Russischer Forscher: Kometentrümmer werden die Erde treffen!


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Andreas von Rétyi

 

Wird es jetzt erst richtig dramatisch? Komet ISON wurde zwar bei seiner Sonnenpassage weitgehend zerstört. Alle bisherigen Beobachtungen und Berechnungen gaben Entwarnung hinsichtlich möglicher Meteoritenschauer. Nun sollen aktuelle Erkenntnisse genau auf dieses Szenario hindeuten: Ein russischer Experte scheint sogar davon überzeugt, dass wir zum Jahreswechsel einen Sternschnuppenregen oder gar einen gefährlichen Meteoritenhagel erleben könnten. Was stimmt an dieser Geschichte?

Meteor_falling_courtesy_NASA

Selbst der »Geist« von ISON hält die Welt noch auf Trab! Was niemand allen Ernstes in Erwägung gezogen hätte, deutet sich Presseberichten zufolge anscheinend für einen russischen Wissenschaftler als reale Möglichkeit an: Die Trümmer des Kometen könnten die Erde erreichen und als heftiger Meteoritenschauer niedergehen. Seit einigen Tagen schon kursiert diese Meldung

hartnäckig im Internet. Bestenfalls steht uns demnach ein faszinierendes Himmelsschauspiel ins Haus, gewissermaßen als Entschädigung für den verlorenen »Weihnachtsstern«, schlimmstenfalls aber auch ein Ereignis, bei dem die einen oder anderen ernsteren Schäden entstehen könnten. Sicher nicht gleich eine Weltkatastrophe, aber ein Vorfall mit lokalen Folgen, vielleicht ähnlich der Himmelsexplosion vom 15. Februar über Tscheljabinsk in Russland. Etwas in dieser Art lässt die Meldung vermuten.

 

Sind russische Wissenschaftler besonders sensibilisiert, was solche Ereignisse betrifft – oder vielleicht offener für ungewöhnliche Möglichkeiten? Immerhin gab es auf dem riesigen Territorium bereits wiederholt spektakuläre Feuerbälle mit deutlichen Folgen – sei es vor allem die berühmte und immer noch rätselhafte Tunguska-Katastrophe von 1908, sei es der dramatische Meteoritenhagel von Sikhote-Alin 1947 oder eben der Tscheljabinsk-Airburst von 2013. Das alles war und ist absolut real. So nimmt es beinahe schon kaum wunder, wenn ausgerechnet ein russischer Sternwartenmitarbeiter jetzt von potenziell bedrohlichen Nachwirkungen ISONs spricht.

 

Aber stimmt diese neue Enthüllung wirklich? Sergei Smirnow ist Pressesprecher am Observatorium Pulkow bei Sankt Petersburg. Das klingt nach einer glaubwürdigen Quelle. Smirnow informierte die Medien augenscheinlich über Berechnungen, denen zufolge eine Bahnänderung des Kometen dazu führe, dass Trümmer des Kometen mit einwöchiger Verspätung die Erdbahn kreuzen werden. Ursprünglich sei zu erwarten gewesen, dass der Komet die Erdumlaufbahn am 24. Dezember in etwa 65 Millionen Kilometer Distanz passiert. Die finale Katastrophe im Perihel habe aber zu einer Verlangsamung und Änderung der Bahn geführt, weshalb der Kometenschweif sowie Restbestandteile des Kometen in den Erdorbit einfliegen.

 

Doch diese Aussagen bleiben komplett unbestätigt. Die Bahn hat sich lediglich minimal geändert, wenn überhaupt. Jedenfalls zeigen auch die Aufnahmen von Raumsonden deutlich, dass sich der Komet nach seiner Perihelpassage ziemlich genau auf der erwarteten Bahn weiterbewegt. Ungeklärt ist noch, was und wie viel vom Kometen innerhalb der jetzt schon sehr dünnen Wolke noch übrig blieb. Viel Substanzielles kann es nicht mehr sein.

