Euro-Krise: Enteignung der Sparer


Spargroschen in Gefahr: Enteignung der deutschen Sparer zugunsten der Sparer anderer Nationen

THORSTEN POLLEIT

Um die Finanz- und Wirtschaftskrise
zu „bekämpfen“, haben die
Zentralbanken, einschließlich
der Europäischen Zentralbank (EZB),
die kurzfristigen Zinsen auf de facto null
Prozent gesenkt. Zudem manipulieren
sie die längerfristigen Kapitalmarktzinsen
ebenfalls auf historische Tiefstände
– eine ruinöse, geradezu perverse Politik.
Während strauchelnde Schuldner sich
darüber freuen werden, weil sie so entlastet
werden, ist diese Geldpolitik für
die Sparer ein Desaster. Denn sie läuft
darauf hinaus, die Zinsen so weit herunterzumanipulieren,
bis die nominalen
Zinsen niedriger sind als die laufende
Teuerungsrate der Lebenshaltung.
Inflation höher als
Nominalverzinsung
Und die laufende Teuerung wird
absehbar ansteigen, weil der EZB-Rat
immer mehr Staats- und Bankschuldverschreibungen
aufkaufen und mit neu
gedrucktem Geld bezahlen wird. Steigt
die Geldmenge in der Volkswirtschaft,
ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch
die Preise der Güter in die Höhe schnellen.
Steigt nun die Teuerungsrate an,
und drückt der EZB-Rat durch seine
Marktinterventionen die Rendite der
Schuldtitel auf künstlich tiefe Niveaus,
so wird die inflationsbereinigte oder:
reale Rendite – also Nominalrendite

minus Teuerungsrate – negativ. Eine
negative reale Rendite zerstört die Ersparnisse
der Bürger, läßt sie verarmen.
Man mache sich nur folgendes klar:
Wenn der reale Zins minus zwei Prozent
beträgt (also die nominale Rendite null
Prozent und die laufende Teuerungsrate
zwei Prozent beträgt), so hat der Sparer
18 Prozent seiner Ersparnisse nach zehn
Jahren und 33 Prozent nach 20 Jahren
verloren. Beträgt der Zins minus fünf
Prozent, so erleidet er einen Verlust in

Höhe von 40 Prozent nach zehn Jahren
und 64 Prozent nach 20 Jahren.
Die Geldpolitik des EZB-Rates
wird für die Mehrheit der Bürger im
Euroraum schädlich sein, sie wird aber
auch die Nationen im Euroraum unterschiedlich
treffen. So werden vor allem
die deutschen Sparer bluten. Denn sie
setzen traditionell – aufgrund der „DMark-
Erfahrung“ – nach wie vor auf
festverzinsliche Anlagen in Form von
Termin- und Spareinlagen, aber auch

in Form von Bank- und Staatsschuldverschreibungen.
Die deutschen Verwalter
der Spar- und Altersvorsorge – wie
vor allem (Lebens-)Versicherungen,
Pensionskassen und Investmentgesellschaften
– legen das Geld nach wie vor
in „klassischen Anlageformen“ – wie
Term- und Spareinlagen und Bank- und
Staatschuldverschreibungen – an. Die
die deutschen institutionellen Kapitalanleger
werden vom deutschen Staat
quasi gezwungen, vor allem in fälschlicherweise

als „sicher“ angesehene Anlagen
wie zum Beispiel Staatsanleihen und
Bankverbindlichkeiten zu investieren.
Erschwerend kommt nun hinzu,
daß die deutschen Schuldtitel eine
vergleichsweise niedrige Nominalverzinsung
aufweisen: Sie genießen seit
jeher mit die beste Reputation. Und
daher trifft die Politik des negativen
Zinses vor allem die Halter deutscher
Wertpapiere. Zum Beispiel beträgt
derzeit die Verzinsung für zehnjährige
Bundesanleihen etwa minus 0,6 Prozent
pro Jahr, während sich die Rendite für
italienische Staatsanleihen auf plus 2,6
Prozent pro Jahr beläuft.
Die Politik des EZB-Rates entwertet
damit nicht nur das Finanzvermögen
– was schlimm genug ist –, enteignet
werden zudem auch noch die Sparer
einiger Nationen zugunsten anderer
Nationen. Das bleibt nicht folgenlos,
politisch wie wirtschaftlich. Das Einheitswährungsprojekt
Euro wird die
Prosperitätsträume schwer enttäuschen
und sich als für viele Bürger sogar als
Vermögenszerstörung entpuppen. Die
Warnung von Lord Ralf Dahrendorf
aus dem Spiegel vom Dezember 1995
scheint sich zu bestätigen: „Die Währungsunion
ist ein großer Irrtum,
ein abenteuerliches, waghalsiges und
verfehltes Ziel, das Europa nicht eint,
sondern spaltet.“

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Prof. Dr. Thorsten Polleit ist Chefökonom
von Degussa und Präsident des Ludwig von
Mises Instituts Deutschland.
http://www.thorsten-polleit.com

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aus Junge Freiheit Ausgabe 48-2012

Ein Kommentar

  1. Was kann sich der kleine Sparer denn noch alles leisten? Bei den galoppierenden Preisen, allen voran der Sprit- und die Strompreise, von den Lebensmittel ganz zu schweigen, hat er doch keine Möglichkeit mehr, etwas auf die hohe Kante zu legen. Wenn dann auch noch der Europäische Gerichtshof genauso wie das Bundesverfassungsgericht ebenfalls den ESM absegnet und von der EU dabei auch noch laut über einen Schuldenschnitt für die „armen“ Griechen nachgedacht wird, könnte man …. alles auf einmal machen! Merkel umbringen, Schäuble aufhängen, Roth auf einem Kamel festbinden und in die Wüste schicken und all so kleine Spielerein.

    Aber der hartz IV Empfänger bekommt im Puff von Wuppertal Rabatt!!!!! Das ist doch schon mal was!

    Links:

    Europäischer Gerichtshof bestätigt EU-Rettungsschirm

    Gericht: „Keine Währungspolitische, sondern eine wirtschaftspolitische Maßnahme“

    Lesen Sie mehr: http://www.welt.de/newsticker/news3/article111550219/Europaeischer-Gerichtshof-bestaetigt-EU-Rettungsschirm.html#ixzz2DSllYkoa

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    Griechenland-Hilfe: Jetzt wird es teuer

    27.11.2012, 19:30 Uhr | Spiegel Online
    Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU): Schuldenerlass für Griechenland, oder nicht? (Quelle: dapd)

    Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble: Schuldenerlass für Griechenland, oder nicht? (Quelle: dapd)

    Im Eiltempo muss der Bundestag über neue Milliardenhilfen für Griechenland entscheiden. Schon jetzt ist klar: Deutschland wird erstmals auf Hunderte Millionen Euro verzichten.

    http://wirtschaft.t-online.de/griechenland-hilfe-jetzt-wird-es-teuer-fuer-deutschland/id_61098194/index

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    Sex-Rabatt für Arbeitslose

    5 Fragen an die Bordellchefin, die Hartz-IV-Empfängern Nachlass verspricht
    Sex-Rabatt für Arbeitslose. Ist das zynisch oder sozial?

    http://www.bild.de/news/inland/bordell/sex-rabatt-fuer-arbeitslose-27353280.bild.html

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