Abflug in die Anderswelt – am besten ohne Zahnstocher


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Früher fürchtete der Mensch die Natur. Heute fürchtet sich die Natur vor dem Menschen. «Ich bin dann mal weg», hauchte der Frühling, ehe er abtauchte. Auch die Sonne brannte durch.

Und bescherte Petrus mit ihrem Burnout ein Dauertief. Zurück blieben nach dem himmeltraurigen Donnerwetter überflutete Haushalte und Kleinbetriebe, denen der Ruin droht, weil sie «wegen Hochwassergefahr als nicht mehr versicherbar» gelten.

Also etwa so, wie wenn uns die Krankenkasse nach erfolgloser Chemo-Keule keine Therapie mehr bezahlt, um selber zu überleben. Einziger Lichtblick neben all den freiwilligen Helfern: «Super-Angie» in Gummistiefeln ist endlich mal ne Augenweide – Latex sei Dank.

«Worüber wird nebst Lady Gaga und Sir Blabla in Deutschland derzeit eigentlich nachgedacht?», fragte ich neulich eine aufgeweckte Freundin vor Mitternacht. «Denken wir überhaupt?», entgegnete sie. «Ich glaube, die meisten denken eh nur noch von Heute auf Morgen.» Höchste Zeit aufzuwachen! Wussten Sie etwa, dass Imperien wie Eon, BASF oder der deutsche Waffenkonzern Rheinmetall jährlich horrende Summen aus dem EU-Agrarfonds einsacken – auf Kosten kleinster Landwirte, für welche die Direkthilfen eigentlich gedacht waren? Millionen für Milliardäre? Klingt wie ein schlechter Witz von Fozzie Bär. Ist aber leider wahr.

Ähnlich dämlich: Auf jedem EU-Flughafen muss ich beim Sicherheitscheck Mütze und Gürtel ausziehen und damit vor aller Augen die Hose herunterlassen, während die Burka-Tante neben mir ihr Kopftuch anbehalten darf, um im abgeschirmten Kabäuschen respektvoll abgetastet zu werden. Affenzirkus der Extraklasse. Noch absurder: «Taschenmesser mit einer Klingenlänge von maximal sechs Zentimetern» darf ich an Bord nehmen, lehrt mich die Frankfurter «Flughafen-Verordnung». Einen Millimeter mehr, und ich muss das Ding vor dem Abflug der Mülltonne schenken. München und Stuttgart verbieten die Mitnahme von «spitzen Gegenständen aller Art» im Handgepäck sogar generell. Wie soll ich nun wissen, wie ich meinen Zahnstocher am unauffälligsten an Bord schmuggle, um den Piloten später damit zu erdolchen?

Weiteres Ungemach droht, falls ich versuche, «Sportgeräte wie Golfschläger, Skier und Skistöcke im Handgepäck» (!) zu verstauen. Immerhin: Unbeschwert an Bord nehmen kann ich als potenzieller Terrorist mein Gasfeuerzeug sowie Parfümsprays, die sich kombiniert prima als Flammenwerfer einsetzen lassen. Zudem darf ich mich nach geglückter Leibesvisitation im Duty-free-Bereich nach Herzenslust mit Schweizer Armeemessern aller Art eindecken. Schwimmwesten dagegen dürfen als «Gefährliche Güter» leider «nur mit ausdrücklicher Zustimmung der
jeweiligen Fluggesellschaft» mitgeführt werden. Und Streichhölzer? «Ihr Transport im Hand- oder Reisegepäck ist nicht erlaubt. Gemäss Gefahrgutvorschriften darf pro Person nur eine Schachtel am Körper befördert werden.» Am Körper?! Welche Gurken haben sich diesen Mist eigentlich ausgedacht? Ganz einfach: «Alle Angaben», so die Frankfurter Erbsenvermesser, «erfolgen nach bestem Wissen und beruhen auf der EU-Verordnung Nr. 1546/2006. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.» Auf den Punkt gebracht: 1.) Der Fluggast ist immer der Depp. 2.) Der Flughafen-König hat immer Recht. 3.) Im Zweifelsfall siehe Ziffer 2.

Die deutsche Justiz poliert ihre Paragraphen derzeit ebenfalls auf Hochglanz. Konkret: «Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 11. April 2013 entschieden, dass Aktionen, bei denen Fahrzeuge oder Dienstleistungen unter Bezeichnungen beginnend mit dem Wortbestandteil <Volks-> vertrieben werden, die Markenrechte an der Gemeinschaftsmarke <Volkswagen> verletzen können.» So etwa «Volks-Inspektion», «Volks-Reifen» oder «Volks-Werkstatt». Oh, holde Justizia, wir breit lassen sich Deine Schenkel eigentlich noch spreizen? Schliesslich werden mit diesem Spagat-Urteil auch alle «Volks-Vertreter» und «Volks-Parteien» verboten, sofern sie sich als Dienstleister anpreisen. Die gute Nachricht: Für «Volks-Lust» darf öffentlich weiterhin geworben werden, falls damit nicht ein schummriger Service feilgeboten wird. Hoch lebe somit die Sünde. Denn Lust erschliesst Neuland. Nicht die Erinnerung hält uns am Leben, sondern die Neugier. In diesem Sinn: Auf zu neuen Ufern! Und vergessen Sie dabei nie: Es ist nicht wichtig, WIE Sie sich entscheiden, sondern DASS Sie sich entscheiden. Sonst wird am Ende über Sie entschieden.

Und irgendwo da draussen versackt der Messias derweil frustriert in einer versifften Bar, weil ihn angesichts der aktuellen Guru-Schwemme keiner erkennt.

Merke: Auch der göttlichste Retter ist immer nur so menschlich, wie die Affen, die ihn sich ausdenken. Und noch weiter draussen, rauft sich ein struppiger Yeti verstört das Fell, weil er einen Menschen sah – und ihm keiner seiner Artgenossen Glauben schenkt.

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