollen Sammlung einschlägiger Beispiele möchte Elisabeth G. Schmidt am liebsten erreichen, „dass sich die Deutschen jedes Mal, wenn sie einen dieser In-Begriffe benutzen, bewusst sind, dass sie in diesem Moment ihre eigene Muttersprache verraten“. Im nächsten Satz rudert sie aber zurück und erklärt, sie wäre schon froh, wenn es ihr gelänge, das „Denglische“ ein wenig aufzuhalten.

So oder so, damit hat sie sich entschieden zu viel vorgenommen. Angesichts medialer Macht, global agierender Unternehmen und einer Jugendkultur, die sich über die „denglische“ Sprache definiert, müssen Gleichgesinnte sich in dieser Hinsicht weiterhin mit der Hoffnung auf einzelne, überraschende Maßnahmen wie die jüngst vollzogene Kehrtwende der Deutschen Bahn begnügen.

Dagmar Jestrzemski

Elisabeth G. Schmidt: Denglisch. Deutschland schafft seine Sprache ab“, Verlag DeBehr, Radeberg 2013, borschiert, 172 Seiten, 11,95 Euro

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Autor: Wiggerl

Eine Lobby für die Deutschen-Österreichischen-Südtiroler-Schweizer Kulturen und Lebensarten – Themen: Heimat, Deutsche Reich, Geschichte

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