 

Smirnow vergleicht den Kometen mit der Märchenfigur Snegurotschka, dem russischen Schneeflöckchen als Begleiter von Väterchen Frost, und entweder gebe es ein liebenswertes »Abschiedslächeln« in Gestalt einer unvergesslich bezaubernden Sternschnuppennacht oder aber doch einen weniger freundlichen Meteoritenhagel. So in etwa der Tenor einiger Massenmedien. Da kometarische Materie in aller Regel aber recht lose strukturiert ist, worauf wohl auch die Zerstörung von ISON hindeutet, dürfte selbst bei einer Erdpassage durch die Wolke damit zu rechnen sein, dass die meisten Überreste in der Erdatmosphäre verglühten. Eine ernste Gefahr besteht kaum, doch gilt die altbekannte Tatsache: Kometen bieten oftmals gehörige Überraschungen. ISON hat das bereits mehrfach bewiesen.

 

Sergei Smirnow soll unter anderem erklärt haben: »Es könnte ernst werden.« Allerdings läuft die Erde eben nicht durch die kometarische Wolke. Unsinnig sind hier und dort geäußerte Behauptungen, man habe sich bisher massiv in allem geirrt. Denn immer wieder haben Fachleute unabhängig voneinander die vielfache Unsicherheit zum Schicksal ISONs betont und daher eine ganze Reihe an möglichen Szenarien erwogen. Panikmache genau wie Abwiegeln von Gefahren ist aber zur authentischen Dokumentation unangebracht. Hier zählen eben nur die reinen Fakten, wie sie nach bestem Wissen und Gewissen bekannt sind.

Was nun den prognostizierten Meteoritenschauer betrifft, wäre das eine tatsächlich völlig unerwartete Entwicklung. Doch steht noch längst nicht fest, ob wir überhaupt nur irgendetwas von ISON-Auflösungsprodukten mitbekommen werden. Weit mehr wurde in diesem Falle offenbar wieder einmal eine unbedachte Äußerung hochgespielt. Smirnow jedenfalls hat sich Kollegen gegenüber bereits dafür entschuldigt, vielleicht für Missverständnisse gesorgt zu haben. Wie er sich korrigiert, hält er einen leichten, völlig ungefährlichen Sternschnuppenschauer für möglich.

 

Wichtig ist in jedem Fall, auch die wichtigsten Belege in Form neuester Aufnahmen ISONs zu berücksichtigen. Sie zeigen, dass vom Kometen kaum mehr etwas übrig ist. Möglicherweise trug eine stärkere solare Plasmawolke zusätzlich dazu bei, den bereits defragmentierten Kometen beschleunigt aufzulösen. Zumindest geht mit ihrem Eintreffen eine deutliche Abschwächung seiner Leuchtkraft einher. Vielleicht eine rein zufällige Parallele, aber bemerkenswert.

 

ISON zeigt sich gegenwärtig als expandierende Wolke achter Größenklasse, die keinen weiteren Gehalt mehr zu besitzen scheint, sondern immer lichtschwächer wird. Eine persönliche Bemerkung zum Schluss: Man darf wohl die Prognose »wagen«, dass wir zum Jahreswechsel nicht viel von ISON am Himmel zu sehen bekommen und diesbezüglich auch nichts Außergewöhnliches geschehen wird. Dass kosmische Einschläge davon unabhängig und ganz allgemein gesagt eine real existierende Bedrohung darstellen, dürfte wohl kaum noch jemand bestreiten. Zu diesem Thema hatte ich bereits vor über 20 Jahren das erste deutschsprachige Buch veröffentlicht, um dafür dann gelegentlich wegen vermeintlichen Sensations-Journalismus angegriffen zu werden.

 

Noch einmal interessant wird es trotzdem in der Zeit zwischen dem 2. und 4. Januar 2014. Vielleicht ist dann ja wirklich mit einer vermehrten Meteoraktivität zu rechnen. In der Silvesternacht könnte es also laut Smirnow noch etwas spektakulärer als sonst werden, wenn nicht alle Feuerbälle auf die bunten Raketen und Böller zurückgehen, sondern noch ein himmlisches Feuerwerk dazu kommt. Gegen Monatsmitte soll das Hubble-Weltraumteleskop auf die ISON-Wolke angesetzt werden. Möglicherweise kann das leistungsfähige Orbitalobservatorium dann klären, was wirklich vom Kometen übrig blieb.

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Autor: Wiggerl

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