Ältere Menschen als Staatsfeinde: Wann kommt die brutale Entwicklung auch zu uns?


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Nach den Religionskriegen, dem Zeitalter der kolonialen Eroberungen und weltanschaulichen Kreuzzügen wird das Alter das neue grausame Schlachtfeld in unserem Kulturkreis werden. In den USA ist es schon Realität, in Deutschland gerade in Vorbereitung.

Der Rentnerverband (AARP) mit seinen 37 Millionen Mitgliedern ist eine der führenden Interessengruppen der USA. Die mächtige Organisation gibt die größte Zeitschrift der Welt heraus. In dem Heft -AARP The Magazine – wird derzeit nach Kräften die wirtschaftliche Bedeutung der älteren Generation über 50 gelobt. Menschen in diesem Alter seien der Treibriemen der US-Konjunktur. »Stellen Sie sich die drittgrößte Wirtschaft der Welt nach den USA und China vor«, heißt es in dem Magazin, »mit mehr als 100 Millionen Konsumenten und sieben Billionen Dollar (5,1 Billionen Euro) Wirtschaftsleistung, das sind die Amerikaner über 50 Jahre.«

Rentner sind die neuen Melkkühe rentner_

Mehr noch: »Die über 50-Jährigen bestreiten die Hälfte des Konsums, besitzen 80 Prozent des Volksvermögens und zahlen jedes Jahr 420 Milliarden Dollar (308 Milliarden Euro) Steuern.« Im Klartext: Hier ist der wirtschaftliche Maschinenraum des Supertankers USA. Das Problem aber ist:
Aus dem Maschinenraum wird derzeit in Windeseile eine Melkkuh.

Dem Kraftpaket geht es ordentlich an den Kragen. Wer so viel gespart hat und so viel ausgeben kann, der ist in Zeiten dümpelnder Konjunktur und eskalierender Schulden ein willkommenes Ziel für Kassenwarte, die nur noch klaffende Defizite vor sich sehen und wegen der Aussicht auf steigende Zinsen neue Finanzquellen suchen. Vor allem natürlich, wenn große Banken die Verluste aus ihren Finanzgeschäften mit den Pleitekommunen minimieren wollen. Resultat:

Vor allem die 78 Millionen Babyboomer, die von 1946 bis 1964 geboren wurden, werden zunehmend zur überfälligen Reparatur der Staatsfinanzen herangezogen. Diese Attacke löst den längst vorhergesagten Generationenkonflikt jetzt endgültig aus. Die Alten sind zum neuen Konfliktstoff geworden, nach Jahrhunderten mit Religionskriegen, kolonialen Eroberungen und weltanschaulichen Kreuzzügen wird dies das neue Schlachtfeld sein. Die Klagen kommen nicht von ungefähr. Im Streit um die Rettung der Pleitestadt Detroit hat der zuständige Konkursrichter jetzt sogar die Kürzung der Pensionen von städtischen Beamten erlaubt. Und das, obwohl
die lokalen Gesetze dies verbieten.

Viele in den USA befürchten als Folge eine flächendeckende Attacke gegen die Pensionen der Babyboomer. Mehr noch: Weil Washington sich mit dem Sparen schwertut, wird zum Beispiel der Anstieg der Pensionen für ehemalige Soldaten gebremst. Zudem müssen Staatsbedienstete künftig mehr in die Pensionskassen einzahlen. Und im Rahmen der Gesundheitsreform von Barack Obama wird die Schere bei Medicare angesetzt, das vor allem die Arzt- und Krankenhausrechnungen vieler älterer Amerikaner übernimmt oder subventioniert.

Der Feldzug gegen Pensionäre

»Ältere Amerikaner sind zum öffentlichen Feindbild Nr. 1 aufgestiegen«, klagt daher die Huffington Post. »Wie sollen wir uns um all die alten Leute kümmern?«, fragt der »Economic Collapse«-Blog ratlos. Und noch ein vielsagendes Zitat: »Wir sind auf den Feind gestoßen, er sieht alt aus«, lästert Richard Eskow. Er ist Senior Fellow bei der Campaign for America’s Future. Eskow findet, dass sich das Land kollektiv gegen die Älteren zusammenrottet. Er hat auch gleich einen Grund für diesen Feldzug gegen die Rentner parat. In den etablierten Parteien, die den Kongress beherrschen – Republikaner und Obamas Demokraten, habe intern die Vorauswahl für die Kandidaten zur nächsten Präsidentenwahl begonnen.

In beiden Lagern halte man es für wenig hilfreich, die Wall Street sechs Jahre nach der Finanzkrise weiterhin ständig zu attackieren. Kein Wunder: Die Kampagnen für das Weiße Haus sind längst Milliardenprojekte geworden. Und die lassen sich nur stemmen, wenn Banken und Versicherer kräftig in die Spendenkassen einzahlen.

Ein neues Feindbild wird aufgebaut

Aber Eskow fragt, wenn man der Finanzwirtschaft nicht die Schuld für hohe Arbeitslosigkeit, galoppierende Schulden und mäßiges Wachstum geben dürfe, wem dann? Die simple Antwort: »Den Alten natürlich.«
Wie aber bringt man den Rest der Gesellschaft gegen die Alten auf? Indem man den verunsicherten Amerikanern vorgaukelt, dass ihre Probleme nicht von Finanzhaien an der Wall Street verursacht wurden, sondern von Busfahrern, Lehrern und Polizisten mit großzügigen Pensionsansprüchen. Hintergrund dieser «skalierenden Auseinandersetzung ist der größte demographische Tsunami, den es in der Geschichte der Menschheit gegeben hat.

Rund 10000 Babyboomer gehen allein in den USA jeden Tag in Rente. Und die haben in den meisten Fällen nicht genügend gespart, um im Ruhestand ihren Lebensstandard zu verteidigen. Bei Weitem nicht.
Die Babyboomer haben schlecht vorgesorgt. Zu Beginn der 1990er-jahre wollte jeder zweite Amerikaner vor Erreichen des 65. Lebensjahres in Rente gehen.

Heute träumen nur noch 23 Prozent davon. Ein halbierter Traum also. Kein Wunder, dass den älteren Amerikanern nun ständig vorgehalten wird, sie seien zu einem Problem für die ganze Gesellschaft geworden. So sagt das Congressional Budget Office vorher, dass die Vergreisung der USA das Wirtschaftswachstum für lange Zeit unter den Schnitt der vergangenen Jahrzehnte drücken wird. Mehr noch: Den Alten wird vorgeworfen, das Gesundheitssystem zu sprengen. Die USA geben für Gesundheit mehr aus als China, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, Spanien und Australien zusammen.

Die Zahl der älteren Amerikaner, die Hilfe von Medicare bekommen, soll bis Mitte des kommenden Jahrzehnts um 50 Prozent auf 73 Millionen steigen. Die ungedeckten Finanzzusagen an die explodierende Zahl von älteren Patienten werden bis auf 38 Billionen Dollar (27,9 Billionen Euro) an-steigen, 328000 Dollar (279000 Euro) für jeden einzelnen privaten Haushalt.

Was beim Kampf der Generationen auf dem Spiel steht, macht der Ökonom Laurence Kotlikoff an der Boston University deutlich: Um die Haushaltslöcher nachhaltig zu stopfen, müsste die Regierung die Steuern generell um 64 Prozent anheben und damit die Konjunktur abwürgen oder alle sozialen Leistungen und andere staatliche Transferzahlungen um 40 Prozent kürzen.
Letzteres wäre das sicherste Rezept für einen Bürgerkrieg. Die Menschen im deutschsprachigen Raum erleben in den USA eine Entwicklung, die ihnen auf den ersten Blick fern erscheint. Doch sie wird genauso auch ganz sicher ganz schnell nach Europa kommen. Man tut gut daran, sich schon jetzt darauf vorzubereiten. Denn die Realität da draußen lautet schon jetzt: Menschen, die älter als 70 Jahre sind, bekommen in Deutschland keine Bankkredite mehr. Private Zusatz-Pflegeversicherungen werden nur noch für Menschen bis 65 angeboten.

Bei Auslandskrankenversicherungen findet man ab 65 Jahren keinen Anbieter mehr. Senioren bekommen keine Rehabehandlungen mehr verschrieben und bei ihren Herz- oder Kreislauferkrankungen gibt es keine kostenintensiven Maßnahmen mehr. In immer mehr Stellenanzeigen werden Menschen, die älter als 40 sind, dazu aufgefordert, sich erst gar nicht zu bewerben.

Dabei heißt es im Grundgesetz, dass niemand wegen seines Alters benachteiligt werden darf. Trotzdem fordern deutsche Politiker, für Menschen ab 65 Jahren einen obligatorischen jährlichen Fahreignungstest einzuführen und sie am Steuer so schrittweise zu entmündigen. Das ist vorsätzlich diskriminierend und hat nichts mit Unfallverhütung zu tun.

Denn nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gehört nur jeder zehnte Hauptverursacher eines Pkw-Unfalls der Altersgruppe 65 bis 75 Jahre an. Dagegen ist der Anteil der 18- bis 24-Jährigen mit 22,7 Prozent mehr als doppelt so hoch.

Senioren sollen also in Zukunft gegenüber Jüngeren vorsätzlich benachteiligt werden.

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2 Kommentare

  1. Ältere Menschen werden in den USA zu Staatsfeinden, obwohl die Bevölkerungspyramide noch gesund ist, denn die älteren Menschen sind dort in der Minderheit. Die Ehrfurcht vor dem Alter ist weltweit im Schwinden begriffen, genauso wie die Frucht im Mutterleib keinerlei Wertschätzung mehr erlebt und somit jederzeit abgetrieben werden kann. Die Welt wird entchristlicht. Dahinter stehen Menschen und Mächte. Nach den Äußerungen Rockefellers soll die Weltbevölkerung reduziert werden, damit nur noch Junge, Schöne und Reiche hier ihr Leben fristen werden. Das Deutsche Volk aber schafft sich im vorauseilenden Gehorsam sich selbst ab. Ach, ist der Michel doch blöd.

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